Ein doppelter Espresso ist in den meisten Cafés Standard. Zu Hause herrscht trotzdem Verwirrung: Wie viel Kaffee kommt rein? Wie viel Flüssigkeit raus? Und warum schmeckt der Einfache oft schlechter? Wir klären Mengen, Verhältnisse und den Unterschied, der in der Tasse zählt. (Grundlagen zur Zubereitung findet ihr in unserem Espresso-Zubereitungs-Guide.)
Was ein doppelter Espresso ist
Ein doppelter Espresso (Doppio) verwendet die doppelte Kaffeemenge im Vergleich zum einfachen Espresso und liefert die doppelte Menge in die Tasse. Die gängigen Werte:
Doppelter Espresso: 16–20 g Kaffee rein, 32–40 g Espresso raus (ca. 40–50 ml in der Tasse). Einfacher Espresso: 7–10 g Kaffee rein, 14–20 g Espresso raus (ca. 20–25 ml in der Tasse).
Bei Kaffeemacher arbeiten wir meistens mit 18 g Kaffee für einen Doppio. Das ist die Menge, für die die meisten Siebträger-Doppelsiebe ausgelegt sind. In die Tasse kommen dann 36 g bei einem Brühverhältnis von 1:2 und 45 g bei einem Verhältnis von 1:2,5, was wir für viele Kaffees empfehlen.

Gramm, Milliliter, Volumen — warum das nicht dasselbe ist
Eine häufige Verwirrung: 36 g Espresso sind nicht 36 ml. Espresso enthält Crema, und Crema hat weniger Dichte als Wasser. In der Praxis sind 36 g Espresso eher 40–50 ml Volumen in der Tasse. Die genaue Menge hängt davon ab, wie viel Crema euer Kaffee produziert.
Deshalb wiegen wir Espresso immer in Gramm und nicht in Millilitern. Ein Messbecher ist für Espresso-Rezepte unbrauchbar. Eine Waage, die auf 0,1 g genau anzeigt, gibt es günstig in unserem Shop und macht eure Espresso-Zubereitung sofort reproduzierbarer. Das ist die sinnvollste Investition, die ihr in euer Setup machen könnt.

Warum der Doppio fast immer besser schmeckt
Wir raten grundsätzlich zum doppelten Espresso. Nicht weil mehr Kaffee automatisch besser ist, sondern aus einem physikalischen Grund.
Ein Doppelsieb ist auf eine bestimmte Kaffeemenge ausgelegt — seine Geometrie, die Tiefe, die Lochverteilung im Boden. Wenn ihr nur 7–10 g in ein Einersieb füllt, bildet sich eine dünne Kaffeeschicht, die deutlich weniger Widerstand aufbaut als vorgesehen. Kleine Dichteschwankungen im Puck, die beim Doppio keine Rolle spielen, werden beim Einersieb sofort zu Kanälen: Wasser drängt Kaffeepartikel zur Seite, der entstehende Gap leitet das Wasser schneller durch, was den Kanal weiter vergrössert. Das Ergebnis ist oft ungleichmässige Extraktion - an manchen Stellen überextrahiert, an anderen unterextrahiert. Der Espresso schmeckt dann gleichzeitig sauer und bitter - ein typisches Channeling-Problem.
Bei 16–20 g Kaffee im Doppelsieb ist der Puck so tief, wie das Sieb es vorsieht. Das Wasser verteilt sich gleichmässiger, der Puck widersteht kleinen Unebenheiten besser. Die Extraktion wird homogener, der Geschmack klarer. Viele Probleme, die Einsteiger beim einfachen Espresso haben, verschwinden beim Doppio von allein - nicht weil ein Wunder passiert, sondern weil das Equipment so genutzt wird, wie es gebaut wurde.
Wenn ihr nur eine kleine Menge Espresso trinken wollt: Macht trotzdem einen Doppio und trinkt die Hälfte. Oder verwendet den Rest für einen Cappuccino. Das Ergebnis ist in der Regel besser als ein Einfacher aus dem Einersieb. Und meistens freut sich jemand im Haushalt oder der Nachbar oder die Nachbarin.
1er Espresso Geheimtipp
Ein Kompromiss sind 14 - 15 Gramm Zweiersiebe oder grosse 1er-Siebe wie wir sie im Shop haben. In unser Einer Sieb passen bis zu 14 Gramm Kaffee. Mit einem Brühverhältnis von 1:2 kommt ihr dann auf 28 Gramm Espresso. So wird auch der 1er Espresso zum leckeren Bezug.

Brühverhältnis: Die Zahl, die wirklich zählt
Das Brühverhältnis beschreibt, wie viel Kaffee reinkommt und wie viel Espresso rauskommt. Bei einem 1:2-Verhältnis ergibt 1 g Kaffee 2 g Espresso.
18 g Kaffee → 36 g Espresso = 1:2. Das ist der Standardbereich für die meisten Kaffees. Heller geröstete Kaffees vertragen oft etwas mehr Wasser (1:2,5), dunkler geröstete manchmal weniger (1:1,5 bis 1:1,8).
Wo 1:2 im globalen Vergleich liegt, zeigt eine Feldstudie von André Eiermann (2024): Er mass in 85 Cafés aus 11 Ländern insgesamt 106 Espresso-Shots mit dem Refraktometer. Specialty-Coffee-Cafés lagen dabei im Schnitt bei 9,4% TDS (gelöste Feststoffe in der Tasse). Genau in diesem Bereich landet ein gut gezogener Doppio mit 18 g und 36 g Auslauf. Kommerzielle Cafés kamen auf 6,4% TDS, Vollautomaten auf 5,2%. Das 1:2-Verhältnis ist also kein willkürlicher Wert - es ist der Parameter, mit dem Espresso-Bars arbeiten, die auf Extraktionsqualität achten. Wer traditionellen Espresso süditalienischer Prägung kennt, liegt mit diesem Verhältnis übrigens deutlich darunter: Neapolitanischer Espresso wird oft erheblich konzentrierter gezogen.
Noch etwas zur Frage, ob Doppio und Einfacher Espresso bei gleichem Verhältnis identisch schmecken: meistens ähnlich, aber nicht zwingend gleich. Ein dickerer Puck extrahiert in horizontalen Schichten - die obersten Kaffeeschichten werden früher gesättigt und extrahieren anders als die untersten, die noch im vollen Extraktionsfenster arbeiten. Wer zwischen Einersieb und Doppelsieb wechselt und sich bei gleichem Rezept über einen Geschmacksunterschied wundert: Das ist der Grund.
Unsere Rezepte geben immer Kaffeemenge, Brühverhältnis und Zeitfenster an. Mit diesen drei Werten könnt ihr jedes Rezept auf eure Maschine übertragen.
Durchlaufzeit: Einfacher vs. doppelter Espresso
Muss ein doppelter Espresso länger laufen? Nicht unbedingt. Bei doppelter Kaffeemenge im grösseren Sieb und doppelter Wassermenge skalieren Widerstand und Durchfluss in der Praxis mit. Die Extraktionszeit bleibt bei gleichem Brühverhältnis oft im selben Fenster — typischerweise 25–30 Sekunden.
Wenn euer Doppio bei gleichen Parametern deutlich schneller oder langsamer läuft als der Einfache, ist fast immer der Mahlgrad das Problem. Beim Wechsel zwischen Einer- und Doppelsieb müsst ihr den Mahlgrad anpassen, weil sich die Kuchendicke ändert und damit der Widerstand.
Unser Rat: Legt euch auf eine Siebgrösse fest (am besten das Doppelsieb) und optimiert euren Mahlgrad dafür. Ständiges Wechseln zwischen Einer- und Doppelsieb macht das Einstellen unnötig kompliziert.

Koffein: Doppelt so viel?
Ja, ungefähr. Ein doppelter Espresso enthält in etwa doppelt so viel Koffein wie ein einfacher, weil doppelt so viel Kaffeepulver extrahiert wird. Bei 18 g Kaffee landet ihr je nach Sorte und Röstgrad bei ca. 120–140 mg Koffein — dieser Wert variiert, weil der Koffeingehalt je nach Arabica-Sorte und Herkunft unterschiedlich ist. Ein einfacher Espresso mit 9 g Kaffee enthält entsprechend rund 60–70 mg.
Zum Vergleich: Eine Tasse Filterkaffee (200 ml) enthält je nach Zubereitung 80–120 mg Koffein. Der doppelte Espresso hat also etwas mehr Koffein als ein normaler Filterkaffee, obwohl er in der Tasse viel kleiner aussieht.
Unser Sueño Espresso wird mit dem chemiefreien Mountain Water Decaf Prozess in Mexiko entkoffeiniert. Wer abends gerne noch Espresso trinkt, findet im Sueño das perfekte Gegenüber für sein Espresso-Hobby.
Ristretto, Lungo und Espresso: Die Varianten
Neben dem Standardverhältnis 1:2 gibt es zwei verbreitete Varianten, die oft mit dem Doppio verwechselt werden:
Ristretto (1:1 bis 1:1,5): Gleiche Kaffeemenge, aber weniger Wasser. 18 g Kaffee → 18–27 g Espresso. Kürzer, konzentrierter, weniger bitter, dafür oft säurebetonter. Der Ristretto ist kein „stärkerer Espresso", sondern ein anderes Gleichgewicht der Geschmacksstoffe. Wer im traditionellen süditalienischen Café einen sehr kleinen, sehr intensiven Espresso trinkt, bewegt sich in diesem Bereich — dort wird oft mit weniger Kaffee, aber kurzem Auslauf gearbeitet, was eine ähnliche Konzentration ergibt.
Lungo (1:3 bis 1:4): Gleiche Kaffeemenge, aber mehr Wasser. 18 g Kaffee → 54–72 g Espresso. Dünner, mehr Volumen, oft bitterer, weil die Extraktion länger läuft. Nicht dasselbe wie ein Americano, bei dem heisses Wasser zum fertigen Espresso gegeben wird.
Die Kaffeemenge bleibt bei allen Varianten gleich. Was sich ändert, ist nur die Wassermenge - und damit die Brühzeit und der Geschmack. Wenn ein Espresso zu sauer schmeckt, kann etwas mehr Wasser (Richtung 1:2,5) helfen. Schmeckt er zu bitter, etwas weniger (Richtung 1:1,8).
Café Crème (Schweiz): Das meistgetrunkene Kaffeegetränk der Schweiz ist kein Lungo — auch wenn es ähnlich gross in die Tasse kommt. Der Unterschied liegt im Rezept: Beim Café Crème wird mit 12–15 g Kaffee im Doppelsieb und einem Verhältnis von 1:8 bis 1:10 gebrüht, der Mahlgrad ist deutlich gröber als beim Espresso. Aus 15 g Kaffee kommen rund 120–150 g in die Tasse, in 25–30 Sekunden. Wer einen Café Crème als Lungo zubereitet — gleiche Mühleneinstellung, einfach mehr Wasser — bekommt einen überextrahierten, bitteren Kaffee. Ein guter Café Crème braucht eine eigene Mühleneinstellung, idealerweise eine zweite Mühle. Alles zur Geschichte, zu Brührezepten und zur Frage, ob Kaffeerahm wirklich sein muss, erklärt unser ausführlicher Café-Crème-Artikel.
Die Eckdaten auf einen Blick
Doppelter Espresso: 16–20 g Kaffee, 32–40 g in die Tasse, 25–30 Sekunden. Brühverhältnis 1:2 als Ausgangspunkt. Schmeckt in der Regel besser als der Einfache, weil die Extraktion gleichmässiger läuft. Enthält ca. 120–140 mg Koffein.
Ihr wollt eure Brühzeit besser verstehen? Dann lest unseren Artikel Espresso Extraktionszeit: Ab wann läuft die Brühzeit wirklich? — inklusive der +3-Sekunden-Regel für Vibrationspumpen.
Und wenn euer Espresso trotz richtiger Menge nicht schmeckt: Schaut euch an, wie ihr den Mahlgrad richtig einstellt und was ihr tun könnt, wenn der Espresso zu sauer ist.























