Kaffeemessen geizen leider oft mit echten Neuigkeiten. Neue Farben für altbekannte Espressomaschinen werden als Innovationen gehypt, sanfte Überarbeitungen von alteingesessenen Herstellern als der neueste Schrei vermarktet. Umso schöner, wenn sich zwischen den sich Jahr für Jahr wiederholenden Ständen auf der World of Coffee echte Innovationen verstecken — so wie Datum Coffee.
Datum Coffee ist ein österreichisches Espressomaschinen-Startup, gegründet von den beiden 28-jährigen Maschinenbau- und Designstudenten Christoph Konheisner und Nikolaus Potapow. Was haben die zwei entwickelt? Zwei Prototypen von Espressomaschine und Mühle, die miteinander verbunden sind und auf dem neuesten Stand der Technik Espresso machen. Das Produkt ist noch nicht fertig, aber das Konzept ist vielversprechend — und mein persönliches Messe-Highlight an der World of Coffee in Brüssel.
Dieser Artikel basiert auf einer Messebegegnung mit einem Prototyp auf der World of Coffee 2025 in Brüssel. Es ist explizit kein vollständiger Kaffeemacher-Test. Alle technischen Angaben stammen aus Gesprächen mit den Gründern und von der Datum-Website. Was die Maschine im Alltag leistet, können wir erst beurteilen, wenn wir eine Serienmaschine in den Händen halten und durch unser Testprotokoll führen. Das werden wir tun, sobald sie verfügbar ist.
Wer steckt hinter Datum Coffee?
Chris und Nikolaus, Maschinenbaustudenten aus Niederösterreich, zuhause in Innsbruck. Sie haben in rund zweieinhalb Jahren die beiden präsentierten Prototypen, ein Konzept sowie die dazugehörige Software entwickelt und in vorläufig 3D-gedruckten Gehäusen auf der Messe präsentiert.
Gegründet haben die beiden im Wesentlichen aus eigenen Mitteln, ohne externe Investoren, mit einer staatlichen Förderung im Rücken. Angetrieben hat sie eine Frage, die sich viele Einsteiger stellen: Warum müssen Menschen mehrere Espressi wegschütten, bis der Mahlgrad stimmt? Als Antwort entwickeln sie datum.coffee.
Das Konzept: Maschine, Mühle und Plattform als System
Datum Coffee ist kein einzelnes Gerät, sondern ein Duo aus Espressomaschine und Mühle, die miteinander vernetzt zusammenarbeiten und über eine Plattform koordiniert werden. Das klingt nach Marketing, ist aber technisch tatsächlich der Kern des Systems: Die beiden Geräte tauschen Daten aus, passen Parameter aneinander an, und reduzieren so den manuellen Aufwand beim Einrichten.
Der Gedanke dahinter ist nicht neu. Wir haben das Prinzip, das hinter solchen vernetzten Systemen steht, ausführlich im Artikel „Grind-by-Sync: Mühle und Maschine im Dialog" beschrieben. Was Datum Coffee macht, ist ein konsequenter weiterer Schritt in diese Richtung — mit dem Unterschied, dass die Plattform hier von Anfang an offen für Röstereien und perspektivisch auch für andere Maschinenhersteller gedacht ist.
Was die Maschine ankündigt
Zunächst überraschend mutet der „58-mm-Siebträger" an: Er verzichtet auf den klassischen Griff und besteht stattdessen aus einem übergrossen Siebeinsatz.
Geheizt wird mit einem Dickfilmheizer. Der Heizer heizt auf, während die Mühle mahlt — das dauert laut Gründern rund 10 Sekunden. Ob und wie ein Aufheizen des Siebträgers vorher geplant ist, ist noch offen. Das ist keine unbekannte Technologie: Die Maro Model 1, eine der technisch fortschrittlichsten Maschinen, die wir bisher getestet haben, nutzt ebenfalls einen Dickfilmheizer (FTH) und erreicht damit Aufheizzeiten von 4 Minuten. Auf ähnliche Geschwindigkeiten kommt die Roxy Espressomaschine, die ebenfalls mit einem Dickfilmheizer arbeitet.
Was Datum Coffee zusätzlich mitbringt: einen automatischen Tamper, direkt in die Brühgruppe integriert. Ein hydraulisch gesteuerter Kolben fährt herunter, tampt mit einstellbarem Druck (die Demo zeigte 20 kg), und brüht dann automatisch. Das heisst: Siebträger einspannen, Start drücken — die Maschine übernimmt den Rest. Das erinnert an das, was Sage bei einigen Geräten mit einem integrierten Tamper löst, allerdings mit dem Unterschied, dass der Tamper bei Datum nicht in der Mühle sitzt, sondern in der Brühgruppe. Der Siebträger kann also entnommen und das Kaffeemehl manuell verteilt werden, bevor die Maschine übernimmt.
Flow-Sensor, Drucksensor und Temperatursensor sind laut Datum-Team verbaut. Flow- und Druckprofiling soll möglich sein. Demos einer entsprechenden App bzw. Browser-Ansicht zeigen die Programmierung von Stages und Exit-Bedingungen.
Geplant sind zwei Varianten der Datum Espressomaschine: mit und ohne Milchlanze. Die Milchlanze soll laut Gründern ebenfalls smart sein, mit Temperatursensor und automatischer Dampfsteuerung. Der Wassertank fasst 0,8 Liter und hat einen integrierten Wasserfilter.
Was die Mühle mitbringt
Die Mühle mahlt mit 64-mm-Flachmahlscheiben, bürstenlosem Motor mit einstellbarer Drehzahl und integrierter Waage. Grind-by-Weight schaltet viele smarte Funktionen eines solchen Setups frei. Ergänzt wird das durch eine elektronische Mahlgradverstellung in Mikrometer-Schritten. Eine LED-Anzeige an der Mühle zeigt die notwendigsten Informationen; komplexere Einstellungen werden per App oder Browser vorgenommen.
Das Grind-by-Sync-Prinzip ist tief integriert: Wenn die Maschine während des Bezugs merkt, dass der Fluss zu schnell oder zu langsam ist, sendet sie ein Signal an die Mühle, die den Mahlgrad für den nächsten Bezug nachjustiert. Das Prinzip kennen wir von anderen Systemen — die Mahlkönig Xenia mit der E64 WS verfolgt einen ähnlichen Ansatz, ebenso das Startup nunc. mit seiner smarten Espressomaschine. Was Datum Coffee verspricht, ist eine offene Variante, die von Anfang an nicht auf proprietäre Bohnen und exklusive Partnerröstereien setzt.
Die Plattform: Rezepte per App, offen für alle
Wer eine neue Kaffeebohnenpackung kauft, fotografiert mit der App einmal das Etikett. Die Plattform erkennt das Produkt, sofern es angelegt ist, ruft ein hinterlegtes Rezept der jeweiligen Rösterei ab und schickt Mahlgrad, Bezugsparameter und Getränkeart direkt an Mühle und Maschine. Beim nächsten Bezug stellt die Mühle selbst ein. Manuell eingreifen kann, wer will — der Pro-Modus erlaubt mehrstufige Brühprofile mit freier Steuerung von Temperatur, Flow und Druck.
Für Röstereien ist die Registrierung auf der Plattform kostenlos geplant. Langfristig soll die Plattform auch für andere Maschinenhersteller geöffnet werden. Datum denkt an eine Art offenes Betriebssystem für vernetzte Espressogeräte. Das klingt ambitioniert — und es bleibt zu prüfen, inwiefern das tatsächlich gelingen kann und wird. Der Wert einer Plattform steigt mit der Anzahl der Nutzer, und eine offene Plattform hat eine bessere Chance, relevant zu bleiben, als ein geschlossenes Ökosystem.
Wann kommt die Maschine?
Ende 2026 plant Datum Coffee eine Kickstarter-Kampagne. Wer vorbestellen will, kann sich das jetzt schon vormerken. Die Auslieferung ist für Ende 2027 geplant. Was die Maschine kosten soll, haben die Gründer auf der Messe freimütig gesagt: Auf der Website ist für Frühbucher ein Preis von 1.199 Euro sichtbar, regulär später 1.499 Euro — und das gilt für Maschine und Mühle zusammen. Zum Vergleich: Die Mahlkönig Xenia kostet allein schon deutlich mehr. Ob Datum Coffee diesen Preis wirklich hält, wird sich zeigen. Als Ansage ist er bemerkenswert.
Einordnung: Was das bedeutet
Die Richtung, in die Datum Coffee denkt, ist nicht singulär. Vernetzte Systeme aus Mühle und Maschine werden zu einem echten Trend im Heimsegment. Mahlkönig zeigt mit der Xenia und der E64 WS, wohin etablierte Hersteller wollen. nunc. hat schon länger ein ähnliches Konzept mit NFC-Bohnen-Erkennung, ist aber immer noch dabei, die Produktion auszurollen. Maro baut mit dem Smart Profiler und der Maro Home Bezugsdatenbank eine lernende Plattform rund um ihre Maschine.
Was Datum Coffee von diesen Systemen unterscheidet: der automatische Tamper als Teil der Brühgruppe, die offene Plattformidee und der Einstiegspreis, der — wenn er so kommt, wie angedeutet — deutlich unterhalb dessen liegt, was vergleichbare Systeme kosten.
Ob das alles in der Serienmaschine so funktioniert, wie es auf der Messe versprochen wurde, bleibt abzuwarten. Das werden wir testen, wenn die Zeit kommt. Bis dahin: ein vielversprechendes Startup, ein durchdachtes Konzept — und zwei Maschinenbauer aus Innsbruck, die wissen, was sie tun wollen.
Wir haben uns vorgenommen, eine Maschine zu bestellen, sobald der Kickstarter läuft.
Fazit
Datum Coffee ist noch kein fertiges Produkt, sondern ein Prototyp mit einem klaren Konzept. Espressomaschine und Mühle als vernetztes Duo, automatisches Tampen in der Brühgruppe, eine offene Plattform für Rösterei-Rezepte. Die Richtung stimmt, das Team wirkt kompetent, der angekündigte Preis wäre, wenn er kommt, ein echtes Ausrufezeichen. Was die Maschine wirklich leistet, können wir erst nach einem vollständigen Test mit unserem Protokoll sagen. Das folgt, sobald eine Serienmaschine verfügbar ist. Bis dahin behalten wir Datum Coffee im Blick — und sind gespannt.
Kickstarter: geplant Ende 2026 · Auslieferung: geplant Ende 2027 · Preis: 1.199 € (Frühbucher) / 1.499 € regulär — Maschine + Mühle als Set · Mehr: datum.coffee
























