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    Lelit Elizabeth 3 im Test: Druckprofile für 1.650 Euro

    Lelit Elizabeth 3 im Test: Druckprofile für 1.650 Euro

    Die Lelit Elizabeth hat uns schon im ersten Test gefallen. Jetzt hat Lelit nachgelegt: Die Elizabeth 3 ist ein Dualboiler für 1.650 Euro, der Druck und Fluss gleich auf zwei Wegen steuert. Ihr könnt mit dem Pagaia, dem kleinen Holzhebel an der Seite, den Fluss während des Bezugs von Hand regeln. Zusätzlich speichert ihr auf zwei Tasten je ein Druckprofil mit bis zu fünf Stufen. Damit sind die Bezüge wiederholbar, und genau das gab es in dieser Preisklasse bisher nicht.

    Wir haben die Elizabeth 3 nach unserem Testprotokoll 2.3.2 gemessen und die alte Elizabeth parallel noch einmal durch dasselbe Protokoll geschickt. So könnt ihr beide Maschinen direkt vergleichen. Die zentrale Frage: Was bringt die neue Steuerung in der Tasse, und was kostet der kleinere Brühboiler?

    Transparenz: So sind wir zu diesem Testgerät gekommen

    Diese Maschine haben wir nicht gekauft. Wir haben sie vor dem offiziellen Marktstart bekommen, damit wir sie rechtzeitig testen konnten, und zu diesem Zeitpunkt konnte uns Lelit noch keine Rechnung stellen. An unserem Testablauf ändert das nichts, wir testen wie immer unabhängig und gewissenhaft.

    Weil wir aber zur Wahrung unserer Neutralität für jedes Testgerät bezahlen wollen, spenden wir den Kaufpreis von 1.650 Euro an das Instituto „Fazenda da Cachoeira“ in Brasilien. Es leistet Kultur- und Bildungsarbeit im Bereich regenerative Landwirtschaft, betreibt Wissenstransfer in Zusammenarbeit mit Universitäten und führt Projekte zu Integration und Empowerment durch.

    Die alte Elizabeth haben wir bereits ausführlich getestet. Den Test der Lelit Elizabeth mit den neuen Messwerten findet ihr hier, und wie der Hebel bei Victoria und Mara funktioniert, erklären wir in unserem Artikel zu Lelit Pagaia.

    Was neu ist: Druckprofile, Pagaia und ein kleinerer Brühboiler

    Auf den ersten Blick ist die Elizabeth 3 die alte geblieben. Sie wiegt weiterhin 15 Kilo und ist mit 38 Zentimetern Breite, 38 Zentimetern Höhe und 36 Zentimetern Tiefe fast ein Würfel. Im Inneren hat sich aber einiges getan. Der Brühboiler ist auf 0,2 Liter geschrumpft, der Dampfboiler bleibt bei 0,6 Litern, und der Wassertank fasst 2,5 Liter.

    Die eigentliche Neuerung ist die Pumpensteuerung. Lelit regelt die Vibrationspumpe über Pulsweitenmodulation, also darüber, wie viel Leistung auf die Pumpe geht. Ein Drucksensor misst gleichzeitig, wie viel Widerstand der Kaffeekuchen der Pumpe entgegensetzt. Die Technik baut auf Patenten von Sage auf, zu deren Firmengruppe Lelit inzwischen gehört. Das Ergebnis seht ihr im Display: Während des Bezugs zeigt die Maschine den Druck auf dem Kaffee und das eingestellte Profil an.

    Lelit Elizabeth 3 von der Seite mit Wasserstandsanzeige und Siebträger mit Holzgriff

    Verarbeitung: Holz statt Plastik, und mit 56 Dezibel sehr leise

    Im ersten Test mit der alten Elizabeth haben wir den Dampfdrehknopf als billig und unästhetisch kritisiert, und viele von euch haben sich daraufhin eigene Knöpfe aus Holz oder dem 3D-Drucker gebaut. Das ist jetzt erledigt. Dampfknopf, Siebträgergriff, Tamper und Pagaia sind aus demselben Holz, und alles fühlt sich deutlich hochwertiger an. Auch der Wassertankdeckel sitzt jetzt in einer kleinen Führung. Lelit setzt ausserdem wie gewohnt Gummipuffer ein, sodass weniger klappert.

    Das merkt man auch beim Brühen. Mit 56 Dezibel ist die Elizabeth 3 sehr leise, und besonders mit Druckprofil schnurrt die Pumpe eher, als dass sie brummt. In unserer Bewertung gibt das eine 8.

    Ganz ohne Abstriche geht es nicht. Das Edelstahlblech ist relativ dünn und hat an einer Stelle eine etwas scharfe Kante, und auf dem gebürsteten Edelstahl sieht man jeden Fingerabdruck. Michel würde deshalb zur schwarzen Variante greifen, weil die Lackierung hochwertiger wirkt und weniger Flecken zeigt. Schwarz und Weiss kosten 50 Euro mehr. Insgesamt bewerten wir die Wertigkeit mit 8.

    Druckprofile: fünf Stufen pro Taste

    Jede der beiden Bezugstasten kann ein eigenes Profil mit bis zu fünf Stufen speichern. Für jede Stufe legt ihr den Druck in halben Bar-Schritten fest und dazu die Dauer. Eine aufwendige App braucht ihr dafür nicht, programmiert wird über das bekannte Lelit-Display.

    1
    Menü öffnen. Auf Minus drücken. Wenn ihr drei Sekunden lang nichts tut, springt die Maschine wieder aus dem Menü.
    2
    Profil aktivieren. Durch Temperatur und Bezugszeiten blättern, bis die Seite für Taste 1 oder Taste 2 kommt, und das Profil einschalten.
    3
    Stufe einstellen. Zweimal auf Plus, der Wert blinkt. Den Druck wählen und drei Sekunden warten, dann wechselt die Anzeige auf die Zeit.
    4
    Zur nächsten Stufe. Mit Minus auf die zweite Stufe springen und genauso einstellen, bis zur fünften.

    Ihr müsst nicht alle fünf Stufen nutzen. Wenn ihr die zweite Stufe auf 30 Sekunden stellt, kommen die Stufen drei bis fünf gar nicht mehr zum Zug, weil kein Bezug so lange dauert. Für den Alltag reicht oft schon eine sanfte Benetzung des Kaffeekuchens und danach ein Durchbrühen mit 8,5, 9 oder 7,5 Bar. Wer mag, speichert mit allen fünf Stufen ein Handhebelprofil, das auf 9 Bar hochgeht und dann alle paar Sekunden ein Bar abfällt.

    Das Display ist dasselbe, das Lelit seit Jahren verbaut. Es braucht ein bisschen Fingerfertigkeit, aber wer die Logik einmal kennt, findet sich schnell zurecht. Michel fand das Abspeichern der Profile intuitiv. Daneben gibt es Einstellungen für die Dampftemperatur, den Dampfboiler kann man ausschalten, und die Beleuchtung lässt sich anpassen.

    Pagaia-Hebel aus Holz an der Seite der Lelit Elizabeth 3

    Pagaia: den Fluss während des Bezugs von Hand regeln

    Braucht es den Hebel überhaupt noch, wenn die Maschine Profile speichert? Ja und nein. Mit dem Pagaia startet ihr den Bezug direkt an der Seite und reagiert dann auf das, was ihr seht und was das Display an Druck anzeigt. Das ist praktisch, wenn ihr ein Rezept vom Röster einfach ausprobieren wollt, ohne es gleich abzuspeichern, oder wenn ihr einfach frei und von Hand steuern möchtet.

    Noch nützlicher ist der Hebel, wenn ein Shot aus dem Ruder läuft. In unserem Test lief ein Bezug gegen Ende zu schnell, obwohl wir den Mahlgrad schon feiner gestellt hatten. Mit dem Pagaia haben wir den Fluss gebremst und landeten bei 22 bis 23 Sekunden. Mit 9 Bar wäre der Kaffee wohl nach 19 Sekunden durchgerauscht. Teurere Maschinen mit Flusssteuerung wie die Maro machen so etwas automatisch und nennen es Smart Profiling. Hier macht ihr es selbst. Eine Einschränkung gibt es: Ihr müsst den Bezug am Hebel starten. Wer über die Taste startet, kann nicht mitten im Bezug auf den Hebel wechseln.

    Ob es wirklich beides braucht, darüber waren wir uns im Team nicht ganz einig. Für einen von uns hätte die elektronische Steuerung allein gereicht, wenn die Maschine dafür 200 Euro günstiger wäre. Der andere schätzt den Hebel gerade als Werkzeug, um einzelne Shots zu retten. Allerdings lässt sich der Hebel nicht mit einem elektronisch gespeicherten Profil kombinieren.

    Espresso: Robusta mit Profil, 18,5 Gramm im Sieb

    Für den ersten Espresso hat Michel bewusst etwas Unerwartetes gewählt: einen reinen, gewaschenen Robusta aus Indien namens Bharath. 18,5 Gramm im Doppelsieb. Gebrüht hat er mit einem Profil: acht Sekunden bei 3 Bar, damit der Kaffeekuchen vollständig benetzt ist, danach 8,5 Bar für die restlichen 17 Sekunden, mit 45 Gramm in der Tasse.

    18,5 gKaffee im Sieb
    3 bar · 8 sStufe 1
    8,5 bar · 17 sStufe 2
    45 gin der Tasse

    In der Tasse ist er sehr kräftig, mit einer torfigen, dunklen Note, die an Schwarzbrot erinnert. Die Siebe sind die üblichen gestanzten Siebe, solide, aber kein Highlight. Wer aufrüsten will, nimmt ein zylindrisches Sieb, das gerade nach unten geht, wie unsere KM-Profi-Siebe.

    Bharath, Espresso aus Indien

    Im Test gebrüht: Bharath, Espresso aus Indien

    Gewaschener Robusta von Bharath Belliappa, mit warmem Kakao, Marmorkuchen und cremiger Textur.

    Indien Gewaschen Robusta Old Peridenia
    CHF 10.90 Zum Kaffee

    Technisch hat die Elizabeth 3 viel Potenzial. Die Profilsteuerung bewerten wir mit 2,5 von 3,5 Punkten, die Hardware mit 1,5 von 2. Ihr könnt damit einen kräftigen Robusta genauso brühen wie einen sehr hell gerösteten Wettbewerbskaffee. Bremsend wirkt die Temperatur, dazu gleich mehr. Unter dem Strich steht beim Espressopotential eine 6,5 über alle Bezüge. Wenn ihr wisst, wie ihr mit der Elizabeth 3 umgehen müsst, holt ihr aus jedem einzelnen Bezug trotzdem alles heraus. Dafür solltet ihr wissen, wie sich die Temperatur beim zweiten und dritten Bezug verhält.

    Wie ihr Mahlgrad und Brühverhältnis grundsätzlich einstellt, erklären wir in unserem Guide zum Espresso zubereiten.

    Temperatur: 93,6 °C im ersten Bezug, danach 2 Grad weniger

    Bei der Temperatur hat die Elizabeth 3 gegenüber ihrer Vorgängerin einen Rückschritt gemacht, wahrscheinlich auch wegen des kleineren Brühboilers. Brühen könnt ihr mit ihr sehr präzise. Problematisch wird es erst, wenn ihr viele Bezüge hintereinander macht und nicht wisst, wie sich die Maschine verhält. Deshalb haben wir viel Zeit mit der neuen Elizabeth verbracht, um ihr Verhalten für euch genau zu untersuchen.

    Wir messen mit dem Scace direkt im Siebträger, jeweils bei eingestellten 94 °C. Im KM-Protokoll ziehen wir fünf doppelte Espressi im Abstand von einer Minute. Der erste Bezug nach 20 Minuten liegt bei 93,6 °C, also nur 0,4 Grad unter der Einstellung. Ab dem dritten Bezug pendelt sich die Elizabeth 3 dann bei 91,6 bis 91,8 °C ein und fällt nicht weiter.

    KM-Protokoll: Mittelwert je Bezug, alte Elizabeth und Elizabeth 3 82° 84° 86° 88° 90° 92° 94° 96° 1 2 3 4 5 Bezug Bezug 1: 84,82 °C Bezug 2: 84,40 °C Bezug 3: 87,26 °C Bezug 4: 89,79 °C Bezug 5: 93,42 °C Bezug 1: 90,71 °C Bezug 2: 92,52 °C Bezug 3: 93,60 °C Bezug 4: 94,01 °C Bezug 5: 93,64 °C Bezug 1: 93,60 °C Bezug 2: 92,38 °C Bezug 3: 91,79 °C Bezug 4: 91,64 °C Bezug 5: 91,75 °C Bezug 1: 92,27 °C Bezug 2: 92,10 °C Bezug 3: 92,10 °C Bezug 4: 91,44 °C Bezug 5: 91,35 °C
    Elizabeth alt, 20 Min. aufgeheizt Elizabeth alt, 25 Min. aufgeheizt Elizabeth 3, 1 Min. Pause Elizabeth 3, 2 Min. Pause 92–94 °C
    KM-Protokoll, Mittelwert je Bezug über Sekunde 5 bis 25. Die Elizabeth 3 ist in beiden Reihen 20 Minuten aufgeheizt.

    Unsere Bewertung beruht auf dem Protokoll mit einer Minute Abstand. Gebt ihr der Maschine zwei Minuten zwischen den Bezügen, wird sie deutlich gleichmässiger: Alle fünf Espressi liegen dann innerhalb von 0,9 Grad, zwischen 91,4 und 92,3 °C. Zu Hause ist das gut machbar. Espresso servieren, den nächsten vorbereiten, gerade mit Single Dosing sind zwei Minuten schnell um.

    Unser Tipp für die Elizabeth 3

    Bei ein oder zwei Espressi seid ihr ohnehin im guten Bereich. Wenn Gäste kommen und ihr mehr Bezüge hintereinander macht, gönnt der Maschine zwei Minuten zwischen den Shots. Dann bleibt die Temperatur von Tasse zu Tasse stabil.

    KM-Protokoll Bezug 1 Bezug 2 Bezug 3 Bezug 4 Bezug 5 Spannweite
    Elizabeth alt, 20 Min., 1 Min. Pause 84,82 84,40 87,26 89,79 93,42 9,02
    Elizabeth alt, 25 Min., 1 Min. Pause 90,71 92,52 93,60 94,01 93,64 3,30
    Elizabeth 3, 20 Min., 1 Min. Pause 93,60 92,38 91,79 91,64 91,75 1,96
    Elizabeth 3, 20 Min., 2 Min. Pause 92,27 92,10 92,10 91,44 91,35 0,92

    Alle Werte in °C, Mittelwert je Bezug über Sekunde 5 bis 25, eingestellt 94 °C. Die Reihe mit zwei Minuten Pause weicht vom Standard-Protokoll ab und zeigt unsere Empfehlung für den Alltag.

    Deutlicher wird der Rückschritt im WBC-Protokoll, also 14 Bezügen in kurzen Abständen mit parallelem Milchschäumen. Hier startet die Elizabeth 3 bei knapp 95 °C und landet am Ende knapp unter 90 °C. Das Temperaturfenster liegt bei 5,5 Grad. Die alte Elizabeth hält in diesem Test die ersten elf Bezüge zwischen 92,8 und 94,6 °C und bricht erst am Schluss ein. Für Catering mit vielen Bezügen am Stück ist die Elizabeth 3 deshalb nicht gebaut.

    WBC-Protokoll: Mittelwert je Bezug über 14 Bezüge, alte Elizabeth und Elizabeth 3 88° 90° 92° 94° 96° 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Bezug Bezug 1: 94,07 °C Bezug 2: 94,01 °C Bezug 3: 94,34 °C Bezug 4: 93,11 °C Bezug 5: 92,87 °C Bezug 6: 92,84 °C Bezug 7: 92,98 °C Bezug 8: 94,22 °C Bezug 9: 94,27 °C Bezug 10: 94,57 °C Bezug 11: 93,45 °C Bezug 12: 91,98 °C Bezug 13: 90,51 °C Bezug 14: 89,53 °C Bezug 1: 94,39 °C Bezug 2: 94,47 °C Bezug 3: 93,71 °C Bezug 4: 92,95 °C Bezug 5: 91,64 °C Bezug 6: 91,58 °C Bezug 7: 91,02 °C Bezug 8: 90,68 °C Bezug 9: 90,64 °C Bezug 10: 90,30 °C Bezug 11: 90,53 °C Bezug 12: 90,45 °C Bezug 13: 90,28 °C Bezug 14: 89,75 °C
    Elizabeth alt Elizabeth 3 92–94 °C
    WBC-Protokoll, Mittelwert je Bezug über Sekunde 5 bis 25, eingestellt 94 °C.

    In der Temperaturwertung gibt der erste Bezug, der fast punktgenau trifft, die volle Punktzahl. Abzüge gibt es für den Abfall über fünf Bezüge, für die leicht ansteigende Kurve innerhalb des Shots und für den WBC-Test. Zusammen ergibt das eine 5,9.

    Aufheizzeit: 20 Minuten bis zur stabilen Temperatur

    Etwas schneller als ihre Vorgängerin ist die Elizabeth 3, wirklich schnell aber nicht. Bei der alten Elizabeth gehen wir nach dem Retest von 25 Minuten aus, bei der neuen von 20 Minuten. Erst dann liefern die Bezüge die Temperatur, die wir oben beschrieben haben. Nach 15 Minuten haben wir ebenfalls gemessen: Die fünf Bezüge lagen bei eingestellten 93 °C nur zwischen 88,4 und 89,2 °C. Das ist zwar gleichmässig, aber rund vier Grad zu kalt.

    In anderen Tests liest man von neun Minuten, und so gibt es auch Lelit an. Lance Hedrick hat das in seinem Video mit einem Bezug geprüft und kam bei eingestellten 90 °C auf 89,6 °C. Das wollen wir gar nicht bestreiten. Die Maschine heizt in den ersten gut acht Minuten mit voller Leistung, und ein einzelner Shot kann danach durchaus passen. Unser Protokoll fragt aber nach einer Serie von Bezügen, und die ist nach 15 Minuten noch deutlich zu kühl.

    Wir haben bei eingestellten 93 °C nach 15 Minuten eine Messreihe gemacht, und die Temperatur lag im Schnitt bei 88,66 °C. Hätte Lance seine Maschine auf mehr als 90 °C gestellt, hätte er wahrscheinlich gesehen, dass sie nach 10 und auch nach 15 Minuten nicht auf Temperatur kommt.

    KM-Protokoll nach 15 Minuten Aufheizzeit, eingestellt 93 °C 86° 88° 90° 92° 94° 96° 1 2 3 4 5 Bezug Bezug 1: 88,36 °C Bezug 2: 88,43 °C Bezug 3: 88,56 °C Bezug 4: 88,76 °C Bezug 5: 89,17 °C
    Elizabeth 3, 15 Min. aufgeheizt 92–94 °C
    KM-Protokoll nach 15 Minuten Aufheizzeit, eingestellt 93 °C. Mittelwert je Bezug über Sekunde 5 bis 25.

    Die Elizabeth 3 braucht 20 Minuten, um für mehrere Bezüge hintereinander sauber durchgewärmt zu sein. Übrigens erklärt auch unsere Strommessung recht gut, warum die Maschine zügig auf 88 bis 90 °C kommt, dann aber nicht schnell auf 93 °C: Nach rund acht Minuten hört sie auf, mit voller Leistung zu heizen. Da hat Lelit Aufheizgeschwindigkeit liegen lassen.

    Wer eine Maschine sucht, die nach wenigen Minuten bereit ist, findet in der Elizabeth 3 eher nicht das richtige Gegenüber. Da sind Dickfilmheizer und Thermoblöcke deutlich schneller. In der Aufheizzeit bekommt die Elizabeth 3 deshalb eine 4. Ist sie aber einmal auf Temperatur, bleibt die Temperatur ordentlich stabil, vor allem wenn ihr euch an unseren Temperatur-Tipp haltet.

    Milchschaum: 300 ml in 30 Sekunden auf 60 °C

    Beim Schäumen hat sich überraschend viel getan, obwohl der Dampfboiler gleich gross geblieben ist. Die Elizabeth 3 dampft schneller und mit mehr Druck als die alte. 300 Milliliter Milch bringt sie in 30 Sekunden von 8 auf 60 °C. Das ist zügig, aber nicht so schnell, dass es schwierig wird. Die Kanne müsst ihr nur leicht schräg halten, um eine gute Rotation zu bekommen. Vor dem Schäumen kommen rund 4 Milliliter Kondenswasser aus der Lanze, die isoliert ist und sich nicht so heiss anfühlt.

    Eine Catering-Maschine ist sie aber auch hier nicht. Nach dem dritten oder vierten Schäumen hintereinander lässt die Leistung spürbar nach. Das werten wir nicht negativ, weil die Maschine für zu Hause gedacht ist. Die Schäumqualität bekommt eine 7,8. Das passende Milchkännchen für Latte Art findet ihr in unserem Shop.

    Volumetrik: Zeitsteuerung statt Flowmeter

    Die beiden Tasten arbeiten mit einer Zeitsteuerung, nicht mit einem Flowmeter. Man kann darüber streiten, ob ein Flowmeter nicht schön gewesen wäre. Ein Flowmeter, das auch mit wechselnden Druckprofilen präzise liefert, gibt es aber nicht für 1.650 Euro, das kostet schnell deutlich mehr. Selbst teurere Maschinen, die das können sollen, scheitern oft daran.

    Wenn ihr konstant arbeitet und die Maschine einmal sauber eingestellt habt, gibt die Zeitsteuerung das Wasser solide aus. Eine Volumetrik im engeren Sinn ist das trotzdem nicht. Unsere Empfehlung: Steuert mit einer Espresso-Waage. In der Bewertung gibt die reine Zeitsteuerung eine 3.

    Stromverbrauch: 0,075 kWh im Espresso-Modus

    Wie wir messen, erklären wir in unserer Leistungsmessung. Für die Note zählt bei Dualboilern der sparsame Espresso-Modus, also Aufheizen und ein Espresso mit ausgeschaltetem Dampfboiler. Hier kommt die Elizabeth 3 auf 0,075 kWh, und das ist für einen Dualboiler ein sehr guter Wert. Mit eingeschaltetem Dampfboiler sind es 0,154 kWh für einen Espresso und 0,172 kWh für einen Cappuccino, also gut doppelt so viel.

    Leistungsaufnahme Elizabeth 3 0 250 500 750 1000 Watt 0 5 10 15 20 25 Minuten ab Einschalten Volllast PID hält 5 Espressi
    Leistungsaufnahme der Elizabeth 3 ab dem Einschalten: 20 Minuten Aufheizen, danach fünf Espressi im Minutentakt. Brühboiler 94 °C, Dampfboiler an (145 °C).

    Die Kurve zeigt, wo der Strom hingeht. Mit Dampfboiler heizt die Maschine gut acht Minuten mit voller Leistung von rund 990 Watt und verbraucht dabei 0,126 kWh. Danach hält der PID die Temperatur nur noch mit kurzen Impulsen, und die restlichen zwölf Minuten bis zum ersten Bezug kosten 0,019 kWh. Ohne Dampfboiler ist die Volllastphase schon nach 2 Minuten und 20 Sekunden vorbei, und nach 20 Minuten stehen 0,068 kWh auf dem Zähler, weniger als die Hälfte.

    Weil beide Boiler klein sind, bleibt der Verbrauch für einen Dualboiler überschaubar, obwohl die Aufheizzeit lang ist. Die zweiten zehn Minuten Aufheizzeit, die es für stabile Temperaturen braucht, kosten mit Dampfboiler gerade einmal 0,016 kWh. Beim Brühen legt die Heizung nach jedem Bezug kurz nach, ein Espresso schlägt mit 0,007 kWh ohne und 0,009 kWh mit Dampfboiler zu Buche. Wer früh, mittags und abends einen Kaffee trinkt, schaltet die Maschine also besser jeweils 20 Minuten vorher ein, statt sie den ganzen Tag warm zu halten. Warmhalten kostet mit Dampfboiler 0,084 kWh pro Stunde, ohne 0,045 kWh. In der Wertung gibt das eine 8.

    Unser Tipp

    Wenn ihr nur Espresso trinkt, schaltet den Dampfboiler aus. Aufheizen und erster Espresso brauchen dann nur noch halb so viel Strom. Ein Hinweis aus unseren Messungen: In unserem Temperaturlauf ohne Dampfboiler lagen die Bezüge bei eingestellten 94 °C um 90 °C, also rund 2 Grad tiefer als mit Dampfboiler.

    Zubehör und Bedienung

    Der Tamper war bei Lelit schon immer gut, und das bleibt so. Mit 58,55 Millimetern schliesst er bündig mit dem Sieb ab, ohne nennenswerten Spalt. Dazu kommen ein Reinigungsset, ein Blindsieb, Siebe in verschiedenen Grössen und optional höhere Holzfüsse. Wie bei Lelit üblich ist nur ein Siebträger mit doppeltem Auslauf dabei. Die Ausläufe liegen so nah beieinander, dass sie in die meisten Espressotassen passen. Wir mögen diesen Lelit-Siebträger übrigens sehr, weil der Espresso so schön nach vorne herausläuft, gleich einem haselnussig-cremigen Fluss in die Tasse, was fast so schön aussieht wie bei einem bodenlosen Siebträger. Das Zubehör bewerten wir mit 8.

    Wie immer liegt ein Wasserfilter bei. Er nimmt die Gesamthärte heraus, lässt aber die Alkalinität stehen, und dadurch wird der Geschmack etwas neutralisiert. Für Kaffee empfehlen wir diese Art der Filterung nicht. Kalkgeschützt seid ihr damit trotzdem.

    Im Alltag hilft die Tropfschale mit 1.200 Millilitern, und der Wassertank lässt sich leicht entnehmen. Den Wasserstand sieht man dagegen schlecht. Die Bedienungsanleitung erklärt die Programmierung solide und zielführend, geht aber nicht in die Tiefe. Wir haben als eine der ersten Maschinen ein Gerät mit englischer Anleitung bekommen. Lelit ist in seinen Anleitungen allgemein nicht besonders transparent, obwohl die Maschinen sich oft breiter einstellen lassen, als dort beschrieben steht. Die Bedienbarkeit bewerten wir mit 7.

    Alte Lelit Elizabeth (links) und neue Elizabeth 3 mit Pagaia-Hebel (rechts) im Vergleich

    Elizabeth 3 oder alte Elizabeth?

    Die neue Elizabeth ist eine andere Maschine geworden. Sie ist schneller auf stabiler Temperatur, dampft kräftiger, ist leiser und kann Druckprofile speichern. Dafür verliert sie bei vielen Bezügen hintereinander mehr Temperatur als die alte. Wer vor allem ein, zwei Espressi am Tag trinkt und Lust auf Profile hat, ist mit der Elizabeth 3 besser bedient. Wer regelmässig viele Espressi am Stück zieht, sollte sich unsere Dualboiler-Tests mit grösseren Brühkesseln anschauen.

    KM-Bewertung

    61,7
    Gesamturteil Gut / Standard
    Score
    0 – 100
    Espresso

    6,5
    ×3
    Temperatur

    5,9
    ×2
    Aufheizzeit

    4,0
    ×2
    Volumetrik

    3,0
    ×2
    Schäumqualität

    7,8
    ×2
    Wertigkeit

    8,0
    ×2
    Bedienbarkeit

    7,0
    ×2
    Stromverbrauch

    8,0
    ×2
    Lautstärke

    8,0
    ×1
    Zubehör

    8,0
    ×1
    Catering Pot.

    1,5
    ×1
    Preis/Leistung

    5,1
    ×1
    9,3+ Weltklasse
    8,0+ Exzellent
    6,5+ Sehr Gut
    5,0+ Gut / Standard
    3,0+ Kompromiss
    < 3 Ungenügend
    KM-Testprotokoll V2.3.2 · Tester: Andrea, Alexandra, Michel · Testdatum: September 2026 · Firmware: 2.01

    Mit 61,7 von 100 Punkten landet die Elizabeth 3 in der Klasse „Gut / Standard“. Das klingt nüchterner, als wir die Maschine im Test empfunden haben, und hat einen Grund: Unser Protokoll bewertet die gesamte Ausstattung. Schwache Einzelnoten bei Volumetrik, Aufheizzeit und Catering ziehen den Schnitt nach unten, während die Druckprofile nur in einen Teil des Espressopotentials einfliessen. Deshalb kommt auch die rechnerische Preis-Leistungs-Note mit 5,1 auf einen Wert knapp über dem Marktschnitt.

    Fazit: Druckprofile für 1.650 Euro

    Würden wir die Elizabeth 3 dem besten Freund empfehlen, der 1.650 Euro in eine Espressomaschine investieren will? Michels Antwort kam ohne Zögern: „Um Gottes willen, ja!“ Das ist immer noch viel Geld. Aber ein Dualboiler mit elektronisch gesteuerten, speicherbaren Druckprofilen ist in dieser Preisklasse bisher nicht zu finden. Bisher ging das nur, wenn man sich selbst eine Flussregulierung auf eine Maschine baute, oder zu deutlich teureren Maschinen wie der Sanremo You griff.

    Die Schwächen sind klar. 20 Minuten Aufheizzeit, eine Zeitsteuerung statt echter Volumetrik und ein kleiner Brühboiler, der bei vielen Bezügen hintereinander Temperatur verliert. Dazu kommt das dünne Blech, auf dem jeder Fingerabdruck zu sehen ist. Wer zu Hause zwei Minuten zwischen den Bezügen lässt, bekommt dafür stabile Temperaturen bei einer Abweichung von der Einstellung, die für Lelit ungewöhnlich klein ist.

    Die Elizabeth 3 macht guten Espresso, schäumt ordentlich und lässt euch mit Druckprofilen spielen, wenn ihr wollt. Ihr könnt aber genauso einfach mit 9 Bar brühen, und der Kaffee schmeckt auch dann. Welche Bauart grundsätzlich zu euch passt, haben wir in unserer Kaufberatung für Espressomaschinen zusammengefasst.

    Keine Zeit für das ganze Video? Die wichtigsten Erkenntnisse haben wir in zehn Minuten zusammengefasst:

    Technische Daten im Überblick

    Merkmal Lelit Elizabeth 3
    Preis ca. 1.650 Euro (Edelstahl), ca. 1.700 Euro (Schwarz, Weiss), UVP Deutschland, Stand Oktober 2026
    Bauart Dualboiler mit PID
    Boiler Brühboiler 0,2 l, Dampfboiler 0,6 l
    Pumpe Vibrationspumpe mit Pulsweitenmodulation und Drucksensor
    Profilierung 2 Tasten mit je 5 Druckstufen, Pagaia-Hebel für manuelle Flusssteuerung
    Volumetrik Zeitsteuerung
    Aufheizzeit 20 Minuten (gemessen)
    Brühtemperatur 93,6 °C im ersten Bezug, 91,6–91,8 °C ab Bezug 3 (eingestellt 94 °C)
    Stromverbrauch 0,075 kWh Aufheizen + Espresso ohne Dampf, 0,154 kWh mit Dampf; Warmhalten 0,045 / 0,084 kWh pro Stunde
    Lautstärke 56 dB
    Wassertank 2,5 l
    Tropfschale 1,2 l
    Masse (B × H × T) 38 × 38 × 36 cm
    Gewicht 15 kg
    Siebträger / Tamper 58 mm / 58,55 mm

    Diese Maschine haben wir nicht selbst gekauft, weil sie vor dem Marktstart noch nicht erhältlich war. Den Kaufpreis spenden wir an eine Sozialorganisation in Brasilien. Eine vorzeitige Lieferung der Elizabeth 3 haben wir mit Lelit am Messestand in Brüssel besprochen.

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