Die Femobook A68 ist eine Single-Dosing-Mühle mit 68-mm-Kegelmahlwerk, die rund 750 Euro kostet und von euch erstaunlich oft als Testwunsch genannt wurde. Im Netz gibt es einige positive Videos zu dieser Mühle, die meisten sind schon ein bisschen älter. Umso mehr lohnt es sich, die A68 einmal protokollarisch durchzugehen: Was macht sie gut, was macht sie nicht gut?
Vorab: Wir sind ein bisschen anderer Meinung als viele Stimmen im Netz. Es gibt kaum eine Mühle, die alles sehr gut macht, und zum Glück auch kaum eine, die alles schlecht macht. Bei der A68 ist das Bild besonders zweigeteilt. In den Messwerten sammelt sie reihenweise Bestwerte: Totraum, Konstanz, Replizierbarkeit, alles top. Und dann kommt der Espresso.
Wie immer haben wir die Mühle selbst gekauft, um neutrales Testen zu garantieren.

Design und Verarbeitung: knapp 6 Kilo Aluminium
Die A68 ist klein, aber kein Leichtgewicht. 5,7 Kilo bringt sie auf die Waage, das Gehäuse ist aus Aluminium und wirklich hochwertig gemacht. Mit 10,6 cm Breite, 16 cm Tiefe ohne Stecker und knapp 30 cm Höhe nimmt sie auf der Theke sehr wenig Platz weg. Der Stecker kommt hinten noch ein Stück heraus, das solltet ihr beim Aufstellen einplanen.
Der Aufnahmetrichter für die Bohnen ist etwas klein. Ein paar Millimeter mehr Durchmesser hätten gutgetan.

Was uns beim Hantieren auffällt: Das Mahlwerk hat ein gewisses Spiel. Der Kegel sitzt nicht so stramm, wie wir das von anderen Mühlen kennen. Umso erstaunlicher ist, wie gut die Reproduzierbarkeit später ausfällt. Dazu weiter unten mehr.
Mahlwerk und Technik: 68-mm-Kegel mit gerasteter Verstellung
Das Herzstück der A68 ist ein konisches Mahlwerk mit 68 mm Durchmesser, angetrieben von einem 200-Watt-DC-Motor. Die Mühle läuft mit einer langsamen Drehzahl von 60 Umdrehungen pro Minute. Eine Drehzahlregelung hat die Mühle nicht.
Femobook hat ein grosses Sortiment: Es gibt Modelle für Filterkaffee und zum Beispiel die Akkuversion A4Z. Die A68 soll beides können, Espresso und Filterkaffee. Wir haben uns in diesem Test auf Espresso konzentriert, und warum wir den Filterkaffee im Video bewusst ausgelassen haben, erfahrt ihr unten.

Die Mahlgradverstellung ist gerastet, nicht stufenlos. Und sie gehört zum Angenehmsten, was wir seit Langem an einer Mühle bedient haben. Ein Klick verändert die Extraktionszeit um maximal zwei Sekunden, meistens um eine. Bei unserem Rezept mit 18 g Kaffee und 45 g Espresso lag Mahlgrad 0,1 bei 27 Sekunden, ein Klick feiner brachte 29 Sekunden. So kann man sauber einstellen, mit kleinsten Schritten und kleinsten Veränderungen in der Tasse. Dass Femobook das mit einem Kegelmahlwerk in diesem Durchmesser hinbekommt, finden wir richtig gut gelöst.
Bedienung: mit Wasserspray gut, ohne Wasserspray eine Sauerei
Hier müssen wir zwei Szenarien unterscheiden. Wenn ihr vor dem Mahlen ein paar Tropfen Wasser auf die Bohnen gebt, also mit RDT arbeitet, ist die Bedienung gut. Wenig Statik, der Kaffee landet im Becher, der Workflow ist in Ordnung.
Ohne Wasser lädt sich das Mahlgut unglaublich stark auf. Michel hatte die grösste Sauerei um die Mühle, die er bisher bei Mühlen erlebt hat. Der Kaffee bleibt im Becher kleben, er bleibt im Kegel nach unten hängen - es findet sich buchstäblich überall Kaffee. Der Ablauf sieht dann so aus: mahlen, ein bisschen blasen, am Kegel drehen, damit die Krümel weitergehen, klopfen, damit der Rest reinkommt, nochmal klopfen, damit er runterfällt. Bis der Kaffee im Siebträger ist, haben wir richtig gearbeitet.
Die Folge: Wasserspray ist bei der A68 keine Empfehlung, sondern Pflicht. Ihr wiegt eure 18 g, 12 g oder 9 g ab, sprüht sie im Becher mit einer kleinen Sprühflasche an und gebt sie oben in die Mühle. Das ist bei vielen Mühlen sinnvoll und kein grosser Aufwand. Bei der Femobook wie gesagt ein notwendiger Schritt. Und es gibt teurere Mühlen, bei denen das auch notwendig ist.
Beim Reinigen zeigt die A68 ihre beste Seite. Sehr viel Magnetik, werkzeuglose Demontage: ein Teil weg, das nächste weg, hochziehen, fertig. Wer sein Mahlwerk regelmässig auspinseln will, hat hier kaum Aufwand.
Mahlgeschwindigkeit und Lautstärke: 12 Sekunden für 18 Gramm, 81,6 dB
Für 18 g braucht die A68 12 Sekunden. In 10 Sekunden mahlt sie 17,3 g. Das ist für eine Kegelmühle in dieser Grösse absolut in Ordnung und im Alltag schnell genug.
Im Betrieb messen wir 81,6 dB(A) in 20 cm Abstand. Das ist knapp über der Grenze, ab der wir von einer eher lauten Mühle sprechen. Leise ist sie nicht, störend laut aber auch nicht.
Mahltemperatur und Konstanz: 0,05 g Standardabweichung
Die erste Probe liegt bei 31,8 °C, nach fünf aufeinanderfolgenden Mahlungen mit je 20 Sekunden Pause steigt die Temperatur auf 33,2 °C. Das ist eine leichte Erwärmung, kein thermisches Problem. Auch wer mehrere Espressi hintereinander mahlt, muss sich keine Sorgen um hitzeempfindliche helle Röstungen machen.
Die Konstanz ist hervorragend. Bei fünf Mahlungen mit je 18 g Eingabe landen 17,9 bis 18,0 g im Becher, die Standardabweichung liegt bei 0,05 g.
Totraum: 0,1 Gramm, aber nur mit Wasserspray
Der Totraum ist das, was die A68 am besten kann. Temporärer Totraum: 0 g. Permanenter Totraum: 0,1 g. Absolut also 0,1 g. Das ist ein Spitzenwert. Es ist ein Kegel, und in dem Kegel bleibt praktisch nichts hängen. Beim Abnehmen des unteren Kegels kleben 0,1 g Kaffee, das zählen wir als permanenten Totraum, mehr ist da nicht.

Dieser Wert gilt allerdings nur für den Betrieb mit RDT. Ohne Wasserspray müsst ihr, wie oben beschrieben, echten Aufwand betreiben, damit der Kaffee aus dem Mahlkegel herauskommt. Würde man alles, was ohne Nachhilfe nach dem Mahlkegel hängen bleibt, in den Totraum einrechnen, wäre der Wert beträchtlich. Mit Wasserspray ist der Totraum ein Nicht-Thema, jede Portion ist frisch, Bohnenwechsel sind jederzeit möglich. Ohne Wasserspray verschenkt ihr diesen Vorteil komplett.
Mahlgradreplizierbarkeit: nach dem Verstellen wieder am gleichen Punkt
Im Verstellungstest stellen wir von unserer Espresso-Einstellung auf Ristretto, dann auf Café crème und optisch wieder zurück auf die Ausgangsmarkierung. Das Hauptpeak liegt bei der Ausgangsprobe T4 bei 323,7 µm und bei der Rückkehrprobe T7 bei 323,9 µm. Das ist praktisch identisch. Das Feinpeak geht von 40,8 % auf 39,0 % zurück, der x50-Wert verschiebt sich von 209 µm auf 231 µm.
Wer zwischen Espresso und einer gröberen Einstellung hin und her wechselt, landet beim Zurückstellen wieder beim gleichen Rezept und muss nicht neu kalibrieren. Angesichts des Spiels, das wir im Mahlwerk spüren, hätten wir auch beim Hauptpeak grössere Abweichungen erwartet.
Partikelverteilung: Hauptpeak 324 µm, Feinpeak 41 %
Die Partikelverteilung analysieren wir in Kooperation mit der ZHAW mit dem Retsch Camsizer X2. In der Espresso-Einstellung (T4) messen wir einen x50 von 209 µm, ein Feinpeak (Anteil unter 100 µm) von 40,8 % und ein Hauptpeak (60-%-Peak-Breite) von 324 µm.

Das Hauptpeak ist breit. Nicht das breiteste, das wir je gemessen haben, aber deutlich über der 300-µm-Marke und auch über der Grenze von etwa 320 µm, ab der es für uns kritisch wird. Was bedeutet ein breites Hauptpeak? Ein grosser Teil der Partikel liegt zwar im Bereich der Zielgrösse, aber eben nicht genau dort, sondern links und rechts daneben. Diese Partikel extrahieren unterschiedlich, und das bringt ein undifferenziertes Bild in die Tasse. Wir nennen das einen verzettelten Espresso.
Dazu kommt das Feinpeak. 40,8 % der Partikel sind kleiner als 100 µm, das ist ein hoher Wert. Viele Feinstpartikel kennen wir auch von sehr guten Mühlen mit schmalem Hauptpeak. Dort braucht es sie, um in den Lücken zwischen den gleichmässigen Partikeln genügend Widerstand aufzubauen. Bei der A68 gibt es diese Lücken aber gar nicht. Das Mahlgut ist ein breiter, ausgefranster Partikelteppich, und obendrauf kommen noch die Feinstteilchen. Im Siebträger zeigt sich das als Verschlickungsbild: Der Puck setzt sich zu, der Durchfluss wird gegen Ende langsamer statt schneller.
Ein Kegelmahlwerk hat oft einen Hang zu einem etwas breiteren Hauptpeak, aber nicht in diesem Ausmass. Wir kennen Kegelmühlen, die das deutlich besser hinbekommen: die Option-O Lagom Casa und auch die Niche Zero liefern kein super schmales Hauptpeak, aber wirklich solide Kaffees.
Verkostung: schwerer Körper, keine Süsse, viel Bitterkeit
Wir haben für die Verkostung unsere dunkle Röstung gemahlen, den Compadre. Schon der Bezug verläuft ungewöhnlich. Am Anfang schiessen drei Gramm pro Sekunde heraus, dann wird der Durchfluss langsamer statt schneller. Normalerweise bricht der Puck im Verlauf eher auf und der Bezug beschleunigt, bei hellen Kaffees extrem, bei mittleren bis dunklen Röstungen leicht.
In der Tasse: Es fehlt Süsse. Der Körper ist da, aber als schweres, plumpes Gewicht, nicht als elegante Fülle. Die positive, cremige Textur, die dieser Kaffee eigentlich mitbringt, ist verschwunden. Der Espresso ist unstrukturiert, unklar und wahnsinnig bitter, mit einem trockenen Nachgeschmack. Michel fasst es so zusammen: „Das ist der schlechteste Compadre, den ich in meinem Leben getrunken habe."
Filterkaffee mit der A68
Die A68 soll auch Filterkaffee können. Im Video haben wir aufgrund der Partikelverteilung darauf verzichtet. Unsere Testbrühungen von Filterkaffee haben das Bild jedoch bestätigt. Klar, es lässt sich Filterkaffee brühen. Aber das Qualitätsversprechen wird aus unserer Sicht nicht eingehalten. Den Kaffees fehlte Transparenz und sie hatten jeweils eine unangenehme Trockenheit im Abgang.
Fazit: Spitzenwerte auf dem Papier, enttäuschend in der Tasse
Die Messwerte sprechen für die Femobook A68. Die Partikelverteilung spricht dagegen, und sie hat das letzte Wort.
Stärken: Totraum von 0,1 g absolut, eine Spitzenleistung. Konstanz von 0,05 g Standardabweichung und sehr gute Replizierbarkeit nach dem Verstellen. Gerastete Mahlgradverstellung mit feinsten Schritten, werkzeuglose Reinigung, geringer Platzbedarf.
Schwächen: Breites Hauptpeak und hoher Feinanteil, die zu einem verzettelten, bitteren Espresso führen. Ohne Wasserspray massive Statik und eine Sauerei auf der Theke. Spürbares Spiel im Mahlwerk.
Für wen? Ehrlich gesagt fällt es uns schwer, eine Zielgruppe zu benennen. Wer eine kompakte, gut verarbeitete Single-Dosing-Mühle sucht, bekommt genau das. Aber eine Espressomühle muss am Ende guten Espresso machen, und das hat unser Exemplar mit unserer dunklen Röstung nicht geschafft. Wer vor allem helle, fruchtige Kaffees trinkt, sollte einen Bogen um die A68 machen.
Preis-Leistung: Für rund 750 Euro gibt es Kegelmühlen, die uns geschmacklich deutlich mehr überzeugen.
Testergebnisse: Femobook A68
Bewertung nach dem KM-Testprotokoll für Espressomühlen. Alle Messwerte selbst erhoben. * Gemessen mit RDT (Wasserspray). Ohne Wasserspray bleibt deutlich mehr Kaffee im Mahlkegel hängen, und auch die Bedienbarkeit fällt dann ab. Die Partikelverteilung hat keine eigene Zeile, weil sie sich im Espressopotential äussert.
Technische Daten im Überblick
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Preis | ca. 750 Euro (Stand Oktober 2026) |
| Mahlwerk | 68 mm, konisch |
| Betriebsmodus | Single Dosing |
| Motor | 200 W DC, 60 U/min |
| Mahlgeschwindigkeit | 17,3 g / 10 Sek; 12 Sek für 18 g |
| Lautstärke | 81,6 dB(A) |
| Mahltemperatur | 31,8–33,2 °C (erste bis letzte Probe) |
| Totraum absolut | 0,1 g (0 g temporär, 0,1 g permanent) |
| Konstanz (Std.abw.) | 0,05 g über 5 × 18 g |
| x50 Espresso (T4 / T7) | 209 µm / 231 µm |
| Hauptpeak (T4 / T7) | 323,7 µm / 323,9 µm |
| Feinpeak (T4 / T7) | 40,8 % / 39,0 % |
| x50 Ristretto (T5) / Café crème (T6) | 163 µm / 319 µm |
| RPM-Regelung | Nein |
| Gewicht | 5,7 kg |
| Masse (B × T × H) | 10,6 × 16 × ca. 30 cm (ohne Stecker) |
| Besonderheiten | gerastete Mahlgradverstellung, werkzeuglose Demontage, magnetischer Dosierbecher |
Wie immer haben wir auch diese Mühle nach unserem KM-Protokoll getestet und selbst gekauft. Dieser Test wurde nicht von Femobook angefragt.
























