Platz 25 von mehr als 50 nationalen Champions: Das ist das Ergebnis von Felix Hohlmann bei der World Barista Championship 2026 in Panama City. Felix ist als zweifacher Deutscher Baristameister angetreten, nach 2024 in Busan war es seine zweite Weltmeisterschaft. Für das Halbfinale hat es nicht gereicht. Zufrieden sind wir trotzdem, und Felix auch. Warum, steht weiter unten. Vorher geht es um alles über seine Präsentation: die beiden Kaffees, die Milch, der Signature Drink und die Frage, um die sich seine 15 Minuten gedreht haben.
Barista-WM 2026 in Panama City: Format und Ergebnis
Die World Barista Championship fand dieses Jahr zum ersten Mal in Zentralamerika statt, im Rahmen der World of Coffee Panama. Ein passender Ort: Ein grosser Teil der Kaffees, mit denen in den letzten Jahren Weltmeistertitel gewonnen wurden, stammt aus Panama.
Das Format kennt ihr vielleicht aus unseren Artikeln zu den Deutschen Meisterschaften. In 15 Minuten bereiten die Teilnehmenden vier Espressi, vier Milchgetränke und vier Signature Drinks zu. Vier Sensory Judges bewerten jedes Getränk, dazu kommen Technical Judges, die auf Arbeitsweise und Sauberkeit schauen. In Runde eins treten alle nationalen Champions an, die besten 16 kommen ins Halbfinale, sechs davon ins Finale.
Felix stand am Freitag in Runde eins auf der Bühne und landete auf Platz 25.
Felix' Präsentation im Video
„Am I good enough?“ Das Thema der Präsentation
Jede WM-Präsentation hat ein Thema, das die drei Gänge zusammenhält. Felix hat sich für eine Frage entschieden, die ihn seit seinem ersten Wettbewerb begleitet: Bin ich gut genug?
„Bin ich gut genug? Ja, immer. Aber es gibt in jedem Moment noch mehr, das ich lernen kann.“
Felix ist der jüngste von vier Brüdern. Als Jüngster will man mit den Älteren mithalten, und bei Spielen ist er bis heute sehr ehrgeizig. Früh hat er gelernt, dass ein verlorenes Spiel und weniger wert sein als die grossen Brüder zwei verschiedene Dinge sind.
Diese Unterscheidung kam 2013 zurück, bei seinem allerersten Wettbewerb, dem Schweizer Brewers Cup. Felix war so nervös, dass er für seine AeroPress viel zu fein gemahlen hat. So fein, dass ihm auf der Bühne die Karaffe gesprungen ist. Es fühlte sich an, als wäre er nicht gut genug. Er war es aber, sagt Felix heute. Er wusste nur noch nicht, wo sein Spielraum zum Wachsen lag. Seitdem ist er Jahr für Jahr angetreten, inzwischen bei mehr als 20 Wettbewerben.
Beide Kaffees der Präsentation knüpfen an diese Geschichte an. Mit beiden Farmen hat Felix früher schon gearbeitet, und beide haben sich seitdem genau diese Frage auch gestellt.
Espresso: Gesha 1931 von Gesha Village
2015, bei einer seiner ersten Barista-Meisterschaften, verwendete Felix einen Kaffee von Gesha Village. Die Farm im Westen Äthiopiens gehört Rachel Samuel und Adam Overton. Die beiden sind in die wilden Wälder rund um Gori Gesha gegangen, wo die Varietät Gesha ursprünglich herkommt, und haben dort Saatgut gesammelt, um es auf ihrer eigenen Farm wieder anzupflanzen. Der Name Gesha 1931 erinnert an das Jahr, in dem Gesha in dieser Region zum ersten Mal gesammelt wurde.
„Der Kaffee war damals schön, der Kaffee heute ist herausragend“, sagte Felix auf der Bühne. Weil die Farm sich Jahr für Jahr verbessert hat.
Der WM-Kaffee stammt aus dem Block Oma auf rund 2000 Metern. Nach selektiver Ernte wurden die Kirschen gefloatet und dann 28 Tage als Natural getrocknet. Zu Beginn liegen die Kirschen in einer dünnen Schicht, damit sie nicht überfermentieren. Mit der Zeit wird die Schicht dicker. Das bremst die Trocknung und bringt eine hohe Süsse und eine klare Florale.
Diese Aromen gab Felix der Jury für den Espresso an:
Dazu eine mittlere, zitrische Säure und ein mittlerer Körper mit seidiger Textur.
Normalerweise bittet man die Jury, den Espresso vor dem ersten Schluck umzurühren. Felix hat stattdessen eine Technik eingesetzt, die er auf dem Weg zur WM 2024 in Busan entwickelt hat. Zusammen mit Forschenden der Universität Freiburg hat er herausgefunden, dass sanftes Schwenken der Tasse verhindert, dass Polymere und Lipide im Espresso verklumpen. Der Espresso schmeckt dadurch voller und cremiger. Mehr dazu und wie ihr das zuhause ausprobiert, lest ihr im Artikel Coffee Waving: Espresso mit Vibration verbessern.
Milchgetränk: Nitro Natural von Maguta Estate aus Kenia
Für das Milchgetränk ging Felix gedanklich zurück zum Brewers Cup 2013. Damals hatte er einen gewaschenen Kenia im Gepäck, und ein klassisch gewaschener Kenia war über Jahre der Standard schlechthin.
David Maguta, auch bekannt als David Ngibuini, stellt sich auf seiner Farm Maguta Estate in Nyeri dieselbe Frage wie Felix: Ist ein traditionell gewaschener Kenia noch gut genug? Er hat angefangen zu experimentieren, erst mit einem CM Washed, dann mit einem Nitro Natural. Diesen Nitro Natural hat Felix für sein Milchgetränk verwendet.
Die Kirschen der Varietäten SL28 und SL34 kommen nach der Ernte für sechs Tage in einen verschlossenen Tank, der mit Stickstoff gespült wird. Danach trocknen sie 25 Tage auf afrikanischen Hochbetten. Der Stickstoff verhindert Oxidation und hält tropische Fruchtaromen im Kaffee.
Spannend ist die Milch. Felix hat eine Mischung aus zwei Komponenten verwendet:
95 Prozent laktosefreie Milch von der Schwarzwaldmilch, frisch nach Panama importiert und per Gefrierkonzentration auf die Hälfte eingedickt. Dabei wird der Milch Wasser in Form von Eis entzogen. Zucker, Eiweiss und Fett bleiben zurück, die Milch wird süsser und bekommt mehr Textur.
5 Prozent Kokos-Hafer-Drink von ROA. Die Kokosnote schlägt eine Brücke zu den tropischen Aromen des Kenia.
Felix schäumt die Mischung nur auf 50 °C, damit die fruchtigen Aromen des Kaffees erhalten bleiben. Die Aromen im Glas:
Signature Drink: Gesha mit Traubensaft und Kombucha
Der Signature Drink ist der kreative Teil der Präsentation. Felix hat sich gefragt, wie er die feine Struktur des Gesha-Village-Espressos in etwas völlig Neues verwandeln kann. Die Zutaten:
Dazu eine mittlere Weinsäure.
Beide Kaffees wurden auf dem Trommelröster geröstet. Den Gesha Village 14 Tage vor dem Auftritt, in 9 Minuten bis 190 °C Endtemperatur, für maximale Süsse und Balance. Den Kenia 15 Tage vorher, in 10 Minuten bis 189 °C. Die kurze Maillard-Phase betont die tropischen Fruchtnoten, damit sie sich gegen die Milch durchsetzen.
Unser Equipment auf der WM-Bühne
In Panama hatte unser neuer Drucktamper seinen ersten Einsatz auf grosser Bühne. Felix wollte einen Tamper, über den er im Wettbewerb nicht nachdenken muss. Den haben wir nach seinen Vorgaben entwickelt. Die Auflageplatte liegt auf dem Siebrand und hält den Tamper gerade. Zwei Federn sorgen dafür, dass bei jedem Shot mit 8 bis 10 Kilo verdichtet wird.
2-Feder-System · 8 bis 10 kg Anpressdruck · für alle 58-mm-Siebträger
Preis im ShopAuch die Milch hat Felix mit Material aus dem eigenen Haus geschäumt: mit unseren KM Milchkännchen, die er zusammen mit Michel entwickelt hat und die wir in unseren Cafés und Kursen verwenden.
Platz 25: Was uns das Feedback der Jury zeigt
Felix ist mit seinem Auftritt sehr zufrieden, und wir als Team sind es auch, mit der Leistung und mit der Platzierung. Nach der Runde gab es ein Debriefing mit der Jury, und das Feedback war differenziert genug, dass wir viel daraus mitnehmen.
Gelobt wurde Felix vor allem für seine Technik. Seine Geschmacksbeschreibungen bei Espresso und Milchgetränk waren präzise. Beim Signature Drink haben wir dagegen Punkte verloren, er wurde insgesamt nicht so gut bewertet.
Dann sind da die Punkte für den Geschmack. Felix' Espresso wurde als gut bewertet, also mit drei Punkten. Für sehr gut und damit vier Punkte hat es nicht gereicht. Weil jedes Getränk von vier Judges bewertet wird, zählt beim Espresso und beim Milchgetränk jeder Schritt zwischen drei und vier Punkten vierfach. Genau diese Punkte haben am Ende für das Halbfinale gefehlt.
Die Präsentation selbst lief sehr flüssig, technisch hat alles gepasst, und Felix hat sich auf der Bühne wohlgefühlt. Von Menschen, die uns nahestehen, und von Fremden haben wir sehr viel positive Rückmeldung bekommen.
Ein Punkt aus dem Debriefing ist mir besonders hängen geblieben: Felix war bei seiner Präsentation eher ruhig. Er hat keine Show mit hohem Tempo abgeliefert, die vom ersten Moment an voll auf Senden geht. Er war ruhig, freundlich und bestimmt, und er war ganz er selbst. Das haben viele sehr geschätzt, und ich fand es auch sehr stark. Man hat Felix als Menschen gesehen und gespürt, da stand eine Persönlichkeit auf der Bühne und hat sich gezeigt. Das passt zum Thema seiner Präsentation.
Vielleicht hätte eine andere Art von Auftritt bei der Jury einen anderen Eindruck hinterlassen. Aber es war Felix' Präsentation, und sie war ehrlich. Ich bin überzeugt, dass es genau die richtige Wahl war, sie so zu machen, weil sie so sehr er war.
Fazit
Platz 25 bei der Barista-WM 2026, eine technisch saubere Präsentation und ein Feedback, mit dem wir arbeiten können. Den Unterschied zu den Top 16 haben vor allem der Signature Drink und der Schritt von gut zu sehr gut bei Espresso und Milchgetränk gemacht. Felix hat seine Präsentation mit dem Satz beendet, der auch für uns als Team stimmt:
„‚Gut genug‘ ist keine Ziellinie und war nie ein Etikett dafür, wer wir sind. Es ist der Punkt, an dem die Komfortzone endet und Fortschritt beginnt.“
Alle bisherigen Titel und WM-Platzierungen unseres Teams findet ihr in der Übersicht Kaffeemacher Titel, Medaillen und Top-Platzierungen.
























