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Sage Smart Grinder Pro – Beste Einsteiger-Espresso...

Sage Smart Grinder Pro – Beste Einsteiger-Espressomühle?

Sage Smart Grinder Pro Test

Welche Espressomühle ist am besten für Einsteiger geeignet? Einiges spricht dafür, dass sich die Sage Smart Grinder Pro genau diesen Titel verdient.

Die Frage nach sehr guten Einsteigermühlen treibt uns seit einiger Zeit um – auch weil uns täglich viele Mails und Kommentare mit genau dieser Frage erreichen. Deshalb habe wir die letzten Wochen und Monate zahlreiche Einsteigermühlen im Preisbereich bis 300 Euro/350 CHF intensiv getestet.

Das Ergebnis ist leider recht ernüchternd. Viele Mühlen mahlen zwar Kaffee, aber nicht fein genug und vor allem nicht präzise.

Welche Kriterien sind wichtig, um eine Espressomühle qualitativ einzuschätzen?

  • Mahlt die Mühle Espresso-fein? Lässt sich der Mahlgrad so fein einstellen, dass im Siebträger genügend Widerstand aufgebaut werden kann, damit der Espresso nicht zu schnell durchläuft. (Guide: wie Espresso einstellen hier.)
  • Ist das Mahlgut homogen? Der grösste Teil des Mahlgutes sollte der Zielgrösse entsprechen und nicht klumpen. Viele kleinere oder grössere Teilchen führe zu erhöhter Säure oder Bitterkeit im Geschmack.
  • Bedienbarkeit einfach? Lässt sich der Mahlgrad in Stufen oder stufenlos korrigieren und ist ein Nachstellen des inneren Mahlwerkes einfach möglich.
  • Konstanz? Gibt die Maschine konstant die gewünschte Kaffeemenge aus oder schwankt diese von Bezug zu Bezug.
  • Totraum? Wie viel Kaffee bleibt nach einer Mahlung im Mahlwerk zurück und ist somit als „alter“ Kaffee bei der nächsten Mahlung dabei.
  • Erwärmung durch regelmässige Nutzung? Erwärmen sich die Mahlscheiben und dadurch auch der Kaffee durch die Benutzung deutlich. Kann zu Geschmacksveränderung führen.

Espresso-fein!

Ohne Weiteres lässt sich der Mahlgrad der Espressomühle so feinstellen, dass ein guter Espresso in 25 oder 30 Sekunden gebrüht werden kann. Die Mahlgradverstellung wird über das rechts an der Mühle angebrachte Rad vorgenommen. Die digitale Anzeige gibt an, bei welchem Mahlgrad die Einstellung gerade ist. Das hilft bei der Orientierung.

Digitalanzeige der Sage Smart Grinder Pro
Digitalanzeige der Sage Smart Grinder Pro

Etwas verwirrend ist, dass beim Drehen der Mahlgradverstellung stufenweise Verstellungen eines Zahnrades zu spüren sind, die nicht immer mit der digitalen Anzeige korrespondieren. Ich verstelle also zum Beispiel 3 Stufen des Zahnrades, die digitale Anzeige springt jedoch nur 2 Schritte weiter. Als Konsequenz sollte man sich nicht vollkommen auf die Mahlgradanzeige verlassen – was aber aus unserer Sicht ohnehin nicht möglich ist. Kaffee ist ein Naturprodukt welches sich durch äussere Einflüsse verändert. Steigt zum Beispiel die Feuchtigkeit im Raum, verklumpt das Kaffeepulver mehr und die Mühle sollte leicht nachgestellt werden.

Das arbeiten mit einer Espressomühle ist in diesem Sinne nie ein abgeschlossener Prozess. Leichte Korrekturen werden einfach von Bezug zu Bezug vorgenommen.

Die Sache mit der Konstanz der Espressomühle

Wir haben 40 Espresso-Bezüge hintereinander vorgenommen. Die Konstanz der Mühle war dabei erstaunlich. Wir haben auf eine Zielmenge von 18 Gramm die Mühle eingestellt. Bei der Sage Smart Grind Pro wird diese Einstellung über die Mahlzeit vorgenommen. Auf einer programmierbaren Taste haben wir also eine Mahlzeit von 16 Sekunden eingestellt. Die Mahlzeit lässt sich über Ausprobieren und Abwiegen herausfinden. 16 Sekunden ist verhältnissmässig lang im Vergleich zu professionellen Mühlen, aber vergleichbar im Verhältnis zu anderen Mühlen bis 500 Euro. (Gastromühlen mahlen eine Menge von ca. 18 Gramm in 3  – 6 Sekunden.)

Über 40 Bezüge hinweg schwankte das Ergebnis um maximal 0,4 Gramm. Dieser Wert ist sehr gut und tatsächlich vergleichbar mit professionellen Espressomühlen. In diesem Fall spricht das eher für die Haushaltsmühle, denn wir wundern uns schon lange, dass Gastromühlen nicht präziser sind.

Die grossen Schwankungen bei Mühlen sind einer der Gründe, warum an Baristameisterschaften die TeilnehmerInnen jeden einzelnen Bezug mit einer Waage abwiegen.

Wie schmeckt der Espresso und wie konstant lief er?

Über die Einstellung des Mahlgrades sind wir zügig zur Einstellung eines guten Espressos gekommen. Dieser war balanciert und erfüllte alle Erwartungen, die wir an unseren Dreispitz Espresso haben. Auffällig war, dass nach einigen aufeinander folgenden Bezügen die Extraktionszeit immer kürzer wurde. Hatten wir bei den ersten Bezügen noch Extraktionszeiten von 29 Sekunden, lief der zehnte Espresso nur noch 22 Sekunden. Auch führten die wiederholten Bezüge zu einer deutlichen Erwärmung des Mahlgutes.

Einschränkend muss man sagen, dass die Mühle für einen solchen Einsatzzweck nicht gemacht ist. Das gilt es auf jeden Fall bei der Benutzung zu beachten. Durch leichtes Nachstellen kann der Mahlgrad und somit auch die Extraktion konstant gehalten werden.

Zu häufiges Mahlen in kurzer Zeit sollte aber dennoch vermieden werden. Zu stark erwärmter Kaffee schmeckt deutlich anders und auch die Langlebigkeit der Mühle würde leiden.

Vergleich der Partikelverteilung. Die Sage Smart Grinder Pro liegt in Sachen Partikelverteilung zwischen den der Sette 279 wi und Graef auf der rechten Seite und den Mühlen mit flachen Mahlscheiben auf der linken Seite. Die Mühlen wurden jeweils so eingstellt, dass der Espresso in gleicher Zeit ausläuft. Mehr dazu im Testbericht der Graef CM800 und Niche.

Bedienung der Sage Smart Espressomühle Pro

Die Bedienung der Maschine geht leicht von der Hand. Das seitliche Rad lässt sich gut drehen und somit der Mahlgrad verstellen. Die digitale Anzeige gibt einen Eindruck, bei welchem Mahlgrad man steht. Die programmierbare Mahlzeit ist konstant. Acht Programmierbereiche sind möglich. Das ist völlig übertrieben – stört aber nicht.

Überhaupt gibt die digitale Anzeige eine guten Einblick und macht die Kontrolle einfacher. Wir haben hier bei uns auch noch die Sage Dose Control Espressomühle stehen. Diese sieht soweit bauähnlich aus, verzichtet aber auf die digitale Anzeige. Unser erster Eindruck ist: gerade für Einsteiger ist das schon ein praktisches Tool.

Wie auch bei den Espressomaschinen Sage Barista Pro und Express kann der Mahlgrad nachjustiert werden, wenn die Grundeinstellung zu fein oder zu grob ist. Weil wir zu diesen beiden Geräten viele Fragen erhalten haben, haben wir dazu eine eigene Frage-Seite gestartet. (Disclaimer: nur um das noch mal festzuhalten. Wir verkaufen keine Sage Geräte. Wir wurden von Sage nicht bezahlt. Wir kaufen unsere Testgeräte selbst. Und wir testen diese Geräte, weil ihr viele Fragen dazu habt und wir das Beantworten von Kaffeefragen als Kaffeemacher als eine unserer Aufgaben verstehen.)

Alle Mühlen haben eine Grundjustierung des Mahlgrades. Diese funktioniert für fast alle Kaffees. Besonders helle oder dunkel geröstete Kaffees können aber aus der Range herausfallen. Dann kann die Grundjustierung des Mahlwerkes wie in dem folgenden Video gezeigt geändert werden.

Totraum ist der Mahlkaffee-Rückstand in der Mühl

Nach jeder Mahlung bleibt in fast jeder Mühle etwas Kaffeepulver zurück. In kleinen Ritzen, Schraubenöffnungen, zwischen den Mahlscheiben – all das sind beliebte Lagerstellen. Je mehr Kaffeepulver in solchen Hohlräumen bleibt, desto mehr beeinträchtigt das die nächste Espresso-Extraktion negativ. Je regelmässiger eine Mühle genutzt wird, desto weniger ist das ein Problem. Je länger gemahlener Kaffee in der Mühle alt wird, desto mehr beeinflusst das den Geschmack und die nächste Extraktion.

Bei der Sage Smart Grind Pro haben wir ca. 2.7 Gramm Kaffee im Totraum gewogen. Wir haben zu diesem Zweck das Mahlwerk ausseinander genommen und alles zusammen gekehrt. Das ist im Verhältnis zu einer Mühle wie der Niche Zero viel. Diese kommt auf lediglich 0.47 Gramm Totraum. Verglichen mit der Graef CM800 und den dort gewogenen 8 Gramm Kaffee ist das aber ein überschaubarer Wert. Die Graef ist eher die Konkurrenz, an der sich die Sage Smart Espressomühle preislich messen muss und diesen Vergleich entscheidet sie für sich.

Wir würden euch dennoch immer raten: sobald die Mühle länger als 15 Minuten steht, einfach einige Gramm ausmahlen. Dann könnt ihr euch sicher sein, dass der nächste Espresso perfekt und nicht mit altem Kaffee gebrüht wird.

Beschaffenheit und Fazit zur Sage Smart Grinder Pro

Wir liefern hier direkt eine Korrektur zu unserem Video. Dort erwähnen wir, dass es keinen Siebträgerhalter an der Mühle gibt. Das ist nicht korrekt. Es gibt sogar zwei solche und somit kann man den Siebträger ablegen, während die Mühle in den Siebträger mahlt. Das funktioniert mit Siebträgern von 50 – 58 m Durchmesser.

Die Mühle ist mit einer Breite von 22 cm, einer Höhe von 38 cm und eine Tiefe von 15 cm sehr kompakt. Das Gehäuse ist aus Edelstahl und Plastik.

Wir haben einen sehr guten Eindruck von der Sage the Smart Grinder Pro Espressomühle. Bislang haben wir noch keine Espressomühle getestet, die für diesen Preis soviel leistet.

Deshalb: die Mühle ist bis auf weiteres unser Einsteigertipp als Espressomühle. Wir werden sie nun in den Langzeittest nehmen und in einem halben Jahr – rund 1500 Espresso später – berichten, wie sie auf Dauer unter Auslastung ihre Arbeit leistet.


Macht Kaffee mit allen Sinnen. Benjamin Hohlmann ist Q-Arabica und Robusta Grader. Er war Schweizer Brewers Cup Meister und deutscher Cup Tasting Sieger. Unser geschäftsführender Gesellschafter und Gründer liebt es über Kaffee zu schreiben, mit Kaffee zu experimentieren und neues zu lernen.

  1. Thomas Sieben

    29 Juni

    Hallo Benjamin,

    vorweg meinen Dank und Respekt für den Umfang und tollen Stil der Testberichte. Eine Frage hätte ich zu den Graphen der Partikelverteilung, die ihr fantastischerweise so hochaufgelöst teilt. Konkret geht es mir um den Feingehalt des Pulvers, also alles unter 200µm. Habt ihr/Kennt ihr eine Aussage zu den Werten der Q-10 Quantile und der 100µm-Cumulutation hinsichtlich der zu erwartenden Espressogüte?
    Ihr betont immer wieder, sicherlich zu recht, dass nur Soll-große Partikel um 400µm alleine keinen ausreichenden Widerstand des Pulvers gewährleisten könnten. Andererseits sprecht ihr bei den feinen Partikeln natürlich auch über deren (unerwünschte?) Überextraktion.
    Ich besitze z.B. eine Eureka Mignon Specialita. Offensichtlich erzeugt diese Mühle sehr feines Kaffeepulver und hat einen schönen Hauptpeak um 400µm Partikelgröße. Andererseits befinden sich in deren Pulver laut eurem Graph im Vergleich mit der höchste Anteil an Partikeln unter 100µm.
    Ist das bedenklich hinsichtlich Überextraktion? Eine Macap oder der Smart Grinder sind in dem Bereich deutlich verhaltener.
    Kann man dabei z.B. darauf schließen, dass ein Espresso mit einer Eureka immer etwas bitterer sein wird als mit einer Macap? Oder wirkt sich das so feine Puder ggf. sogar „positiv“ aus, so dass es sich umgekehrt verhalten könnte.

    Wäre um eure Erfahrung oder Einschätzung sehr dankbar.

    Viele Grüße.
    Thomas

  2. thom

    12 November

    Ahoi Benjamin,
    von mir auch gleich am Anfang ein großer Dank für Euer Engagement. Ich liefert coolen Inhalt ab. Respekt!

    Meine Frage an Euch:
    Ich habe jetzt die Sage Appliances SCG820 und dazu die Sage Appliances SES810 als Wasserpresswerk. Ich bin Anfänger in der Welt des selber gemachten guten Kaffees und wundere mich ein wenig, dass ich die Durchlaufzeit nicht auf über 20 Sekunden bekomme. Ich habe Euch gut zugehört und weiß inzwischen, dass dies über die Feinheit des gemahlenen Kaffees gehen muss. Und jetzt kommt mein Thema/Frage:

    Ich habe das interne Mahlwerk jetzt bereits auf Stufe 9 (von 10 möglichen Stufen) verstellt und bin auf der Digitalanzeige auf fast ganz unten – nämlich 2 – und es reicht mir immer noch nicht für eine längere Zeit!!!

    Ich dachte eigentlich man hätte mit der Mühle etwas Spielraum. Kann es sein, das ich mit dem Ding einfach den Kaffee nicht fein gemahlen bekomme? Oder liegt es an meiner Espressomaschine?

    Eigentlich würde ich von Dir/Euch nur gerne wissen, ob die Mühle fein genug mahlen kann und ob es sein muss, das Mahlwerk auf die letzte feine Stufe (10 ) stellen zu müssen.

    Grüsse aus dem Schwarzwaldrandgebiet Pforzheim,
    tom

    • Mathias

      18 November

      Hi Tom,

      ich hab die Mühle auch seit gestern und musste von der Werkseinstellung eher auf gröber umstellen, damit überhaupt genug Wasser durch den Puck läuft. Ich verwende die SES500. Die Mühle habe ich intern auf 6 stehen lassen und bin bei 14 auf der Digitalanzeige. Gemahlen werden 17g des Ettli Don Pedro Espressos und nach der Extraktion habe ich ca 42-43 g Espresso in der Tasse. Die Extraktion dauert nach Betätigen der konfigurierten Wassermenge inkl. Preinfusion ungefähr 30 Sekunden. Ich war mir nie sicher ob die Preinfusion dazu zählt oder nicht, jedoch landen die ersten Tropfen nach ca. 10 Sekunden in der Tasse und das Gesamtergebnis sieht auch sehr vernünftig aus. Versuch mal mit einer Personenwage den Tamperdruck zu überprüfen, evtl. liegt der ja viel zu niedrig.

      Viele Grüße aus deiner Nachbarschaft 😉
      Mathias

  3. JH

    16 November

    Was ist das Ergebnis des Langzeittests? Ist es immer noch die beste Mühle für Einsteiger?

    Viele Gruesse ihr macht einen tollen Job!
    Julian Ha.

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