Xenia Espressomaschine – Test 2020

Die Zweikreiser Espressomaschinen-Testreihe schliesst mit einem Test der Xenia. Der Xenia eilt ihr Ruf als besondere Espressomaschine voraus.

Sie wird in einer kleinen Manufaktur in Deutschland entwickelt. Über die Xenia-Webseite lässt sich die Maschine frei konfigurieren und bestellen. In Handarbeit wird die Maschine dann zusammengebaut und ausgeliefert. Zum Zeitpunkt unseres Tests (Sept 20) wartet man allerdings auch sechs Monate, bis die „eigene“ Maschine fertig ist.

Für eine Xenia entscheidet man sich! Es ist kein Kauf von der Stange. Der Hersteller kommuniziert offen mit seiner Community, die Webseite ist sehr transparent und gibt Informationen über neue Entwicklungen und beschreibt die technische Ausstattung der Espressomaschine im Detail.

In der Schweiz ist die Xenia noch unterrepräsentiert. Umso neugieriger waren wir, die Xenia Espressomaschine ausgiebig zu testen. Und was sollen wir sagen: unser Fazit reicht von begeistert bis ernüchtert. Aber lest und schaut selbst.

Die Wunschbestellung der Xenia

Edelstahl „spiegeld“ oder „satiniert“? Oder doch lieber die „anthrazit-blaue metallic“ Blende? Wir sind nicht beim Autolackierer, sondern im Konfigurator der Xenia gelandet. Das macht Freude!

Wir klicken uns durch ein mehrseitiges Menü und erstellen unsere Maschine.

Den Wassertank wollen wir seitlich herausziehen können. Der Boiler soll bitte isoliert sein. Die Knopffarbe, wir fragen mal das Team. Einen Tamper sparen wir uns, hier liegen genug rum.

Xenia setzt hier Massstäbe für alle anderen Espressomaschinen-Hersteller und spielt brutal eine Stärke aus. Denn wenn jede Maschine lokal einzeln gebaut und direkt vom Hersteller ausgeliefert wird, dann kann auch fast jeder Kundenwunsch erfüllt werden.

Alle Lelits und Rockets und Bezzeras sind dagegen Massenware von der Stange, die im Lager des Importeurs im jeweiligen Land auf AbnehmerInnen warten. Anders die Xenia. Mit dem eigenen Entscheid für eine Maschine und dem Auslösen der Bestellung beginnt der Prozess der Fertigung.

Wir finden das grandios.

Seitenansicht der Xenia

Diese Individualität hat aber auch ihren Preis. Und der liegt mehr in der Wartezeit als beim Kostenpunkt. Beim günstigsten Ausbau kostet die Xenia gerade einmal rund 1300 €, wobei die interessanten und sinnvollen Komponenten schnell zu einem Preis von +1600 € führen.

Sechs Monate wartet man aktuell, bis die eigene Maschine dann die Fertigung verlässt. Auf der Startseite der Xenia liesst man davon nichts. Im Konfigurator versteckt sich die Wartezeit hinter der Formulierung: „Den Fortschritt und das voraussichtliche Produktionsdatum für seine Maschine kann man tagesaktuell in der Produktionsliste einsehen.»

Wir haben das Überlesen und sind gleich in den Konfigurator gestartet. Unser Fehler. Erst später haben wir die Wartezeit realisiert. Umso mehr freuen wir uns, dass wir nun doch eine neue Xenia bei uns auf dem Testtisch haben – die wir wie alle Testmaschinen gekauft haben – und euch berichten können, wie diese Maschine bei uns performt hat.

Die Beschaffung der Xenia

Eine Wartezeit von fünf bis sechs Monaten war für uns nicht denkbar, da wir unsere Zweikreiser Testreihe im September 2020 abschliessen wollen. Daraufhin haben wir im Kaffee-Netz in der Xenia Community eine Nachfrage gepostet, ob uns ein Xenia Inhaber seine Maschine testweise zur Verfügung stellt.

Die Rückmeldungen der Community selbst waren sehr positiv und zahlreiche Mails und Nachrichten haben uns erreicht, dass Xenia-Kunden ihre Maschine zur Verfügung stellen wollen oder auch ihre Xenia zum Verkauf stünde.

Zu Verwunderung auf unserer Seite hat geführt, dass der Hersteller selbst dann jedoch seine Kunden dazu aufgerufen hat, uns keine Maschine zur Verfügung zu stellen. Einerseits wegen möglichen Transportschäden und andererseits wegen der Gefahr einer Ansteckung mit Corona. Gleichzeitig wurde darauf verwiesen, dass wir uns wie alle anzustellen haben. Den letzten Punkt finden wir vollkommen gut und richtig. Eine Beurteilung der vorbeugenden Covid-Schuztmassnahmen anderer ist für uns aber befremdlich.

Wir haben die Xenia dann einfach bei Coffee Circle bestellt. Nach drei Wochen war sie da. Sie kam ohne die Freude des Konfigurators, aber mit einem guten Ausbau und in einer wirklich schicken Version.  

Das Setting unserer Xenia Espressomaschine

Wie alle aktuellen Xenias ist auch unsere ein Zweikreiser. Es wurde ein isolierter Boiler mit einem Fassungsvermögen von 1.3 Litern verbaut. Eine Wärmetauscher-Röhrchen schlängelt sich vertikal spiralförmig durch den Kessel. Durch dieses Röhrchen wird das Brühwasser geführt und nimmt Temperatur der Umgebung an. Ein Wärmetauscher eben.

Besonders bei der Xenia: nach jedem Bezug wird dieses Röhrchen geleert und überhitzt dadurch nicht in der Phase des Stillstandes bis zum nächsten Bezug. Das ist ein Phänomen, welches man bei vielen anderen Zweikreiser vorfindet. Da die umgebene Temperatur des Boilers +120 Grad hat, wird das Wasser im Wärmetauscher zu heiss und muss durch einen Cooling Flush (kurzes Spülen vor dem Espressobezug) reduziert werden. Das Entleeren des Röhrchens erspart diese Prozedur bei der Xenia.

Übrigens führt das auch dazu, dass die Brühtemperatur sehr konstant ist, weil sie wirklich immer den „gleichen“ Wärmeaustausch mit der Umgebung eingeht. Wir haben sehr konstante Temperaturen gemessen, die kaum über 0,2 Grad vom Auslösen des Bezugs über 30 Sekunden bis zum Ende des Bezugs zeigten. Damit performt die Xenia in Sachen Konstanz mit den besten Zweikreisern auf einer Ebene.

Xenia
Temperatur-Test bei der Xenia

Konstant aber zu heiss

Wir testen alle Espressomaschinen Out of the Box so wie sie sind. Wir entnehmen sie der Verpackung und beginnen mit dem Testen. Wir nehmen keine Veränderungen an der Maschine vor, die nicht jeder ungeübte Kunde auch vornehmen kann. Der Grundgedanke dahinter: wenn ihr eine Maschine kauft, dann wollt ihr loslegen und nicht zum Händler für eine Einstellung laufen.

Unsere Xenia war etwa 3 Grad zu heiss eingestellt. Nach einer abgeschlossenen Aufheizzeit wiesen all‘ unsere Bezüge Temperaturen zwischen 95.9 und 96.4 Grad auf. Das führte in der Anwendung dazu, dass die Espressi tendenziell unangenehm bitter waren, einen trockenes Mundgefühl hinterliessen und einen harschen Abgang hatten.

Bei der Xenia kann die Grundtemperatur im inneren der Maschine über ein Pressostat nachkorrigiert werden. Dazu stellt man dann den gesamten Druck des Boilers niedriger ein, was auch zu einer geringeren Temperatur des Brühwassers führt. Allerdings ist eine solche Umstellung schwierig vorzunehmen, wenn man nicht über ein entsprechendes Siebträgerthermometer die Brühtemperatur messen kann.

Diese zu heisse Grundeinstellung der Maschine steht in einem Widerspruch, zu unserer Erwartung an eine Einzelfertigung, zumal der Hersteller eine Zieltemperatur von 92 Grad angibt. Für den finalen Test der Maschine im Vergleich zu den anderen Zweikreisern werden wir die Temperatur der Xenia anpassen. Eine Überprüfung der eigenen Brühtemperatur empfehlen wir allen Xenia Nutzern die Schwierigkeiten haben balancierte und gute Espressi zu brühen.

Breite, Höhe und nette Gimmicks der Xenia

Mit einer Breite von 27 cm, einer Höhe von rund 40 cm und einer Tiefe von 43 cm gehört die Xenia zu den kompakteren Zweikreisern. Ein genialer Trick macht sie aber zum besten und kompaktesten Zweikreiser für Küchen mit Oberschrank überhaupt.

Die Befüllung des Wassertanks funktioniert bei klassischen Zweikreiser über die Entnahme des Tanks oder das Zuschütten des Wassers direkt in den Tank. In beiden Fällen braucht es Platz über der Espressomaschine. Wenn jedoch ein tiefer Oberschrank über der Maschine hängt, dann ist das in kleineren Küchen gar nicht einfach zu leisten.

Den Wassertank kann man bei der Xenia seitlich entnehmen.

Die Xenia macht das besser. Über einen seitlichen Schlitz kann der Wassertank in beide Richtungen herausgeschoben werden. Diese Funktion ist optional über den Konfigurator wählbar – super! Hier wurde mitgedacht und eine nützliche Funktion integriert.

Weitere kleine oder grössere Eigenheit dieser Art ziehen sich durch die Maschine. Die Tropfschale hat eine gutes Fassungsvermögen. Was sie aber auszeichnet ist eine „half pipe“ für das Wasser. Statt das Rücklauf-Wasser einfach in die Schale zu spritzen und dadurch zu einer grösseren Spritzauswirkung für die Umgebung zu sorgen, gleitet bei der Xenia das Wasser über eine Rampe in die Schale. Einfach, praktisch, gut.

Die Maschine und der Kessel sind aus Edelstahl, wobei unsere äusseres ein schwarzes eloxal Finish hat. Wir haben ausserdem zwei schöne Siebträger mit Olivenholz-Griff dabei.

Die Dampflanze und das Teewasserrohr sind Cold Touch, also Non burn. Mit anderen Worten: sie werden nicht heiss.

Hier gleitet das Spritzwasser in die Tropfschale, ohne zu spritzen.

Leise summt die Vibrationspumpe

Wir sind noch nicht beim Vergleich der Zweikreiser. Denoch hier eine kleine Vorinfo. Die Xenia ist die zweitleiseste Espressomaschine in unserer Zweikreiser-Testreihe. Auch hier macht Xenia vor, wie einfach es gehen kann.

Es gibt zwei Dinge die Lärm machen, wenn man eine Vibrationspumpe nutzt. Die Pumpe selbst, die irgendwo am Gehäuse scheppert. Und alle anderen Teile, Bleche, Einsetze. Die Pumpe steht bei der Xenia auf Gummifüssen. Das ist schon mal die halbe Miete. Der verbindende Schlauch selbst ist so angebracht, dass keine Vibration weitergegeben wird. Und da auch sonst nicht viel in der Maschine scheppert, ist die Xenia ziemlich leise!

Die Brüheinheit der Xenia und die Aufheizzeit

Die Xenia setzt auf eine Brüheinheit, die sich von der vielfach verbauten Faema E61 Gruppe unterscheidet. Statt des zirkulierenden Thermosiphon-Prinzips wird die Gruppe über zwei Heizpatronen elektrisch beheizt sowie über eine Kupfer-Wärmebrücke zwischen Kessel und Gruppe verbunden und damit in der Temperatur stabilisiert.

Bei unseren Tests und Messungen über mehrere Stunden und Tage hinweg mit wiederholtem Aufheizen und Abkühlen der ganzen Maschine war die Xenia sehr präzise, wenn auf Betriebstemperatur.

Xenia gibt an, dass die Maschine nach 13 Minuten auf Betriebstemperatur ist. Wir sind auf eine Aufheizzeit von 20 Minuten und mehr gekommen. Zumindest haben wir die Endtemperatur der Maschine nach etwa dieser Zeit erreicht. Anschliessend ist die Temperatur nicht weiter gestiegen und konstant über mehre Stunden bei dieser Temperatur geblieben (96 Grad).

Milch schäumen wie mit einem Einkreiser

Ein entscheidender Vorteil eines Zweikreiser ist, dass man Milch schäumen und Espresso brühen gleichzeitig kann. Das ist ein wesentlicher Grund, weswegen Menschen die gerne Milchmischgetränke trinken besser beraten sind, einen Zweikreiser zu kaufen. Man kann den Espresso einspannen, die Extraktion starten und mit dem Schäumen beginnen – ohne Verzögerung.

Beim Einkreiser muss stattdessen die Temperatur des Kessels zunächst von der Espresso-Temperatur auf die Dampfdruck-Temperatur hoch gepusht werden, damit überhaupt genug Druck vorhanden ist. Die Milchschaum-Fähigkeit ist der entscheidende Unterschied zwischen einem Zweikreiser und Einkreiser.

Die Xenia performt beim Schäumen eher wie ein Einkreiser. Nach dem Abschluss des Brühens des Espressos sollten etwa 40 Sekunden gewartet werden, bevor das Schäumen beginnt.

Wartet man nicht und beginnt direkt mit dem Schäumen, dann fällt der Dampfdruck im Kessel auf unter 0,3 Bar gefallen. Das Schäumen ist so nicht möglich. Man kann lediglich warme Milch herstellen.

Im Vergleich zu anderen Zweikreisern fällt die getestete Xenia in Sachen Schäumverhalten leider deutlich ab.


Macht Kaffee mit allen Sinnen. Benjamin Hohlmann ist Q-Arabica und Robusta Grader. Er war Schweizer Brewers Cup Meister und deutscher Cup Tasting Sieger. Unser geschäftsführender Gesellschafter und Gründer liebt es über Kaffee zu schreiben, mit Kaffee zu experimentieren und neues zu lernen.

  1. Bernd

    6 September

    Puh, das ist aber ernüchternd!
    Tolles Konzept, aber leider grosse Schwächen in der Kernkompetenz eines Zweikreisers.
    Herzlichen Dank für eure(n) Test(s)!
    Als Käufer wäre ich sehr enttäuscht, für ca 1800€ keine „perfekte“ Maschine zu bekommen.

  2. JR

    6 September

    Whatever! Danke für den Test! Das Schäumverhalten kann ich nicht bestätigen. Der Dampfdruck ist immer optimal. Ich bin mit meiner Xenia Topp-zufrieden.

  3. Tobias

    6 September

    Hallo liebe Kaffeemacher,
    vielen Dank für Eure Testreihe, die ist super geworden! Von der Xenia hab ich wirklich mehr erwartet, euer Review ist schon ziemlich vernichtend, so ein „Zweikreiser“ ist definitiv keine 1800 € wert, in Wunsch-Konfiguration wären es auch schnell 2000 €. Im Video klang es nicht so, als würde ein Fazit zu allen Zweikreisern bereits nächsten Samstag kommen, ist da schon näheres geplant?
    Ich bin nämlich gerade auf der Suche nach einem neuen Zweikreiser und weiß noch nicht ganz weiter.
    Da ich gerne bis 1200 € ausgeben möchte, sind die Bezzera Magica, Quickmill Rubino und Lelit Mara X im Rennen. Alle haben sich in den Tests kaum etwas genommen und scheinen eine gute Wahl zu sein, aber so eine langfristige Investition will wohlüberlegt sein. Was würdet Ihr hier aus Eurer Sicht empfehlen? Kann es sein, dass die Lelit mit ihrer Lautstärke, den kompakten Maßen und PID etwas im Vorteil ist?
    Über einen Rat würde ich mich sehr freuen!
    Weiter so mit Euren Inhalten, ich finds super!

    Liebe Grüße
    Tobias

  4. Dirk

    15 September

    Habt Ihr denn mal bei der Firma nachgefragt oder die Maschine zum Service geschickt. Die Detailverliebtheit und das Druckproblem passen nicht zusammen uns sind vielleicht ein mechanisches Problem.

    Sonst liebe ich Eure Videos. Bitte macht weiter so.

  5. Daniel

    15 September

    Danke für den detaillierten Test, und den Informationen was davor abgelaufen ist. Das ist höchst interessant und sagt einiges, auch über den Hersteller, aus. Ich finde es toll dass ihr auch Kritik äussert wo andere mit Lobhudelei im Gleichtakt marschieren. Bleibt unabhängig und lasst euch nicht dreinreden, schon gar nicht von angesäuerten Herstellern etc. Weiter so!

    • Leo

      17 September

      Hallo Daniel, ich denke nicht, dass in diesem Fall der Hersteller dreinredet oder er angesäuert ist. Vielmehr stelle ich fest, dass sehr viel Schadenfreude in den Foren die Runde macht. Ich bin aber auch froh und dankbar, ist die erste Maschine mit Fehlern und Schwächen gnadenlos aufgedeckt worden. Es geht ja nicht an, dass alle Hersteller perfekte Geräte verkaufen, und so ein dahergelaufener Lump eine schlechte Maschine verkauft.

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