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Wasserfilterpads für Espressomaschinen – Einsatz u...

Wasserfilterpads für Espressomaschinen – Einsatz und Probleme

Wasserfilterpads haben einen Einsatzweck: sie sollen hartes Wasser filtern. Die Gefahr von Kalkbildung in der Espresso- oder Kaffeemaschine soll reduziert werden und das Wasser auch geschmacklich aufbereitet werden. Wir haben vier Wasserfilterpads getestet und das Fazit ist ernüchternd: alle vier erzielen bei einer Verwendung nach Händleranweisung die beiden Ziele nicht oder nur unzureichend.

Getestet haben wir den Wasserfilterpad von ECM, Rocket O.SCA.R 90, BRITA Aqua Gusto 250 und BWT Bestsave S.

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Gutes Wasser für die Zubereitung von Kaffee

Vielerorts ist das heimische Hahnwasser zu hart, um sensorisch guten Kaffee zubereiten zu können. Mindestens genauso problematisch ist, dass bereits mittelhartes Wasser Kalkbildung provoziert. Was gutes Wasser für die Zubereitung von Kaffee ist, haben wir in einem ausführlichen Artikel und Video erklärt. Hier noch einmal die Rahmendaten:

Perfektes Wasser für Filterkaffee: 

  • Gesamthärte: 2 – 3 °dH
  • Alkalinität: 1 – 2 °dH

Perfektes Wasser für Espresso:

  • Gesamthärte: 3 – 6 °dH
  • Alkalinität: 2 – 4 °dH

Wie ihr diese Werte zu Hause messt, was sie bedeuten und wir ihr sie verändert, steht ebenfalls in dem verlinkten Artikel. https://kaffeemacher.ch/kaffeewasser/

Oft wurden wir gefragt, ob das Wasser auch mit Wasserfilterpads oder Wasserfilterkissen erreicht werden kann.

Der Einsatz von Wasserfilterpads

Wasserfilterpads werden je nach Herstellerangaben ausgespült und anschließend in den Wassertank der Espressomaschine oder des Kaffeevollautomaten gelegt. Dort Enthärten oder Entkarbonisieren die Wasserfilterpads mit der Zeit das Wasser.

Je nach Hersteller werden unterschiedliche Angaben gemacht.

ECM empfiehlt z.B. bei einer Wasserhärte von 15 eine Einweichzeit von 15 Stunden. BWT empfiehlt die Nutzung über Nacht (8 – 10 Stunden laut Anwendungsbroschüre). Die Ausgangshärte des Wassers wird von keinem der vier Hersteller berücksichtigt. Sie wird nur für die Haltbarkeit des Pads genannt (maximale Liter-Anzahl die im Laufe der Zeit gefiltert werden kann).

In jedem Fall brauchen die Pads Zeit, um ihre filternde Wirkung zu entfalten. Schon hier stolpern wir das erste Mal. Denn wann füllen die wir in der Regel Wasser auf? Wenn die Espressomaschine den mangelnden Wasserstand moniert oder der Kaffeevollautomat nervtötend piepst.

Wir gießen also Wasser nach und beziehen anschließend den Kaffee. Niemand wartet eine Nacht bis zum nächsten Bezug oder gar 3 – 4 Tage, was unsere Messungen nahe legen.

Wie effektiv filtern Wasserfilterpads?

Wir haben je einen Filterpad der Hersteller in einen Wassertank gegeben, den wir mit 2 Liter Wasser gefüllt haben. Nach 3 Stunden, 5 Stunden, 20 Stunden und 100 Stunden haben wir Messungen der Gesamthärte, Alkalinität und Leitfähigkeit vorgenommen.

Die Gesamthärte hat sich folgendermaßen entwickelt.

Gesamthärte-Entwicklung Wasserfilterpad

Bei allen vier Pads sind wir nach 20 Stunden noch nicht im für Espresso wünschenswerten Zielbereich bzw. bei einer Ausgangshärte von 16 GH °dH noch weit davon entfernt. Nach 100 Stunden haben alle Wasserfilterpads die Gesamthärte ausreichend reduziert, nicht aber die Alkalinität.

Während die Wasserfilterpads von BWT und BRITA nach 100 Stunden auch die Alkalinität ausreichend reduziert haben, bleibt dieser Wert beim Wasserfilterpad von ECM und Rocket konstant zu hoch. Diese beiden Kissen enthärten zwar, ersetzen aber nicht im gleichen Maße das Hydrogenkarbonat.

Das Wasser ist damit zwar gegen Kalkbildung gefeit, bleibt aber sensorisch problematisch. Eine Hohe Alkalinität führt sensorisch zu einer starken Abschwächung jeglicher Säure des Kaffees. Diese ist aber notwendig, damit ein Kaffee balanciert ist und nicht fade schmeckt.

Beide Hersteller kommunizieren das auf ihren Verpackungen nicht.

MERKE: Solange der Wasserfilterpad mit dem Wasser im Kontakt ist, ist das Wasser im Prozess und wird weiter Entkarbonisiert bzw. Enthärtet. Eine genaue Bestimmung der Wasserhärte ist nur möglich, wenn ihr frisches Wasser für eine bestimmte Zeit mit dem Pad in Verbindung lasst. Sobald ihr Wasser nachschüttet, wie es üblicherweise im Wassertank passiert, sind die Werte wieder ungenau.

Michel Aeschbacher

Wasserfilterpads als Mogelpackung

Die langsame Filterwirkung der Pads erfordert den gezielten Einsatz, wenn sie überhaupt Sinn machen sollen. So wie von den Herstellern in den Anleitungen beschrieben, sind sie nicht zielführend und gefährden eure Espressomaschine und sorgen außerdem dafür, dass der Kaffee nicht gut schmeckt.

Die Wasserfilter von Rocket und ECM sind aus unserer Sicht sensorisch nicht zum Brühen von gutem Kaffee geeignet. Sie schonen zwar eure Maschine, wenn sie lange im Wasser liegen, reduzieren jedoch die Alkalinität nicht.

Die Wasserfilterpads von BRITA und BWT sind theoretisch nutzbar, müssen aber anders verwendet werden, als von den Herstellern beschrieben. Am besten funktioniert eine separate Wasserkanne, die ihr mit einem Wasserfilterpad in den Kühlschrank stellt, und je nach Ausgangshärte entsprechend lang in Kontakt lasst. Wie ihr eure Ausgangshärte bestimmen könnt, haben wir hier beschrieben.


Backup-Infos

Die Alkalinität und Gesamthärte wurde mit Titriertropfen-Tests von BWT gemessen. Es wurden jeweils 2 Liter Wasser verwendet und diese bei Zimmertemperatur im Wassertank mit Wasserfilterpad gehalten. Es wurde zusätzlich die Leitfähigkeit gemessen. Die Ausgangsgesamthärte unseres Wassers ist: 16 °dH Gesamthärte, 13 °dH Alkalinität, 520 Leitfähigkeit

Entwicklung der Gesamthärte, Wasserprobe vom Boden genommen.

°dh GH0 Std.3 Std.5 Std.20 Std.100 Std.
Rocket16161393
BWT161413116
Brita 250161514104
ECM161413103

Entwicklung der Alkalinität, Wasserprobe vom Boden genommen.

°dH Alkalinität0 Std.3 Std.5 Std.20 Std.100 Std.
Rocket1312121110
BWT13111183
Brita 25013121072
ECM1311101111

Leitfähigkeitsentwicklung.

Leitfähigkeit0 Std.3 Std.5 Std.20 Std.100 Std.
Rocket520540540504520
BWT520510490420240
Brita 250520520490400220
ECM520540550570570

Macht Kaffee mit allen Sinnen. Benjamin Hohlmann ist Q-Arabica und Robusta Grader. Er war Schweizer Brewers Cup Meister und deutscher Cup Tasting Sieger. Unser geschäftsführender Gesellschafter und Gründer liebt es über Kaffee zu schreiben, mit Kaffee zu experimentieren und neues zu lernen.

  1. Johannes

    20 Juni

    Liebe Kaffeemacher,
    Calcium-Ionen sind 2-fach positiv geladen, Natrium nur einfach. Um ein Teil (mol) Ca++ zu entfernen müssen daher 2 Teile Na+ ausgetauscht werden. Die Gesamtmenge der gelösten Teilchen steigt daher.
    Noch eine kleine Korrektur: FIlter entferen ungelöste Feststoffe aus dem Wasser (wie ein Kaffeefilter). Enthärter oder Ionenaustausche sind daher keine FIlter, da sie gelöste Teilchen entfernen: Aber das nur am Rande.
    Viele Grüße,
    Johannes

  2. Eugen

    29 Juni

    Hallo Kaffeemacher,

    ihr macht das wirklich toll, die Videos wie auch die Homepage – Top!
    Hier ein kurzer Denkanstoss: Würde es nicht Sinn machen einen Durchlauffilter zu verwenden und dann dieses Wasser im Tank mit diesen Wasserfilterpads zu kombinieren? Wenn ich das jetzt richtig kombiniere: ca. -4dH durch den Durchlauffilter und dann über Nacht im Tank -4 bis -6dH durch das Wasserfilterpad?
    Nur so als Idee. Ich muss es mal testen, wir haben hier 16dH also hab genug „Härte“ in Reserve 😉

    Gruss
    Eugen

    • Eugen

      13 Juli

      Hallo Kaffeemacher,
      ich habe dies nun mit den Brita Maxtra Durchlauffiltern kombiniert und lande über Nacht bei 5dH für mich also ideal.
      Vielleicht hilft es ja jemandem anderen auch.

      Gruss
      Eugen

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