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Nachhaltigkeit Kaffee – die Kaffeemacher-Per...

Nachhaltigkeit Kaffee – die Kaffeemacher-Perspektive

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Mehrere Jahre sind wir ohne eine Webseiten-Rubrik «Nachhaltigkeit» ausgekommen. Oder wir meinten, ohne eine solche auszukommen. Wir dachten, dass unsere innere Haltung, Kaffee zu verstehen, schon viel mehr als «nachhaltig» ist und für sich steht und wirkt.

Wenn uns aber gespiegelt wird, dass man uns im Internet unter den Schlagworten «Kaffee» und «Nachhaltigkeit» nicht findet, dann stimmt uns das nachdenklich.

Denn wir verstehen unser Schaffen als langfristig angelegt, sozial im Kern und haben diesen Anspruch und dieses Ziel auch in den Statuten der GmbH und sogar im Handelsregister verbrieft. (siehe weiter unten.)

Wir setzen bewusst nicht auf Siegel und auch Schlagworte wie z.B. «direct trade», weil diese unseren Standards und unserem Anspruch nicht oder nur teilweise entsprechen, sowie als solches nicht präzise definiert sind. Nichts desto trotz sind wir EU-Bio und Demeter zertifiziert und führen auch diverse Kaffees die auch Fairtrade zertifiziert sind.

«Nachhaltiges und ganzheitliches Wirtschaften sind für uns eine Selbstverständlichkeit und nicht Programmatik.»

Aus einer Kaffeemacher-Diskussion

Wir dachten, dass unser Handeln, unsere Art der Kommunikation über Blogs und Produkte für sich stehen und Menschen erreicht, die das schätzen. Dem ist auch so, aber wohl auch ganz viele noch nicht, weil wir bewusst auf die für uns etwas zu einfach geführte und nichtssagende Kaffee-Nachhaltigkeits-Diskussion nicht eingestiegen sind.

Wir haben hingehört und verstanden. Mit dieser Rubrik schilden wir nun unsere Sicht und unseren Nachhaltigkeitsansatz.

Allgemein gilt für uns folgendes: wir tun uns schwer mit Konzepten und Schlagwörtern rund um das Thema der Nachhaltigkeit. Wir versuchen stattdessen so nah wie möglich an den Produzenten zu sein, deren Herausforderungen und Probleme zu verstehen und gemeinsam kreative Lösungen zu finden.

Taten, statt Konzepte, die alle anders verstehen.


Direkt zu den verschiedenen Kapiteln in diesem Blogbeitrag

Was ist nachhaltiger Kaffee?

Kaffeeproduktion mit Rücksicht auf Mensch und Natur

Was sind faire Preise für die Kaffeeproduzenten?

Demeter, Bio, Fair Trade und andere Zertifizierungen

Rohkaffee möglichst direkt von den Produzenten gekauft

Nachhaltiges Unternehmertum – die Kaffeemacher GmbH

Was ist «nachhaltiger Kaffee»

Jede Person, die diesen Artikel liest, hat leicht bis stark abweichende Vorstellungen von dem, was nachhaltiger Kaffee alles beinhalten soll. Einige Begriffe aber tauchen in Diskussionen immer wieder auf und die Meisten dürften damit einverstanden sein:

  • Kaffee soll mit möglichst viel Rücksicht auf Natur und Mensch produziert werden
  • Die Produzenten sollen faire Preise für ihre Arbeit erhalten
  • Zertifizierungen wie Bio, Fair Trade oder Demeter sollten dazu einen Beitrag leisten
  • Rohkaffee sollte wenn möglich so eingekauft werden, so dass sich nicht viele Akteure zwischen Verkäufer und Käufer drängen – auch bekannt als direct trade

Dies ist nur eine Auswahl von dem, was wir immer wieder hören. Diese die Nachhaltigkeit umschreibenden Beschreibungen klingen alle zuerst mal richtig gut und geben einem ein gutes Gefühl. Richtig konkret aber sind sie nicht. Was «Rücksicht», «fair», «Bio» und «direkt» genau bedeutet, heisst eben für alle etwas anderes.

Im Folgenden gehen wir auf alle diese Punkte ein und erläutern, wie wir Nachhaltigkeit und Kaffee verstehen.

Kaffeeproduktion mit Rücksicht auf Natur und Mensch

Das ist eine Grundbedingung, und zwar aus einem einfachen Grund: Kaffeeproduzenten bewirtschaften in aller Regel ihr eigenes Land. Wer als Produzent ein langfristiges Interesse daran hat, Kaffee zu produzieren, passt also auf sein eigenes Land auf.

Für unsere Kaffees gilt, dass wir höchste Transparenz einfordern. Nur schon der Anschein von misslichen Umständen auf der Farm würde für uns zu einer Beendigung der Zusammenarbeit führen. Hierfür brauchen wir keine Siegel, sondern lassen den gesunden Menschenverstand amten.

Mittelfristig wollen wir alle unsere Partner besuchen, von denen wir Kaffee beziehen, und uns selbst mit der Situation vor Ort vertraut machen. Mit den Produzenten unserer Kaffees aus Kenia, Brasilien, Peru, Nicaragua und Honduras führen wir bereits jetzt eine enge Kommunikation.

Wir waren selbst vor Ort, haben unsere jeweiligen Philosophien ausgetauscht und sind im Dialog. Ein Besuch bei den Produzenten in Indien und Äthiopien, von denen wir auch Kaffee beziehen, wird folgen.

Düngung und Pflanzenschutz

Mit der «Rücksicht auf die Natur» wird oft moniert, dass Kaffee einen hohen Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln erfordert. Kaffee ist ein Cash Crop – wenn jemand von Kaffee leben möchte, muss dafür geschaut werden, dass am Ende der Saison eine Ernte zu ernten ist. Und das bedingt den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutz. Die Diskussion hier aber dreht sich eigentlich darum, welche Art von Dünger und Pflanzenschutz angebracht ist.

Wir hören immer wieder von sehr drastischen Konsumentenmeinungen zu synthetischen Düngern und Pestiziden, dass dies ein No-Go sei. Dabei geht vielleicht vergessen, dass Kaffee eben – wie oben beschrieben – ein Cash Crop ist, ein Produkt, von dem ganze Familien leben.

Wenn der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln Sicherheit geben kann, ist das eine Realität. Eine andere Realität ist, dass die Preise für Dünger und synthetische Mittel extrem hoch sind. Jede/r vernünftige Produzent/in benutzt nicht nur aus Rücksicht auf die Natur wenig Input oder Pflanzenschutzmittel, sondern auch aus Rücksicht auf die Haushaltskasse.

Wir haben bis heute verschiedenste Produzenten besucht, die biologische Prinzipien anwenden. Die Farmen, welche damit erfolgreich sind – also einen hohen Ertrag und einen Markt haben – verfügen gleichzeitig über den Zugang zu dem nötigen Know-How. Die Kenntnisse, was es für den langfristig angelegten biologischen Kaffeeanbau braucht, sind nicht einfach so offensichtlich. Wer aber Zugang zu Wissen hat, über die richtigen Kontakte verfügt und seinen eigenen Markt etablieren kann, wird heute und in Zukunft erfolgreich sein. Nur sind das eben noch sehr wenige Produzenten. Das motiviert uns, immer mehr und irgendwann ausschliesslich mit Bio-Produzenten zusammen zu arbeiten und bei Umstellungen zu unterstützen

Wie wir auf Santa Rita arbeiten

Auf unserer Finca Santa Rita in Nicaragua benutzen wir mehrheitlich biologischen Dünger und einen Mix aus biologischen und synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Das Ziel hier ist ganz klar: soviel wie nötig, und so wenig wie möglich. Aus ökonomischen und philosophischen Gründen. Dazu kommen die situativen Gründe: wir haben sechs Nachbarn, von denen zwei starken Roya-Befall auf ihrer Farm haben. Nur unternehmen sie nichts dagegen und lassen dem Pilz alle Freiheit, zu wuchern. Ein Pilz kennt keine Grenzen und attackiert auch die Nachbarfarmen – so auch unsere Finca Santa Rita. Wir sind deshalb daran, eine barrera viva, eine natürliche Barriere von resistenten Hybriden am Rande der Farm zu pflanzen. Diese sind gegen Roya immun und sollen den Pilz aufhalten, ins Innere der Farm zu wandern. Bis diese Pflanzen gross sind, spritzen wir punktuell synthetische Mittel auf die Pflanzen, die von Roya befallen werden könnten.

Gleichzeitig sehen wir das Potenzial von biodynamisch produzierten Kaffee – das Potenzial für Produzenten, sowie das Potenzial auf dem Konsumentenmarkt. Wir als Rösterei setzen uns zum Ziel, diese zukunftsweisende Art der Kaffeeproduktion aktiv mitzugestalten. Wir möchten unser Sortiment mittelfristig so umstellen, dass schon bald ein beträchtlicher Teil unserer Kaffees biodynamisch produziert wird.

Faire Preise für die Kaffeeproduzenten

Auch das klingt löblich. Doch was ist fair? Ist das ein fixer Preis? Ein Preis, der nicht mit Teuerungen und Inflationen mitgeht? Für die Gebana beispielsweise ist fair kein Zustand, sondern ein Prozess, wie sie in einem Blogpost schreiben.

Wir haben hier eine ganz klare Meinung dazu:

  • Kaffee zu Börsenpreisen gekauft, deckt in den allerseltensten Fällen die Produktionskosten
  • Nur wer die reellen Kosten für die Kaffeeproduktion + Marge x bezahlt, darf diese dann als «fair» oder «gerecht» benennen
  • Das wäre dann also so, wie jedes andere Produkt auf dieser Welt auch mit Wert beziffert wird
  • Alles andere ist Augenwischerei

Wir haben für uns Kaffeemacher einen einfachen Plan in zwei Punkten verabschiedet:

  1. Bis auf Weiteres kaufen wir nur noch Kaffees, von denen wir den FOB Preis kennen
  2. Mittelfristig kaufen wir nur noch Kaffees, von denen wir den Farmgate Preis kennen

Punkt 1 hat dazu geführt, dass wir heute mit neuen Rohkaffeelieferanten zusammenarbeiten, als noch vor einem Jahr. Einige Lieferanten wollten da nicht mitmachen, was wir respektieren. Der FOB-Preis beziffert den Preis des Kaffees, wie er im Ursprungshafen bereit für den Export liegt.

Der bei Punkt 2 erwähnte Farmgate Preis beziffert den Betrag, der an die Produktionsentität bezahlt wird. Das kann eine kleine Farm, ein privates Estate oder eine Kooperative sein. In dem Farmgate Preis sollten die Produktionskosten, die Fixkosten und eine festgelegte Marge inbegriffen sein. Wir wollen versuchen, den jeweiligen Farmgate-Preis so gut wie möglich zu verstehen, denn: kein Preis ähnelt dem andern. Die Kostenstruktur für einen Kaffee aus Äthiopien mit einem Preis von 10 CHF/kg ist völlig anders, als die eines Kaffees für 10 CHF/kg aus Brasilien.

Wir setzen es uns also zum Ziel, zu verstehen, wie die individuellen Preise zu Stande kommen. Dann können wir uns erlauben, eine klare Meinung zu einem Preis zu haben. Vorher bleibt es oft nur Spekulation.

Demeter, Bio, Fair Trade und andere Labels

Wir verzichten nicht auf Labels, sehen jedoch einen grossen Mehrnutzen im Aufbau und in der Pflege einer persönlichen Beziehung zu den Kaffeeproduzenten. Das immer mehr wachsende Verständnis für die Herausforderungen und Probleme von Kaffeeproduzenten hilft uns, präzise auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen und gemeinsam kreative Lösungen zu finden.

Kaffee ist ein unheimlich sensibles Gewächs. Nicht jeder Produzent hat die Erfahrung oder den Zugang zu einem Markt, der ihm die vor allem in der Umstellungsphase risikoreiche Produktion von biologischem Kaffee erlauben würde. Wir selber glauben aber an eine Zukunft der biologischen Landwirtschaft und unterstützen gezielt Produzenten, die sich in diese Richtung entwickeln wollen.

Wir engagieren uns in Honduras an einem Projekt zu biodynamischen Kaffeeanbau und gehen damit noch weiter, als die klassische biologische Kaffeeproduktion. Auf Santa Rita machen wir keine Bio-Kaffees, versuchen aber ein Bewusstsein mit unseren Partnern für den möglichst naturnahen Anbau zu schaffen.

Biodynamischer Kaffee

Wir selbst sind Demeter- und Bio-zertifziert. Die bio-dynamischen Richtlinien der Demeter-Produktion gehen nochmals deutlich weiter, als die der biologischen Produktion. Das heisst, wer biodynamisch produzieren möchte, muss wirklich wissen, was sie oder er tut. Ein tiefes agronomisches Verständnis für den Umgang mit Boden, Pflanze und Tieren ist hier Grundbedingung.

Als Rösterei haben wir uns zum Ziel gesetzt, dass wir per 2025 mehr als 50% unseres Rohkaffee-Bedarfs mit biodynamisch produzierten Kaffees abdecken wollen.Wir sind Fans von biodynamisch produzierten Kaffees – weltweit gibt es nur gerade etwas mehr als ein Dutzend Farmen, die diesen Ansatz gewählt haben und sich mit dem Demeter-Label zertifizieren liessen. Das zeigt, wie komplex diese Art der Kaffee-Landwirtschaft ist, sich aber auf der anderen Seite einer immer grösseren Beliebtheit erfreut. In diese Richtung wollen wir uns weiterentwickeln, mit dem Ziel: #leaveoursoilbetterthanwefoundit.

Zu unsere Demeter-zertifizierte Kaffee von 18 Conejo aus Honduras.

Organic by Default

Bio-Kaffees: auch wer Bio-Kaffees produziert, muss wirklich genau wissen, was zu tun ist. Einfach nichts zu tun, die Pflanze einfach so wachsen zu lassen, ohne Eingriff – auch das ist Bio. Jedoch hilft das weder der Pflanze, die so leidet, und auch nicht den Produzenten, da die Pflanze so sicher weniger produziert und langfristig nicht überlebt.

Klingt das absurd? Geht so. Bio-Kaffees zu Supermarkt-Preisen führen oft diese Art von Kaffees im Sortiment. Man nennt diese Kaffees auch «organic by default» – also Bio-Kaffees, die Bio sind, weil an der Pflanze nichts gemacht wird. Auch das ist keine Option. Die Kaffeepflanze ist eine Kulturpflanze – wenn jemand von Kaffee leben will, muss die Pflanze gepflegt werden. So einfach. Und das kostet dann eben. Bio-Kaffees die günstig sind, sollten mit sehr grosser Vorsicht genossen werden. Wahres Bio kostet.

Zu unseren Bio-zertifizierten Kaffees.

Wie fair ist Fairtrade Kaffee?

Fair Trade-zertifizierte Kaffees garantieren einen Mindestpreis von 160 cents pro libra – das ist ein knappes Pfund, oder 0.454kg. Der Börsenrichtpreis beträgt momentan (28.7.2019: 99.85 cts/lb). Damit liegt der Fair Trade Preis deutlich höher und garantiert den Produzenten ein planbares Einkommen.

Fair Trade und in der Schweiz allen voran Max Havelaar haben es in den letzten 20 Jahren geschafft, den Fokus auf Kaffee zu legen. Viele Supermärkte, Grosskunden und Restaurants sehen sich heute in der Situation, dass sie Fair Trade-Kaffee anbieten müssen, um erfolgreich zu sein.

Einen Mindestpreis zu garantieren, schafft Fair Trade als eines der wenigen Siegel. Das ist löblich und war vor einigen Jahren massgebend. Inzwischen wurde auch vermehrt immer mehr Kritik laut.

Oft könne nur ein kleiner Teil der Produktion zu Fairtrade-Bedingungen durch den Produzenten verkauft werden. Der grösste Teil – abhängig von den Produkten – müsse auf dem freien Markt, wo es keine Fixpreise gibt, feilgeboten werden. Hier bleibt zu hoffen, dass der Anteil der Fairtrade-Konsumentenschaft grösser wird, um die ganze Produktion einzukaufen.

Dazu kommt, dass Fairtrade ausschliesslich mit Kooperativen zusammenarbeitet. Die Kritik geht dahin, dass dabei die allerärmsten Produzenten nicht erreicht werden können, da diese oft nicht Teil einer Kooperative, sondern Selbstversorger sind. Die Gebühren für die Kooperativen, Fair Trade zertifiziert zu sein, seien ebenfalls sehr hoch, sagten uns auch schon verschiedenste Kooperativen.

Man kann nun auch fragen, ob Fair Trade die Allerärmsten Produzenten erreichen muss?

Wenn die Kommunikation von Fair Trade das behauptet, dann ja. Wenn nicht, dann ist es wohl die aufgeblasene Kommunikation, die oft romantisierende Marketingleistung von Röstereien, die mit vereinfachenden und emotionalen Geschichten und Bildern von happy farmers das Bewusstsein der Konsumenten wecken, gerade etwas Gutes zu tun, wenn man nun diesen zertifizierten Kaffee kauft.

Unfaire Fairtrade Praktiken

Dazu kommt eine wohl der absurdesten Praktiken, die sich vor allem grössere Röstereien leisten: Röster X möchte 10 Container Kaffee kaufen. Er kauft 5 Container zertifizierten Kaffee zu einem höheren Preis, dem Fair Trade Preis. Weil er aber noch 5 Container mehr kauft, möchte er einen Preisabschlag auf die restlichen 5 Container – so viel, dass der Durchschnittspreis aller Container am Schluss so hoch ist, wie der Börsenpreis. Das ist kein Witz. Wir nennen keine Namen, kennen aber einige, die so einkaufen. Diese Praxis ist absurd und untergräbt die eigentliche Idee von Fair Trade. Die Kritik an Fair Trade zielt also nicht auf den Ansatz ab, sondern darauf, dass mit der Ausweitung des Konzepts immer mehr Blüten wachsen, welche die Grundidee unterminieren.

Wir selbst suchen nicht nach Fair Trade zertifizierten Kaffees für unsere eigenen Produkte, schliessen diese aber natürlich nicht aus. Immer mehr gibt es Produzenten, die doppelt-zertifiziert sind. Unser Kaffee von COOPRAM aus Peru zum Beispiel, ist gleichzeitig Bio- und Fair Trade zertifiziert.

Rohkaffee Direct Trade

Direkter Handel, oder eben Direct Trade, ist ein vages Konzept. Wenn es meint, die Wertschöpfungskette genau zu analysieren und die Akteure aus dem Spiel zu nehmen, die primär einkassieren aber dem Produkt keinen weiteren Wert mehr zufügen, und im Gegenzug dann mehr an die Produzenten zu zahlen, dann klingt das vorerst gut.

Wenn die Rahmenbedingungen gegeben sind, die Langfristigkeit einer Handelsbeziehung bei einer Ausschaltung der Mittelsmänner angestrebt ist, die Sicherheit von allen beteiligten Akteuren auch weiterhin, nach dem so oft zitierten «cutting out the middle-men» noch da ist und niemand ein allzu grosses Risiko eingeht, dann können wir alle eigentlich nur Befürworter von einem solchen Konzept sein.

Wir sehen, dass immer mehr Kaffees als direct trade ausgelobt werden, auch wenn die oben genannten, für uns relevanten, Kriterien nicht erfüllt sind.

„Direct Trade“ lenkt von den Problemen ab

Die starke Platzierung des Begriffes «direct trade» suggeriert ausserdem, dass die Verantwortung für geringe Kaffeepreise überwiegend beim Rohkaffeehändler liegt. Das ist aus unserer Sicht nicht der Fall. Die grösste Marge der Kaffeekette liegt ganz eindeutig beim Kaffeeröster, der den schwarzen Peter durch die Etikette «direct trade» gekonnt von sich wegschiebt.

Zwischenhändler, Mills und lokale Ansprechpartner machen sogar sehr oft Sinn! Deshalb verzichten wir in aller Regel auf das Wort «direkten Handel», arbeiten aber mit tiefer innerer Überzeugung nach den Kriterien, die wir oben aufgelistet haben.

Wir versuchen, so nahe wie möglich am Produkt und an den Produzenten zu sein. Wir versuchen, die Produzenten zu besuchen und gemeinsame Visionen zu formulieren. Wir kommunizieren also direkt mit den Menschen, die den Kaffee produzieren.

Statt uns «directe trade» auf die Fahne zu schreiben, setzen wir auf Transparenz bei unseren Rohkaffeepreisen. In unserem Transparenzbericht veröffentlichen wir, was wir effektiv für den Rohkaffee zahle. Unsere Ziele sind uns so wichtig wie ambitioniert: die Transparenz über die gesamte Kette, vom Farmgate-Preis bis in die Tasse immer weiter aufzuzeigen.

Nachhaltiges Unternehmertum: die Kaffeemacher GmbH

Mit der Kaffeemacher GmbH sind wir als Social Business über die ganze Kaffeewertschöpfungskette assoziativ und ausgleichend tätig. Dabei sind wir als Kaffeemacher neutral auf dem Kaffeemarkt und agieren verbindend. Wir vernetzen wischen Specialty und Commercial, zwischen Arabica und Robusta, zwischen Voll- und Halbautomaten, zwischen Barista und Produzent, etc. Die Kaffeemacher GmbH arbeitet sinn- und zweckorientiert, nicht gewinnorientiert. Sie kann im Sinne einer Self-owned Unternehmung nicht veräussert werden.

Gewinn sehen wir als Werkzeug zur Zweckerfüllung. Gewinn kann per Statut nicht privatisiert werden. Er verbleibt in der GmbH und wird im Sinne des Social Business Ansatzes über die Kaffeewertschöpfungskette reinvestiert bzw. eingesetzt. Dabei steht der Ausgleich für uns im Vordergrund, da im Anbauland des Kaffees die Margen deutlich schlechter sind als im Land des überwiegenden Konsums am Ende der Kette.

Konkret tragen wir zur Vorfinanzierung von Ernten bei, garantieren langfristige Abnahme von Rohkaffee, vernetzen zwischen Produzenten und Röstern.

Auszug aus dem Handelsregister

«Die Gesellschaft bezweckt eine assoziative Tätigkeit über die gesamte Kaffeewertschöpfungskette vom Anbau des Kaffees bis in die Tasse. Sie betreibt Forschung, Entwicklung, Beratung, Schulung, Herstellung und den Vertrieb von Kaffee, Kaffeeprodukten oder verwandten Produktbereichen. Die Gesellschaft betreibt und entwickelt kulturgastronomische Konzepte und fördert jungunternehmerische Projekte. Die Gesellschaft versteht sich als gemeinnütziges Sozialunternehmen.»

Mehr dazu in diesem Blogbeitrag.


Lernt jeden Tag mehr über Kaffee. Philipp ist Q-Arabica Grader und jurierte während mehrere Jahren Barista-Weltmeisterschaften. Er ist Gesellschafter, Teil der Geschäftsleitung und leitet die Kaffeemacher-Rösterei. Philipp mag alles, was lecker ist, und wenn er keinen Kaffee machen würde, dann wäre es wohl Wein.

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