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    Lelit Mara X3 im Test 2026: Flow Control für 1.699 Euro

    Lelit Mara X3 im Test 2026: Flow Control für 1.699 Euro

    Als die Lelit Mara X auf den Markt kam, setzte sie Ausrufezeichen. Die Maschine vereinte auf interessante Weise das klassische Zweikreiser-Konzept mit Funktionen, die über den Tellerand reichten. Mit der Mara X3 und ihrer Fliessgeschwindigkeitskontrolle knüpft Lelit daran an. Nach Jahren ohne grosse Innovationen aus dem Hause Lelit haben wir bei Kaffee-Messen regelmässig Witze darüber gemacht, dass wieder eine neue Lackierung oder Farbe als Innovation präsentiert wurde. Nun knüpft das Unternehmen an seinen Innovationsgeist an.

    Mit der Mara X3 liefert Lelit einen Flusskontroll-Hebel, der echtes Flow Profiling in die bewährte Zweikreiser-Architektur bringt. Wir haben die Maschine gekauft und getestet. In diesem Testartikel und unseren Videos erfahrt ihr, ob das Pagaia-Hebelchen die 500 Euro Aufpreis zur Vorgängerin rechtfertigt.

    Wir bewerten die Lelit Mara X3 mit 50,2 von 100 Punkten, Qualitätsklasse Gut / Standard. Alle Einzelnoten zeigen wir am Ende des Artikels in der ausführlichen Bewertung.

    Design & Verarbeitung: Holz, Lack und eine ehrliche Schwäche

    Die Mara X3 kommt in dieser Version mit einem lackierten Gehäuse, und das ist kein Detail am Rande. Die Lackierung nimmt scharfe Kanten, gibt der Aussenwand eine gewisse Steifigkeit und lässt die Maschine hochwertiger wirken als ihre Rohblech-Geschwister. Trotzdem bleibt eine Ehrlichkeit geboten: Wenn man die Tropfschale abnimmt, merkt man, dass das Blech dünn ist. Verbiegen ohne weiteres möglich. Das lässt sich auch stabiler lösen.

    Was wirklich Freude macht, ist der Siebträger. Der klassische Lelit-Siebträger mit dem Kaffeeauslauf-Design, der den Espresso offen nach vorne laufen lässt, ist schlicht ein schönes Stück Handwerk, für Videos sowieso perfekt. Und dann natürlich das Hebelchen selbst: die Pagaia. Sie sitzt links an der Maschine, fühlt sich gut an und ist präziser bedienbar, als sie auf den ersten Blick aussieht.

    Der Wassertank ist nur von oben entnehmbar, das solltet ihr bei der Küchenplanung im Kopf behalten. Die Masse der Maschine: 22 cm Breite, 35,3 cm Höhe, 40,5 cm Tiefe ohne Stecker. Mit Pagaia und Kabel kommt ihr auf rund 26 cm Breite und 47 cm Tiefe, was für eine normale 60-cm-Arbeitsfläche gut passt. Das Gewicht liegt bei 18,3 kg.

    Wertigkeit: 7,6

    Technik & Aufheizzeit: 24 Minuten Geduld, bitte

    Technisch ist die Mara X3 ein klassischer Zweikreiser mit einem 1,8-Liter-Boiler und 1.800 Watt Heizleistung. Die E61-Brühgruppe wird über ein Thermosiphon-Prinzip permanent mit warmem Wasser versorgt. Einen PID gibt es nicht im eigentlichen Sinne. Stattdessen schaltet der Drehschalter an der Seite zwischen drei Temperaturstufen: Warm (88 °C), Hot (92 °C) und Extra Hot (96 °C). Kein Offset, keine Feinjustierung, und die Richtwerte gelten auch nur einigermassen, wenn ihr nur einen Bezug macht. Denn nach dem ersten Bezug geht es bergab. Aber dazu gleich mehr.

    Was es stattdessen gibt: einen patentierten Xmode-Schalter, der zwischen Brühpriorität und Dampfpriorität wählt. Im Brühpriorität-Modus überhitzt die Maschine nach Standzeiten nicht. Das ist ein echter Vorteil gegenüber klassischen Zweikreisern mit Faema E61 Brühgruppe, die nach längeren Pausen zu heiss werden. Im Alltag bedeutet das: einschalten, warten, direkt brühen, ohne Cooling-Flush davor.

    Wie lange warten? Wir haben die Aufheizzeit genau protokolliert und immer wieder neu gemessen. Es braucht 24 Minuten, um die Maschine wirklich auf Temperatur zu bringen. Das ist klassisches Zweikreiser-Niveau. Wer morgens schnell einen Kaffee braucht, sollte einen Strom-Timer nutzen oder direkt zu anderen Heiztechnologien wie Dickfilmheizern wechseln.

    Beim Stromverbrauch braucht die Mara X3 für das Aufheizen plus einen Espresso 0,266 kWh. Das landet klar im Bereich "Hoch", auf Augenhöhe mit anderen E61-Maschinen dieser Klasse. Tagsüber anlassen und vergessen wäre Stromverschwendung. Morgens einschalten, Espresso brühen, ausschalten, fertig.

    Temperatur: 5,4 | Aufheizzeit: 4,0 | Stromverbrauch: 4,0

    Espresso-Qualität: Gut, wenn ihr ihr Zeit lasst

    Hier wird es spannend und komplex. Wir messen die Brühtemperatur mit dem Scace 2 direkt im Siebträger, nach unserem KM-Protokoll mit fünf Bezügen im Minuten-Takt. Das Ergebnis ist klar:

    Bezug Mittelwert
    1 94,8 °C
    2 92,1 °C
    3 89,7 °C
    4 88,1 °C
    5 86,7 °C

    Das ist die typische Zweikreiser-Charakteristik: Der erste Shot kommt mit guter Temperatur raus. Der zweite ist noch okay. Ab dem dritten wird es kalt, das merkst du auch in der Tasse. Im WBC-Stresstest mit 14 Bezügen lagen wir bei einem Temperaturfenster von 7 °C, was wir im Test klar als Versagen werten. Catering oder Gastro sind mit dieser Maschine schlicht kein Thema.

    Ihr könnt diesen starken Abfall kontrollieren, wenn ihr zwischen den Bezügen der Maschine zwei bis drei Minuten Zeit gebt. Dann ist der Abfall deutlich weniger gravierend. Hier unterscheidet sich die Lelit Mara X3 nicht von ihrer Schwester-Maschine ohne Pagaia-Hebel.

    Die Pagaia ist die einzige, aber massive Neuerung der X3. Der Flow-Control-Hebel steuert elektronisch die Pumpenleistung in Echtzeit. Beim vollständig geöffneten Hebel fliessen rund 6 ml/s durch die Brühgruppe. In der "10-Uhr-Position" des Hebels kommt ihr auf etwa 3,5 ml/s, was eine sinnvolle Startposition für die Vorbenetzung des Kaffeekuchens ist.

    Wir haben das wieder und wieder getestet und hatten Freude mit der Steuerung. Unser Toca-Espresso aus Mexiko brachte seine komplette Eigenheit in die Tasse. So haben wir ihn gebrüht: reduzierter Fluss am Anfang, dann auf volle Leistung, insgesamt rund 40 Gramm in knapp 30 Sekunden. Das Ergebnis war karamellig, cremig, mit einer feinen Orangenzeste und langem Nachgeschmack. Wirklich gut.

    Aber: Das ist nicht automatisch reproduzierbar. Ihr brüht manuell. Ihr müsst ein Gefühl dafür entwickeln, wann der Puck vollständig benetzt ist und wann ihr hochdreht. Das macht Spass, wenn ihr Bock auf dieses Spiel habt. Ihr könnt natürlich auch den Hebel auf vollen Durchfluss stellen und klassisch brühen, wie mit jedem anderen Zweikreiser.

    Die sensorische Bewertung durch unser Panel: Das technische Potenzial wird vollständig umgesetzt, wenn die Maschine in die richtige Temperaturzone gebracht wird. Panel-Bewertung 2/2 Punkte.

    Espressopotential: 5,5

    Milchschaum & Dampf: Angenehm, aber kein Kraftpaket

    Die Dampflanze ist multidirektional, Anti-Burn und mit Drehventil ausgestattet. Zu Beginn gibt die Dampflanze ca. 5 ml Kondenswasser vor dem eigentlichen Schäumen ab. Das ist wenig und angenehm. 300 ml Milch von 8 °C auf 60 °C zu erhitzen braucht 48 Sekunden, was in die Kategorie "akzeptabel" fällt. Der Kannenwinkel beim Schäumen liegt bei rund 30 Grad, was eine solide Dampfleistung ausdrückt.

    Was die Maschine wirklich kann: eine schöne Rollphase aufbauen. Die Erhitzung ist langsam genug, dass man die Luft kontrolliert einarbeiten kann, ideal für alle, die gerade mit dem Schäumen anfangen. Wer regelmässig schäumt, braucht Zeit zwischen den Kännchen, da der Druck nach mehreren Durchgängen abfällt.

    Der Steam Boost Modus, der nach jedem Bezug automatisch den Dampfdruck auf über 1,2 bar anhebt, ist praktisch, wenn man direkt nach dem Espresso Milch aufschäumt. Zu beachten ist aber, dass wir mit der Brühtemperatur automatisch über das Temperatur-Ziel von rund 93 Grad hinausschiessen.

    Schäumqualität: 7,0

    Workflow & Bedienung: Intuitiv, aber mit blinden Flecken

    Die Mara X3 ist eine Maschine ohne Volumetrik, wie fast alle Espressomaschinen mit Faema E61 Brühgruppe. Ihr startet den Bezug mit dem Hebel, ihr stoppt ihn selbst. Wer das kennt, macht das per Waage oder per Augenmass und Stoppuhr. Funktioniert zumindest mit einer Waage und einem kleinen Timer gut. Wer aus der Welt der Vollautomaten oder volumengesteuerten Maschinen kommt, muss sich umgewöhnen.

    Die Tropfschale fasst 700 ml, ist leicht entnehmbar und gut dimensioniert. Der Siebträger rastet leichtgängig ein. Der Wassertank lässt sich durch die oben angebrachten Griffe bequem herausnehmen, allerdings nur von oben. Plant eure Unterbauküchengestaltung entsprechend.

    Hinweis zum Wasserfilter

    Der mitgelieferte Filter ist ein Entsalzungsfilter, keine Entkarbonisierung. Er schützt eure Maschine vor Kalk, macht aber euren Kaffee schlechter. Aus unserer Sicht ein Unding, dass Lelit immer noch die Filterhalterung für diese Filter mitliefert. Leider sind andere Steckfilter nicht einfach kompatibel mit dem Lelit System. Es bleibt euch also nichts anderes übrig, als separat zu filtern oder Flaschenwasser zu verwenden.

    Bedienbarkeit: 7,0

    Zubehör: Das beste Paket im Segment

    Beim Zubehör punktet Lelit mit 8,5 von 10 Punkten. Der mitgelieferte Tamper ist passgenau und schliesst bündig ab, was in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit ist. Die Siebe sind in Zusammenarbeit mit IMS gefertigt und solide verarbeitet. Dazu kommen ein Einzel- und Doppelsieb sowie ein Blindsieb und ein Reinigungskit für den ersten Start. Dank der Siebträger-Geometrie könnt ihr das Einzelsieb im Zweier-Siebträger verwenden und dennoch in eine kleine Espressotasse brühen. Die Ausläufe sind so nah zusammen, dass das passt. Das einzige, was fehlt, ist ein bodenloser Siebträger. Sonst top.

    Zubehör: 8,5

    Lautstärke

    64,2 dB(A) bei der Messung im Studio, 20 cm Abstand auf Höhe der Brühgruppe. Das ist durchschnittliches Vibrationspumpen-Niveau. Nicht störend, aber auch nicht flüsterleise. Wer mit der Pagaia brüht und den Fluss am Anfang reduziert, hört die Pumpe auf unter 50 dB zurückgehen, ein schönes mechanisches Feedback beim Brühen.

    Lautstärke: 5,0

    Kompatibilität mit Kaffeemacher-Zubehör

    Die Mara X3 arbeitet mit einem klassischen 58-mm-Siebträger an der Faema E61-Brühgruppe. Unser KM Profi-Sieb und der KM Doppelauslauf-Siebträger passen an diese Maschine. Unser KM Tamper ist für 58-mm-Siebträger ausgelegt und passt ebenfalls, wobei ihr mit dem Lelit Tamper bereits gut ausgestattet seid. Unser neuer Drucktamper könnte aber für euch interessant sein. Da kein bodenloser Siebträger im Lieferumfang enthalten ist, empfehlen wir unseren bodenlosen 58-mm-Siebträger. Gerade wer den Espresso mit der Pagaia profiliert, profitiert von der visuellen Kontrolle.

    Bewertung im Überblick

    Lelit Mara X3

    Testbericht Zusammenfassung. Protokoll v2.3
    50,2
    Gesamturteil
    Gut / Standard
    Score
    0 - 100
    Espresso

    5,5
    x3
    Temperatur

    5,4
    x2
    Volumetrik

    0,0
    x2
    Schäumqualität

    7,0
    x2
    Wertigkeit

    7,6
    x2
    Bedienbarkeit

    7,0
    x2
    Aufheizzeit

    4,0
    x2
    Stromverbrauch

    4,0
    x2
    Preis/Leistung

    4,1
    x1
    Lautstärke

    5,0
    x1
    Zubehör

    8,5
    x1
    Catering Pot.

    1,3
    x1

    Skala je Kategorie 0 – 10, gewichtet zu einem Gesamtscore von 0 – 100. Wie wir bewerten und woher die Faktoren kommen, steht im Testprotokoll v2.3.

    Technische Daten im Überblick

    Eigenschaft Wert
    Preis 1.699 EUR / 1.699 CHF (UVP, Stand März 2026)
    Boiler-Typ Heat Exchanger (Zweikreiser)
    Boiler-Grösse 1,8 Liter
    Heizleistung 1.800 Watt
    Aufheizzeit 24 Minuten
    Stromverbrauch 0,266 kWh (Espresso-Modus)
    Brühtemperatur 94,8 °C (Bezug 1), fallend auf 86,7 °C (Bezug 5)
    Pumpendruck 9 bis 10,5 bar (Vibrationspumpe)
    Max. Durchfluss 6 ml/s
    Wassertank 2,5 Liter (Entnahme von oben)
    Tropfschale 700 ml
    Gewicht 18,3 kg
    Masse (B × H × T) 22 × 35,3 × 40,5 cm (ohne Stecker)
    Tiefe mit Stecker 47 cm
    Breite mit Pagaia 26 cm
    Siebträger-Durchmesser 58 mm
    Abstand Siebträger/Tropfschale 11,5 cm
    Lautstärke 64,2 dB(A)
    Festwasseranschluss Nein
    Eco-Modus Ja (Standby nach 30 Minuten)
    Besonderheiten Pagaia (Flow Control), Xmode (Brüh-/Dampfpriorität), 3 Temperaturstufen

    Fazit

    Die Lelit Mara X3 erreicht in unserem Test 50,2 von 100 Punkten, Qualitätsklasse Gut / Standard. Das klingt nach Mittelmass, beschreibt aber eine Maschine mit einer sehr klaren Stärke-Schwäche-Verteilung, die für die richtige Person grossartig ist.

    Stärken: Das Zubehörpaket gehört zum Besten im Segment. Die Verarbeitung ist solide und die Lackierung macht den Unterschied. Die Pagaia ist kein Gimmick, sie eröffnet echte Profilierungsmöglichkeiten und macht das Brühen zu einem handwerklichen Erlebnis. Der Dampf-Workflow mit Anti-Burn-Lanze und gutem Rollphase-Verhalten ist angenehm.

    Schwächen: Die Aufheizzeit von 24 Minuten ist lang. Der Stromverbrauch ist hoch. Die Temperatur fällt bei mehreren Bezügen schnell und stark ab. Drei Espressi hintereinander, und der dritte ist zu kalt. Wie so oft bei Faema-Setups gibt es keine Volumetrik und leider fehlt auch ein Shot-Timer.

    Für wen ist die Mara X3? Für jemanden, der eine Zweikreiser-Maschine will, Geduld beim Aufheizen mitbringt und sich für Flow Profiling interessiert. Wer die manuelle Eingriffsmöglichkeit liebt, langsam brühen möchte und gerne mit der Maschine direkt kommuniziert, bekommt für 1.699 Euro etwas, das es in dieser Kombination aus Preis und Flow-Control-Funktion nicht noch einmal gibt.

    Wer Volumetrik braucht, schnell den ersten Espresso brühen möchte oder regelmässig für mehrere Personen brüht: lieber woanders schauen. Vielleicht vier bis fünf Monate mehr sparen und zur Lelit Bianca greifen. Die hat den abgespeicherten Low-Flow-Modus, ist in 17 Minuten heiss und bringt als Dualboiler die Temperaturkonstanz mit, die der Mara X3 fehlt.

    Die Preis-Leistungs-Note liegt bei 4,1. Die Maschine ist nicht günstig für das, was sie technisch liefert. Aber das Hebelchen, das Zubehör und der Spass beim Brühen machen sie für die richtige Person trotzdem interessant.

    Anhang: WBC-Protokoll

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