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    La Marzocco Linea Mini-R im Test

    La Marzocco Linea Mini-R im Test

    Nicht neu, aber mit vielen Überarbeitungen stellt sich die neue La Marzocco Linea Mini-R vor. Sie ist nicht nur ein Update der bisherigen Linea Mini, sondern löst diese ab. Wir hatten die Gelegenheit, die Linea Mini-R bereits vor dem internationalen Marktstart zu testen. Wie immer haben wir auch diese Maschine gekauft und halten mit unserer Meinung nicht zurück.

    La Marzocco weiss das und lässt sich dennoch darauf ein, ohne Einfluss auf das Ergebnis unseres Tests zu haben. Manchmal ist das Feedback positiv, wie z.B. bei der Linea Micra. Manchmal durchwachsen oder eher negativ, wie bei der La Marzocco Pico.

    Wir schätzen es, dass La Marzocco uns zum Testen einer Maschine vor dem Marktstart informiert. So wisst ihr von Anfang, was wir über die Maschine denken. Und für uns ist es eine Ehre, weltweit zu den ersten zu gehören, die eine Maschine testen.

    Was hat sich bei der La Marzocco Mini R geändert?

    La Marzocco bleibt sich mit der Linea Mini-R treu. Die Maschine knüpft an die Stärken der alten Maschine an und überarbeitet einige Funktionen und vor allem das Design.

    • Shottimer: Die Maschine hat nun eine Anzeige der Bezugslänge, die sich in der Front über dem Paddle befindet.
    • Die Haptik und das Design von Paddle und Drehknöpfen wurden überarbeitet. Diese sind nun matt schwarz, was hochwertiger wirkt und sich auch besser anfühlt.
    • Die Metallplatte hinter der Brühgruppe an der Front ist in der Farbe der gesamten Maschine. Das sieht viel stimmiger aus, passt zur Einheit der Maschine und musste bisher als individualisierte Arbeit zusätzlich von anderen Anbietern gekauft werden.
    • Die Maschine ist dafür vorbereitet, um mit der La Marzocco Acaia Waage verbunden zu werden und darüber Brew-by-Weight anzubieten.
    • Der Druck der Rotationspumpe lässt sich nun von oben mit einem Schraubenzieher verstellen. Die Verstellung ist in die Tassenablage integriert.
    • Komplett überarbeitete Vorbrühungsfunktion, auch ohne Festwasseranschluss. Genauer beschrieben unten im Artikel.
    • Modifizierbarer Siebträger mit Plastik-Ausläufen, wie gesehen und diskutiert bei der Micra.
    • Überarbeitete App und Funktionalität ohne Internet bzw. Wifi-Verbindung, wenn einmal mit App-kalibriert.
    • Das Temperaturrad an der Seite ist verschwunden.

    Und sonst? Die Linea Mini bleibt die Linea Mini. Die wesentlichen Änderungen im Inneren sind die Vorbrühung, einige Veränderungen im Bereich der Pumpe und damit verbunden eine Lautstärkenreduzierung. Die Entnahme der Tropfschale und des Wassertanks wurde ebenfalls überarbeitet, angelehnt an die Funktion bei der Micra, und geht nun einfacher von der Hand.

    La Marzocco Linea Mini-R kaufen

    Folgende Fachgeschäfte vertreiben die La Marzocco Linea Mini-R und wir können den Kauf bei diesen Betrieben empfehlen. Alle bieten die Möglichkeit an, das Offset der Maschine nachzustellen.

    Hinweis: Bei den Links handelt es sich um sogenannte Provisionslinks. Wenn ihr über einen dieser Links bestellt, zahlt ihr keinen Cent mehr – wir erhalten jedoch eine kleine Provision, die wir direkt in neues Test-Equipment investieren.

    Für wen eignet sich die Mini R?

    Die Linea Micra hat die Logik des eingruppigen Maschinensortiments verschoben. War früher die Linea Mini die Einstiegsespressomaschine aus dem Hause La Marzocco, präsentierte sich nun in der Micra eine echte La Marzocco für deutlich weniger Geld und doch mit einem guten Preis-Leistungspaket.

    Die Micra heizt schnell hoch, hat einen verhältnismässig niedrigen Energieverbrauch und alles, um guten Espresso und Milchschaum zu liefern. Neben dem geringeren Preis von unter 3.500 € unterscheidet sie von der Linea Mini, dass sie deutlich weniger PS unter der Haube hat.

    Für den qualitätsbewussten Home Barista ist die Micra ein dankbarer Einstieg in die Welt der La Marzocco-Espressomaschinen. Die Linea Mini, mit einem Preis von über 5.000 €, steckte plötzlich im argumentativen Vakuum. Für wen ist diese Maschine eigentlich die passende?

    Denn wer wirklich Leistung und Performance auf einer eingruppigen Espressomaschine wünscht, griff oft tiefer in die Tasche und investierte noch einmal 1.500 Euro mehr, um eine La Marzocco GS3 sein eigen zu nennen. Spätestens mit dieser Maschine ist der Home Barista dann im Bereich der Gastro-Qualität Zuhause angekommen.

    Die Einführung der Acaia-Waagen-Integration öffnete für die Linea Mini eine deutliche Abgrenzung zur Micra (die deshalb auch nie offiziell mit Waage nachrüstbar sein wird). Mit der Anbindung der Waage brüht die Linea Mini via Gewichtserkennung. Diese Funktion wurde im vergangenen Jahr präsentiert und war bereits als Upgrade für die bisherige Mini verfügbar. Mit der Mini-R ist die Anbindung nicht nur nativ, sondern verbessert.

    Wie stellt sich nun die Positionierung auf dem Markt dar?

    Die Linea Mini-R will heute nicht nur die Espressomaschine für den Home Barista sein, sondern mit der integrierten Waage auch als eingruppige Espressomaschine in der Gastronomie performen. In vielen kleineren Specialty Coffee Shops, insbesondere im asiatischen Raum, ist das ein verbreiteter Use-Case der Mini.

    In unserem Test haben wir deshalb ausführlich geprüft, ob die Mini-R diesen Anspruch erfüllen kann:

    • Ist sie ausserdem, insbesondere auch mit der überarbeiteten Vorbrühung, die perfekte Espressomaschine, um anspruchsvollen, hell gerösteten Specialty-Espresso zu brühen?
    • Und nicht zuletzt: Ist La Marzocco auch mit der Mini-R nun in einer Zeit angekommen, in der geringerer Energieverbrauch für viele Home Baristas eine immer grössere Rolle spielt?
    Seitenansicht La Marzocco Linea Mini R
    Seitenansicht der neuen La Marzocco Linea Mini-R im Test.

    Espresso-Performance und Temperatur-Konstanz

    Die Qualität von Espresso ist das, woran sich jede Espressomaschine messen lassen muss. Die wichtigsten Kriterien dafür sind Temperaturkonstanz (auch über mehrere Shots), eine gut umgesetzte Druckperformance sowie die einfache Einstellbarkeit des Drucks. Weitere Kriterien sind ausserdem die mitgelieferten Siebe sowie eine gleichmässige Verteilung des Brühwassers.

    Temperatur und Aufheizzeit mit Dampfboiler

    Beginnen wir mit der Temperaturkonstanz und Bereitschaft. Beeindruckend ist, wie schnell die La Marzocco Linea Mini-R auf Temperatur ist. Der Test der Temperaturbereitschaft dauert bei uns jeweils mehrere Tage, da wir die Maschine zwischen jedem Messzyklus komplett abkühlen lassen und erst am nächsten Tag erneut prüfen, ob auch ein schnelleres Aufheizen möglich ist. Bei der Linea Mini-R konnten wir eine Aufheizzeit von 10 Minuten ermitteln. Wir empfehlen, nach 10 Minuten den Siebträger 20 Sekunden zu spülen, um auch diesen gut durchzuwärmen. Der Brühboiler signalisiert bereits nach 8 Minuten Bereitschaft. Zwei weitere Minuten zu warten empfiehlt sich jedoch.

    Nach 10 Minuten wurde das KM-Temperatur-Protokoll und anschliessend das WBC Protokoll durchgemessen. Beim KM-Temperatur-Protokoll werden fünf Bezüge im Abstand von einer Minute direkt nach dem Aufheizen bezogen. Beim WBC-Protokoll werden nach einer Stunde Stehzeit bei laufender Maschine 14 Bezüge gemessen. Dabei wird die „Idle“-Zeit (also die Zeit zwischen den Bezügen) immer mehr verkürzt. Trotz des kleinen Boilers zeigte die LM Mini-R mit einer Standardabweichung von 0,74 respektive 0,76 Grad beim KM-Protokoll ein sehr gutes Ergebnis bei angeschaltetem Dampfboiler.

    Das WBC-Protokoll weist eine Frequenz auf, welche die höchstmögliche Espresso-Performance in einem Café simuliert. Schneller arbeiten geht mit einer eingruppigen Maschine nicht. Jedenfalls in Sachen Temperaturkonstanz ist die La Marzocco Mini-R damit für jegliches Massen-Abfertigungsszenario geeignet.

    La Marzocco Linea Mini-R Brühgruppe im Detail

    Druck und Espressoqualität

    Gleiches lässt sich auch für die Druckkonstanz sagen. Die Maschine zeigte über alle Bezüge keine nennenswerten Auffälligkeiten. Das zeigte sich in unserem Test in sehr guten Espressobezügen, die keine Wünsche offen liessen. Wir haben unterschiedliche Espressi gebrüht, verschiedene Rezepte getestet und konnten durch den Einsatz einer guten Espressomühle sowie einer sorgfältigen Puckvorbereitung sehr gute Espresso-Resultate erzielen.

    Dank des relativ kleinen Brühboilers, der direkt über der Brühgruppe sitzt, ist auch eine recht zügige Verstellung der Brühtemperatur möglich. Dazu wird die Temperatur über die App umgestellt. Es sollten rund 20 Sekunden Wasser zur Stabilisierung der Temperatur bezogen werden, um anschliessend mit veränderter Temperatur zu brühen.

    Dampfboiler aus verursacht Probleme

    Um es ganz deutlich zu machen: Die Funktion, den Dampfboiler zu deaktivieren, erweist sich bei unseren Tests als unbrauchbar. Wir weisen darauf so klar hin, weil die Option in der App besteht. Ja, die Linea Mini-R kann im Prinzip nur mit Brühboiler betrieben werden. Wir haben jedoch die Zieltemperatur weder nach 10 noch nach 20 Minuten erreicht. Tatsächlich mussten wir die Temperatur 3 Grad höher einstellen, um überhaupt auf Brühtemperatur zu kommen. Diese war dann allerdings keinesfalls vergleichbar konstant wie die Temperatur des Brühwassers bei eingeschaltetem Dampfboiler. Sowohl bei 93 als auch bei 96 Grad brach die Temperatur im Bezug deutlich ein.

    Temperaturverlauf LM Mini R ohne Dampfboiler bei 93 °C
    Temperaturverlauf ohne Dampfboiler bei eingestellten 93 °C: Die Temperatur bricht während des Bezugs spürbar ein.

    Schäumen bis der Arzt kommt

    Während der Brühboiler mit nur 200 ml eine überraschend konstante Brühtemperatur hinlegt und zeigt, dass La Marzocco smart kann, ist der Dampfboiler eher der Ausweis von Kraft und anachronistischer Haltung.

    Ja, die Maschine liefert 1,9 Bar und der Dampf ballert nur so aus der Lanze. Wir sind eigentlich grosse Freunde von viel Druck und stellen Dampfboiler auf die höchstmögliche Stufe. Bei der La Marzocco Mini-R ist Stufe 3 selbst für Barista-Profi Michel Indelicato fast zu kraftvoll. Wenige Sekunden reichen, um die Milch zu erwärmen und zu rollen.

    In Basel messen wir die Dampfpower-Leistung daran, ob eine Maschine den „heisse Schocki“-Ansprüchen an der Fasnacht standhalten würde. Und was soll ich sagen? Gebt mir eine Mini-R und setzt mich mitten im Cortège ab: Ich werde liefern!

    Warum anachronistisch?

    Wir haben gute Dampfperformance auch schon bei Maschinen mit deutlich kleineren Boilern und vor allem mit weniger Energieverbrauch gesehen. Die La Marzocco Linea Mini-R reiht sich in den Kreis der Stromfresser-Maschinen ein. Mit einem Stromverbrauch von 0,38 kWh auf 5 doppelte Bezüge inkl. Aufheizen gehört sie zu den schlechteren Espressomaschinen in Sachen Energieverbrauch. Deutlich besser wird es nur, wenn wir den Dampfboiler auslassen (0,13 kWh). Wegen der oben benannten Performance-Schwierigkeiten kann dieser gute Wert allerdings kaum als Massstab herangezogen werden. Der Maschine fehlen eben die entscheidenden drei Grad Temperatur, um unseren Anspruch an eine aufgeheizte Maschine zu erfüllen.

    Leistungsmessung La Marzocco Linea Mini-R
    Stromverbrauch und Leistungsmessung der La Marzocco Linea Mini-R im Diagramm.

    Design und Wertigkeit

    „Endlich“, möchte man rufen. Mit dem unteren Frontblech ist nun die gesamte Maschine im Stile der Farbvariante gestaltet. Was Drittanbieter bisher nachrüsten mussten, ist nun Teil der Maschine. Und auch das überarbeitete Paddle sowie die Drehgriffe von Milchlanze und Wasserbezug sind nicht nur optisch stimmig, sondern vermitteln echte Wertigkeit.

    Mich hat bei früheren La Marzocco Linea Minis immer die glänzende Optik der Bedienelemente gestört. Diese fühlten sich etwas billig und kalt an. Die matte Optik und leicht raue Haptik vermitteln einen sehr angenehmen Touch.

    Der Wassertank und die Tropfschale lassen sich nun einfach entfernen und behalten das grosse Fassungsvermögen. Die Tropfschale hat einen Schwimmer auf der Platte, den wir von der Micra kennen. Dadurch lässt sich gut sehen, ob die Zeit zum Leeren gekommen ist. Allerdings ist die Tropfschale der LM Mini-R so gross, dass kaum jemand so lange warten wird, bis diese voll ist. Bevor das passiert, wird sie mit ihrem enormen Fassungsvermögen eher zum Biotop.

    Die nun verwendeten Edelstahl-Durchflussregler im Vorbrühbereich der Maschine sind ein willkommenes Update und versprechen weniger Verkalkung im Inneren der Maschine.

    Und dann ist da noch der Shottimer, der nun an der Maschine die Dauer des Espressobezugs anzeigt. La Marzocco hat – endlich – auf die Community reagiert und eine schöne Anzeige der Bezugszeit geschaffen. Die Optik ähnelt der Zifferndarstellung der La Marzocco Pico. Sie ist einfach, reduziert auf das Nötigste und fügt sich mit ihrer zurückhaltenden Anzeige gut in das Gesamtbild ein.

    Modularer Siebträger der Linea Mini-R
    Der neue modulare Siebträger der La Marzocco Linea Mini-R.

    Modularer Siebträger

    Kommen wir aber zum Elefanten im Raum: der Siebträger. Was bei der La Marzocco Micra mit ihrer extrem kurzen Aufheizzeit und guten Energieperformance eine stimmige Ergänzung des Konzeptes war, wirkt an der Linea Mini-R eher wie ein Fremdkörper. Grund dafür ist auch, dass das Plastik des 1er- und 2er-Auslaufs optisch dem Plastik der früheren Bedienelemente ähnelt: Es ist glänzend, während die Maschine nun komplett auf Matt als Designelement setzt.

    Für alle, die den Siebträger früher und heute nicht kennen: La Marzocco hat bislang mit der Linea Mini zwei hochwertige Edelstahl-Siebträger ausgeliefert (einen für 1er-Bezüge, einen für 2er-Bezüge). Stattdessen gibt es nun den Micra-Siebträger, der an Material spart, zwei Plastik-Drehaufsätze im Gepäck hat sowie ohne Aufsatz als bodenloser Siebträger genutzt werden kann. Letzteres ist smart. Im Prinzip ist es auch smart, dass der Siebträger weniger lange aufheizen muss, weil weniger Material verwendet wird und das Plastik kaum leitfähig ist – es geht also wenig Temperatur an den Plastikauslauf verloren.

    Die Linea Mini-R mit ihrem Anspruch, auch in gastronomischen Setups eine Rolle zu spielen, wirkt mit dem modularen Siebträger jedoch falsch bestückt. Das machen auch die guten und ebenfalls im Lieferumfang enthaltenen 14g-, 17g- und 21g-Siebe sowie Einportions-Siebe nicht besser. Wenn ich wirklich viele Shots ziehen muss, will ich nicht auf dem Plastikaufsatz tampern, sondern einen kraftvollen und belastbaren Edelstahl-Siebträger wie früher nutzen.

    Für Zuhause ist der modulare Siebträger auch bei der Mini-R eine nette Sache. Selbstverständlich kann der Edelstahl-Siebträger zugekauft werden – womit wir beim Zubehör angekommen sind.

    Eine Acaia-Waage verändert die Mini

    Das wichtigste und beste Upgrade für die Mini ist die von Acaia für La Marzocco adaptierte Bluetooth-Waage. Die Waage ist eine so zentrale Ergänzung der Mini, dass sie eigentlich ein fester Bestandteil des Paketes sein sollte. Denn selbst wer heute schon eine Acaia-Waage besitzt, wird eine neue brauchen, um den Funktionsumfang der Mini-R zu nutzen (da nur die LM-Acaia-Waage in die App und Maschine integriert werden kann).

    Die Waage wird über Bluetooth mit der App und dadurch mit der Espressomaschine verbunden. Das Verbinden klappt problemlos – wenn es keine Störungen gibt. Bei uns funktionierte es am ersten Tag zuverlässig, am zweiten zickte die App und brach beim Verbinden immer wieder ab, und am dritten Tag war die Performance wieder gut.

    Wenn die Waage verbunden ist, kann über die App die Zielmenge als Gewichtswert eingegeben werden. Sehr gut: Die Waage kommuniziert auch mit der Maschine, wenn die App gar nicht aktiv ist. Die letzte gewählte Gewichtseinstellung wird bei Bedienen des Paddles erneut abgerufen.

    Wird eine neue Waage frisch verbunden oder wechselt man auf eine komplett andere Bohne, zeigt die Waagen-Steuerung zunächst grössere Schwankungen. Nach einigen Bezügen pendelt sich das System jedoch gut ein und liefert die Menge in der Tasse mit einer Genauigkeit von ca. 0,5 Gramm Abweichung. Das ist eine sehr hohe Präzision.

    Kritik an der Einbindung der Waage

    Die Integration einer Waage in den Ablauf der Linea Mini ist für mich dennoch nur halb überzeugend. Im Prinzip gefällt mir die Idee. Im Vergleich zu einer guten Volumetrik überzeugt sie mich an der Linea Mini-R jedoch nicht vollständig:

    • Die Grammatur lässt sich nur über die App verändern und nicht direkt an der Maschine. Bei der GS3 drücke ich einfach den 1er- oder 2er-Knopf, um eine andere Volumetrik anzuwählen.
    • Die Genauigkeit der Waage ist der Volumetrik (zumindest bei unserer Pre-Release-Firmware) nicht überlegen.
    • Der Arbeitsablauf mit der Waage erfordert zusätzliche Handgriffe: Zwar tariert die Waage schnell und präzise nach dem Aufstellen der Tassen, doch muss die Waage erst richtig positioniert werden.

    Das Drip-Tray und der Spül-Ablauf

    Das Waagen-Drip-Tray hat eine eingelassene Vertiefung für die Waage. Und ganz ehrlich: Wir würden es niemals kaufen! Während das Arbeiten mit einer Waage auf dem normalen Abtropfgitter vertraut ist, fühlt sich das Herausfischen der Waage aus der Einlassung wie Fingerakrobatik an. Auf dem normalen Tropfblech schieben wir die Waage mit oder ohne Tassen einfach nach links oder rechts. Fertig.

    Ja, sowohl La Marzocco als auch Acaia bestätigen, dass die Waage das heisse Wasser beim Spülen aushält. Aber wir bringen es schlicht nicht übers Herz, 90 Grad heisses Wasser über eine 400-Euro-Waage zu spülen. Das fühlt sich falsch an!

    Hier verpasst La Marzocco mit der Mini-R eine grosse Chance: die Waage direkt in die Aufhängung der Tropfschale zu integrieren – so wie wir es von Grind-by-Weight-Mühlen oder Espressomaschinen mit fest integrierter Waage kennen. Das Waagen-Drip-Tray und die Bluetooth-Waage wirken auch bei der Mini-R nachträglich ergänzt.

    Der Gastroablauf mit der Waage

    Eine gute Volumetrik bzw. Brühmengenprogrammierung ist für mich in der Gastronomie die Voraussetzung, damit eine Espressomaschine Sinn macht. Deshalb habe ich aus dem Hause La Marzocco früher die GS3 empfohlen, wenn es um eine eingruppige Espressomaschine ging.

    Die Integration der Waage ergänzt die Maschine sinnvoll, sodass sie prinzipiell in einer Café-Umgebung eingesetzt werden kann. Natürlich kann im Café auch ohne Volumetrik und mit manuellem Stopp gearbeitet werden. Allerdings habe ich in 15 Jahren Café-Praxis zu oft erlebt, dass Gäste oder andere Aufgaben einen davon abhalten, 25 Sekunden lang vor dem auslaufenden Espresso stehen zu bleiben.

    Die Waage hilft genau hier. Für den stressigen Gastro-Alltag suche ich jedoch Maschinen, die ohne zusätzliche Handgriffe auskommen. Das Hantieren mit der Waage, das Balancieren der Tassen und das Wegschieben zum Spülen sind unter Volllast schlicht zu viele Mikroschritte. Für den professionellen Einsatz würde ich weiterhin die GS3 vorziehen.

    Das Paddle – Stil oder schweres Erbe?

    Ja, auch ich mag das Paddle. Das neue Paddle ist wirklich elegant und auch der sich verändernde Winkel macht optisch etwas her. Und doch frage ich mich, ob es im Gesamtkonzept einer neuen Brew-By-Weight-Maschine Sinn macht. Denn: Es fährt nicht automatisch zurück. Stoppt der Bezug über die Waage, bleibt das Paddle in der linken Position stehen, da der Bezug eben nicht manuell über das Paddle beendet wurde.

    Hätte La Marzocco eine komplett neue Maschine von Grund auf entworfen, würde das Paddle bei einem automatischen Stopp vermutlich von selbst in die Ausgangsposition zurückkehren – oder es gäbe direkt Bezugstasten wie bei der GS3.

    App-Steuerung und Anbindung

    Die La Marzocco-App gehört zu den besseren Apps auf dem Markt. Bei der Linea Mini-R bietet sie die Einstellung der Temperatur in Zehntel-Grad-Schritten, 3 Druckstufen für den Dampfboiler sowie Vorbrühung und Preinfusion.

    Ebenfalls lässt sich die Startzeit der Espressomaschine programmieren. Bei der schnell aufgeheizten Linea Mini-R ist diese Funktion zwar nett, aber weniger kritisch als bei trägeren Maschinen. Ist die Waage einmal gekoppelt, merkt sich die Maschine die letzte Dosiermenge auch ohne aktive App-Verbindung.

    Ein praktisches Detail: Die Spülfunktion lässt sich anpassen. Wird das Paddle kurz aktiviert, flusht die Maschine für eine vordefinierte Zeitdauer.

    Ein kleiner Kritikpunkt bleibt die Account-Pflicht: Um die App zu nutzen, wird ein La Marzocco-Nutzerkonto benötigt. Immerhin funktioniert die Maschine nach der ersten Konfiguration nun auch komplett ohne aktive WLAN-Verbindung – ein echter Fortschritt!

    Vorbrühung und Preinfusion

    Wird die Linea Mini-R an das Festwasser angeschlossen, wird die Option der echten Preinfusion freigeschaltet. Dabei wird der Kaffee nur mit dem Leitungsdruck (ca. 3 Bar) benetzt, ohne dass die Pumpe anspringt. Die Dauer lässt sich frei wählen. Das sorgt für eine gleichmässigere Extraktion, selbst bei kleineren Mängeln in der Puckvorbereitung.

    Ohne Festwasser greift die Vorbrühung (Pre-Brewing): Hier schaltet die Pumpe kurz ein, baut Druck auf, pausiert für eine definierte Zeit (z. B. 3 Sekunden an, 6 Sekunden Pause) und brüht dann zu Ende. Durch ein zweites Magnetventil bleibt der Druck während der Pause im System erhalten. In unseren Tests lieferten beide Varianten hervorragende Espressi.

    La Marzocco Linea Mini-R in der Vorderansicht

    Fazit: La Marzocco Linea Mini-R

    La Marzocco hat sich angestrengt, mit der Linea Mini-R den passenden Platz zwischen Micra und GS3 zu besetzen. Die Mini-R ist eine extrem starke, performante und optisch gelungene Espressomaschine geworden.

    Die Highlights:

    • Überragende Dampfperformance
    • Sehr hohe Temperaturkonstanz (mit aktiviertem Dampfboiler)
    • Gute Mengenkonstanz in Verbindung mit der Acaia-Waage
    • Sinnvolle Detail-Updates (Shottimer, Offline-App-Nutzung, matte Haptik)

    Dennoch gibt es verpasste Chancen: Bei ausgeschaltetem Dampfboiler bricht die Temperaturperformance spürbar ein – wer eine Stromspar-Funktion anbietet, sollte auch hier die volle Leistung liefern. Zudem wirkt die Einbindung der Waage über das externe Drip-Tray eher wie ein nachträgliches Upgrade als eine voll integrierte Lösung.

    Unterm Strich bleibt die Linea Mini-R eine fantastische Maschine für anspruchsvolle Home Baristas, die extrem viel Power und ein ikonisches Design suchen.

    Temperaturverlauf LM Mini R ohne Dampfboiler bei 96 °C
    Messung ohne Dampfboiler bei 96 °C Zieltemperatur: Auch hier fällt die Brühtemperatur während des Bezugs deutlich ab.

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