Die La Basilea Uno haben wir 2019 getestet. Eine Zweikreiser-Maschine mit den Ideen von Viktor Schuler aus Basel, gebaut in der Nähe von Venedig. Viktor ist langjähriger Freund und Berater, wenn es um Maschinenkonzepte geht. Seine Philosophie steckt in dieser Maschine. Damals kostete sie 2.200 Euro, heute liegt der Preis bei 2.450 Euro (ohne Holzapplikation) bzw. 2.750 Euro (mit Holz). Lohnt sich der Aufpreis gegenüber günstigen Einsteigermaschinen? Wir haben sie intensiv getestet.
Design & Bauform: Tief, nicht hoch
Die Maschine ist anders proportioniert als die meisten Siebträger. Exakte Abmessungen: 295 × 510 × 430 mm (Breite × Tiefe × Höhe). 51 Zentimeter Tiefe – zum Vergleich: Eine Rocket Appartamento oder Quick Mill Rubino liegt bei 43 Zentimeter. Das sind fast 10 Zentimeter mehr. Dafür nur 43 Zentimeter Höhe. Die Standfläche entspricht etwa einem DIN-A4-Blatt.
Mit 28 Kilogramm bringt die Maschine ordentlich Gewicht auf die Waage. Sie steht massiv auf der Theke, kein Wackeln. Das Gehäuse ist komplett aus Edelstahl gefertigt, der Rahmen ebenfalls – Korrosionsschutz inklusive. Die Verarbeitung ist solide, gleichmässige Spaltmasse, keine scharfen Kanten. Zwei Manometer sind verbaut – eines für den Brühdruck, eines für den Boilerdruck. Dazu LED-Lämpchen und rechts die PID-Steuerung mit integriertem Shot-Counter. Während der Extraktion läuft die Zeit mit, das kennt man mittlerweile als Standard bei Maschinen mit PID-Steuerung in dieser Preisklasse.
Die Version in Holz kostet 300 Euro mehr, dann landet ihr bei 2.750 Euro. Kleines Detail: Ein Schonerdeckchen schützt den Tassenwärmer obendrauf.
Technik: 3-Liter-Boiler liegend verbaut
Herzstück ist ein isolierter 3-Liter-Boiler. Ungewöhnlich: Der liegt horizontal im Gehäuse, nicht vertikal wie üblich. Wahrscheinlich hat die Höhe nicht gereicht. Mit der Tiefe hatten sie ja genug Platz. Der Wärmetauscher fasst 0,3 Liter.
Das ist ein Zweikreiser mit PID-Steuerung. Was bedeutet das? Ihr stellt die Boilertemperatur ein und beeinflusst damit indirekt die Brühtemperatur. Die kann man über den PID feintunen.
Besonderheit: Es ist eine Rotationspumpe verbaut. Die läuft leise, konstant und ermöglicht den Anschluss ans Festwasser. Das ist definitiv ein Plus gegenüber Vibrationspumpen. Die Maschine läuft mit 1.500 Watt bei 230 Volt.
Praktisches Feature: Eine Stopp-Funktion bei leerem Tank. Die Maschine schaltet ab, bevor die Pumpe trocken läuft.
Dampfrohr und Heisswasserrohr sind aus Edelstahl mit Cold-Touch-Ummantelung – ihr verbrennt euch nicht die Finger, wenn ihr versehentlich dran kommt. Die Füsse sind ebenfalls aus Edelstahl.
Wenn man die Maschine öffnet – der Deckel lässt sich einfach abnehmen – sieht man direkt den grossen Boiler mit dem zweiten Kreislauf. Die Heisswassersonde geht schön sichtbar rein. Dahinter der 2-Liter-Wassertank, unten die Pumpe. Sehr aufgeräumt, wie bei den meisten Maschinen dieser Bauart. Was wirklich beeindruckt: die schiere Grösse des Boilers im Verhältnis zum Gesamtvolumen. 3 Liter sind deutlich mehr als die üblichen 1,6 oder 1,8 Liter bei vergleichbaren Geräten.
Der Wassertank lässt sich easy entnehmen – kurz anheben, rausziehen, fertig. Sehr durchdacht.
Temperaturmanagement: Eine Flatline
Hier wird es spannend. Wir haben die Maschine mit dem Temperatursiebträger getestet. Das Ergebnis? Wahnsinnig temperaturkonstant. Bei 93,1 bis 93,2 Grad über die gesamte Extraktion – wie eine Flatline. Keine Schwankungen, kein Drop, kein Rise. Bei den meisten E61-Maschinen sehen wir 0,8 bis 1 Grad Temperaturdrift während der Extraktion, oft abfallend. Hier: einmal durch wie mit dem Lineal gezogen.
Der 3-Liter-Boiler zahlt sich aus. Mehr Masse bedeutet mehr thermische Stabilität. Der zweite Kreislauf kommt permanent auf die richtige Temperatur zurück, auch während der Extraktion. Das ist beeindruckend.
Bei der Inbetriebnahme waren wir erst bei 123 bis 124 Grad Boilertemperatur eingestellt – da kamen fast 98 Grad raus. Viel zu heiss. Wir haben dann auf 113 bis 114 Grad runtergedreht und waren bei perfekten 93 Grad Brühtemperatur. Der PID lässt sich präzise einstellen, ein Offset ist schnell kalibriert.
Espresso-Qualität: Balanciert und stabil
Mit 93 Grad Brühtemperatur ziehen wir ausgewogene Espressi. Die Balance stimmt: süss, leicht fruchtig, ohne störende Bitterkeit. Die FAEMA E61 Brühgruppe macht das, was sie immer macht – sie liefert solide Ergebnisse, vorausgesetzt die Rahmenbedingungen passen.
Wir haben 18,5 Gramm Input verwendet, mit der Eureka Perfetto gemahlen. Die Extraktion läuft sauber durch, keine Anzeichen von Channeling oder ungleichmässiger Durchfeuchtung. Der Shot-Counter tickt mit, in der Tasse landen rund 40 Gramm Espresso. Der Geschmack? Lecker. Süss, balanciert, komplex. Die Temperaturstabilität macht sich geschmacklich bemerkbar – keine verbrannten Noten, keine Unterextraktion.
Für eine Maschine ohne Flow-Control ein sehr gutes Ergebnis. Die Konstanz ist das Highlight.
Milchschaum & Dampf: Ein Kompromiss
Hier wird es etwas kompliziert. Bei 113 bis 114 Grad Boilertemperatur (was 93 Grad Brühtemperatur entspricht) hat die Dampflanze ordentlich Power, könnte aber etwas mehr Wumms haben. Wir kommen in die Rotation, der Schaum wird feinporig und cremig, aber es dauert etwas länger als bei Gastro-Maschinen.
Dann haben wir die Boilertemperatur auf 116 bis 117 Grad erhöht. Sofort: deutlich mehr Power, schnelleres Schäumen, mehr Kraft auf der Lanze. Aber: Die Brühtemperatur steigt um etwa ein Grad an. Das ist dann tendenziell zu heiss für hellere Kaffees.
Das ist der klassische Zweikreiser-Kompromiss. Ihr müsst entscheiden: Wollt ihr optimale Brühtemperatur oder maximale Dampfpower? Es kommt auf eure Präferenzen an. Hellere Kaffees vertragen höhere Temperaturen eher, dunkle Röstungen brüht man lieber kühler. Bei 93 Grad Brühtemperatur passt die Dampfleistung für den Hausgebrauch, es ist kein Geschwindigkeitsrekord, aber absolut machbar.
Die Milch haben wir mit UHT-Milch geschäumt – aus praktischen Gründen in den Kursen, nicht weil wir das empfehlen. Der Schaum wird trotzdem gut.
Workflow & Bedienung
Die Bedienung ist simpel. Einschalten, warten, loslegen. Das Display ist gut lesbar, die PID-Steuerung intuitiv. Der Shot-Counter startet automatisch mit der Extraktion – praktisch, wenn man seine Bezugszeiten im Blick behalten will.
Der Siebträger rastet sauber in die E61-Gruppe ein, kein Wackeln. Der Wassertank mit 2 Litern Fassungsvermögen reicht für mehrere Tage, lässt sich von oben befüllen. Das ist komfortabel.
Kleiner Kritikpunkt: Das Tropfschalengitter. Je nachdem wie es liegt, vibriert es durch die Rotationspumpe. Das hört man. Das liegt daran, dass keine Magnetfunktion verbaut ist, die das Gitter stabil hält. Bei vielen Maschinen sitzt der Einschubkasten durch Magneten fester drin und vibriert dann weniger. Das wäre ein gutes Feedback für Viktor – sollte einfach zu lösen sein.
Ansonsten macht die Maschine im Alltag Spass. Kein Schnickschnack, alles auf das Wesentliche reduziert.
Besonderheiten: Rotationspumpe & liegender Boiler
Die Rotationspumpe ist ein echtes Plus. Sie läuft leise und ermöglicht den Festwasseranschluss – für alle, die die Maschine dauerhaft betreiben und nicht ständig Wasser nachfüllen wollen. Ausserdem ist der Druck konstanter als bei Vibrationspumpen.
Der liegende 3-Liter-Boiler ist ungewöhnlich, aber clever gelöst. Er bringt die thermische Masse, die man für Temperaturstabilität braucht, passt aber in das flache Gehäuse. Das ist Ingenieurskunst – Viktor weiss, was er tut.
Preis-Leistung: 2.450 Euro vs. 200 Euro?
Jetzt die Frage, die wir uns stellen müssen: Wieso 2.450 Euro für diese Maschine ausgeben, wenn die DeLonghi Dedica EC685 für 200 Euro auch einen ordentlichen Espresso macht?
Die Antwort hat mehrere Ebenen:
Optik und Präsenz: Eine Maschine wie die La Basilea gehört nicht in die Küche, die gehört ins Wohnzimmer. Sie ist ein Statement. Das soll nicht das ausschlaggebende Argument sein, aber es ist Teil der Gleichung.
Fehlerverzeihung: Mit der Dedica müsst ihr genau wissen, was ihr tut. Die Maschine verzeiht wenig. Wer viel Erfahrung hat, bekommt auch damit guten Espresso hin. Wer wenig Erfahrung hat, kämpft. Das ist fast blöd – eigentlich sollte es andersrum sein. Anfänger brauchen gutes Material, um Sicherheit zu gewinnen und zu lernen, wie guter Espresso schmeckt. Die La Basilea gibt euch diese Sicherheit. Sie ist temperaturstabil, sie verzeiht Fehler, sie liefert konstante Ergebnisse.
Kapazität: Mit einem 3-Liter-Boiler seid ihr ein Traktor. Die Maschine geht nicht in die Knie. Ihr könnt Espresso für die ganze Familie ziehen, Milch schäumen bis zum Umfallen, die Maschine bleibt stabil. Die Dedica ist für einen Espresso am Morgen super. Für mehr wird es eng.
Langlebigkeit: Komponenten wie die Rotationspumpe, der grosse Boiler, die E61-Gruppe – das sind Teile, die jahrelang halten, die reparierbar sind, die man versteht. Das ist eine Investition, keine Wegwerfware.
Unser Ziel ist nicht, dass ihr 10.000 Euro für eine Kaffeemaschine ausgebt. Unser Ziel ist, dass ihr zu Hause guten Kaffee macht. Egal mit welcher Methode. Eine Maschine wie die La Basilea gibt euch die Sicherheit, dass ihr auf dem richtigen Weg seid.
Fazit: Schweizer Präzision, italienisches Handwerk
Die La Basilea Uno ist eine solide Zweikreiser-Maschine mit klaren Stärken: Temperaturkonstanz ist überragend, die Verarbeitung ordentlich, die Bedienung simpel. Der 3-Liter-Boiler macht den Unterschied – mehr thermische Masse, mehr Stabilität, mehr Kapazität.
Stärken:
- Temperaturkonstanz wie eine Flatline (93,1 bis 93,2 Grad durchgehend)
- 3-Liter-Boiler für hohe Kapazität
- Rotationspumpe (leise, Festwasseranschluss möglich)
- PID-Steuerung mit Shot-Counter
- Solide Verarbeitung
Schwächen:
- Tropfschalengitter vibriert (keine Magnetfunktion)
- Dampfleistung könnte bei niedrigen Boilertemperaturen etwas mehr Power haben
- Zweikreiser-Kompromiss zwischen Brühtemperatur und Dampfpower
Für wen ist die Maschine geeignet?
Für Enthusiasten, die eine zuverlässige, temperaturstabile Maschine wollen, ohne 3.000 Euro auszugeben. Für alle, die Kapazität brauchen – mehrere Espressi hintereinander, Milchkaffee für die Familie, kein Problem. Für Leute, die es simpel mögen: Einschalten, warten, loslegen. Keine komplizierten Menüs, keine Spielereien.
Für absolute Einsteiger? Eher nicht. Die Gaggia Classic oder die DeLonghi Dedica reichen, um zu lernen. Wer aber weiss, was er will, und Wert auf Konstanz legt, findet hier einen guten Partner.
Würden wir sie kaufen? Wenn Temperaturstabilität und Kapazität Priorität haben: Ja. Wenn wir nur morgens einen Espresso ziehen: Nein, da reicht Günstigeres. Die La Basilea ist für alle, die es ernst meinen, aber nicht ins Extreme gehen wollen.
Schmeckt nach Basel. Schmeckt nach italienischem Handwerk. Macht Spass.
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