Die ECM Mechanika V Slim ist ein Zweikreiser aus deutscher Produktion – genauer gesagt aus Heidelberg. Wir haben die Maschine selbst gekauft, über mehrere Wochen getestet und alles gemessen: Temperatur, Druck, Verarbeitung. Wie immer gilt: unabhängig, nach bestem Wissen und Gewissen. Die Mechanika V Slim liegt preislich unter 2.000 Euro und verzichtet bewusst auf Schnickschnack. Lohnt sich das Gerät für ambitionierte Home-Baristas? Das erfahrt ihr jetzt.
Design & Verarbeitung – Kompakt und solide
Mit nur 25 cm Breite ist die ECM Mechanika V Slim tatsächlich schlank. Die Höhe liegt bei knapp über 44 cm, die Tiefe bei rund 40 cm. Trotz der kompakten Abmessungen bringt die Maschine satte 27 Kilo auf die Waage – sie steht massiv auf der Theke, kein Wackeln beim Einspannen des Siebträgers.
Die Verarbeitung macht optisch ordentlich was her. Das Gehäuse wirkt wie aus einem Guss – keine offensichtlichen Schweißnähte wie bei manchen Konkurrenten. Die Seitenteile fühlen sich hochwertig an, die Oberfläche ist sauber gezogen. Zwei Details fallen auf: Die vordere Kante hätten wir uns etwas abgerundeter gewünscht, auch beim Wassertank gibt es vorne und hinten leicht scharfe Kanten. Das sind aber Kleinigkeiten auf hohem Niveau.
Schön gelöst: Der Deckel lässt sich komplett abnehmen, um zum Wassertank zu kommen. Das geht auch mit mehreren Tassen auf der Maschine noch problemlos. Der Tank selbst fasst 2,8 Liter und lässt sich ohne Schläuche herausnehmen – einfach raus, befüllen, wieder rein. Praktisch.
Die Tropfschale ist groß genug für einen Tag intensiven Espressobezug. Zwei Manometer zeigen Boilerdruck und Brühdruck an. Der Ein-/Ausschalter wird nicht heiß – man kann die Maschine ausschalten, ohne sich zu verbrennen.
Aufheizzeit & Boiler-System
Die ECM Mechanika V Slim braucht 25 Minuten, bis sie vollständig aufgeheizt ist. Das ist typisch für einen Zweikreiser dieser Größe. Der isolierte 2,2-Liter-Boiler ist nicht nur groß, sondern auch dick – und zusätzlich isoliert. Das hilft, die Temperatur stabil zu halten und Energieverluste zu minimieren.
Zum Vergleich: Die Rocket Mozzafiato hat ebenfalls einen isolierten Boiler, während die Rocket Appartamento darauf verzichtet. Auch die Lelit setzt auf Isolierung, die BZ-10 dagegen nicht. Diese kleinen, aber feinen Unterschiede machen sich bei Temperaturstabilität und Energieeffizienz bemerkbar.
Ein wichtiger Hinweis für die erste Inbetriebnahme: Die Maschine wird mit leerem Boiler verschickt. Beim ersten Einschalten muss der Boiler sich zunächst mit Wasser füllen – das merkt man daran, dass die Pumpe läuft. Erst danach beginnt der eigentliche Aufheizvorgang. Das steht übrigens nicht in der Anleitung, sollte aber selbstverständlich sein: Wasser laufen lassen, durchspülen, dann kann's losgehen.
Leider haben wir beim Test keinen Stromverbrauch gemessen, daher können wir hier keine kWh-Werte nennen.
Temperaturmanagement – Heiß, aber konstant
Hier wird's spannend: Die Mechanika V Slim läuft temperaturmäßig an der oberen Grenze. Im Leerlauf haben wir zwischendurch bis zu 97°C gemessen. Das ist zu viel für eine ausgewogene Extraktion.
Die Lösung: Spülen, spülen, spülen. Und zwar richtig. Mit einem ordentlichen Cooling-Flush von etwa 10 Sekunden bringen wir die Temperatur auf 93–94°C während der Extraktion. Das ist perfekt. Während des Bezugs bleibt die Temperatur konstant, wir sehen einen minimalen Drop von 0,4–0,5°C – das ist vernachlässigbar.
Wichtig zu verstehen: Es gibt zwei Arten von Spülen. Erstens, die Dusche reinigen – das geht schnell, 2-3 Sekunden reichen. Zweitens, die Temperatur runterbringen (Cooling-Flush) – das braucht länger, eben jene 10 Sekunden. Bei der Mechanika V Slim ist der Cooling-Flush absolut essenziell, wenn man von null startet. Workflow: Siebträger vorbereiten, tampen, dann 10 Sekunden spülen, sofort den Bezug starten.
Das ist übrigens eine Eigenheit von E61-Brühgruppen – der Thermosyphon hält die Gruppe heiß, aber eben manchmal zu heiß. Wer mehrere Espressi hintereinander bezieht, hat dieses Problem nicht – da bleibt die Temperatur konstant im idealen Bereich.
Espresso-Qualität – Balanciert und texturiert
Mit der richtigen Spültechnik liefert die Mechanika V Slim exzellente Espressi. Der Brühdruck liegt konstant bei 9 Bar, leicht darüber – perfekt eingestellt. Im Test haben wir mit 20,5 Gramm Input und einem Verhältnis von etwa 1:2,3 gearbeitet. Das Ergebnis: ein konzentrierter, balancierter Espresso mit kräftiger Textur.
Die nougatigen Noten kommen deutlich durch, die Balance zwischen Süße und Säure stimmt. Keine störende Bitterkeit, keine Anzeichen von Unterextraktion oder Channeling. Die Maschine holt aus dem Kaffee raus, was drin steckt – mehr kann man nicht verlangen.
Ein Druckmanometer ist verbaut, über das Over Pressure Valve (OPV) lässt sich der Druck justieren. Das ist in der Regel aber nicht nötig – ab Werk ist die Einstellung perfekt.
Milchschaum & Dampf – Langsam, aber seidig
Die Dampflanze ist doppelwandig und wird nur am unteren Ende heiß – kein Verbrennungsrisiko. Beim Schäumen fällt auf: Die Lanze hat gefühlt etwas weniger Druck als andere Zweikreiser, aber sie liefert trotzdem einwandfrei.
Der Schaum braucht etwas länger, bis er die richtige Temperatur erreicht – etwa fünf Sekunden mehr als bei Maschinen mit aggressiverer Dampfpower. Das klingt nach Nachteil, ist aber gerade für Anfänger ein Vorteil. Mehr Zeit bedeutet: bessere Kontrolle über die Rollphase, mehr Gelegenheit, Bläschen zu zerkleinern und den Schaum richtig seidig zu machen.
Das Ergebnis: cremiger, feinporiger Milchschaum mit glänzender Oberfläche. Perfekt für Latte Art. Wer zehn Cappuccini hintereinander produzieren muss, wird die langsamere Geschwindigkeit vielleicht als unpraktisch empfinden – für den Home-Barista ist sie ideal.
Workflow & Bedienung – Durchdacht im Detail
Die Mechanika V Slim macht im Alltag eine gute Figur. Der Siebträger ist richtig schwer – man spürt, dass hier Qualität verbaut wurde. Er rastet sauber ein, kein Lotter, kein Wackeln.
Ein Detail, das uns besonders gefällt: Die Füße der Maschine sind schmal gebaut, sodass man eine Waage problemlos darunterschieben kann. Bei anderen Maschinen steht die Waage oft im Weg – hier passt alles.
Der Wassertank lässt sich von oben befüllen, dafür muss man nur den Deckel abnehmen. Zwei Lämpchen zeigen an, wann die Maschine brühbereit ist und wann der Tank leer ist. Simpel, funktional, ohne unnötigen Schnickschnack.
Siebträger-Orientierung: Ein Punkt, den wir explizit loben müssen – die Ausläufe des Siebträgers zeigen beim Tampen nach unten, nicht nach oben. Das ist die richtige, hygienische Variante. Warum? Weil die Ausläufe nicht auf der Theke aufliegen, wo Kaffeekrümel sind. Außerdem kann man den Siebträger beim Tampen stabiler halten. Wer eine Tampingstation nutzt, wird das zu schätzen wissen. Auf den Füßen tampen – wie bei manchen Maschinen üblich – halten wir für unpraktisch und unhygienisch.
Besonderheiten – E61-Gruppe ohne Schnickschnack
Die ECM Mechanika V Slim setzt auf die klassische E61-Brühgruppe von Faema. Das bedeutet: mechanische Preinfusion über den Thermosyphon, bewährte Technik, die seit Jahrzehnten funktioniert.
Auf zusätzliche Features wie PID-Steuerung oder Profiling wurde bewusst verzichtet. Das hält den Preis unter 2.000 Euro und reduziert Fehlerquellen. Die Maschine macht, was sie soll – Espresso brühen und Milch schäumen – und das auf hohem Niveau.
Das Over Pressure Valve (OPV) ist zugänglich und lässt sich über eine Schraube im Wassertank einstellen. Wir empfehlen aber, die Werkseinstellung zu belassen – 9 Bar sind ideal.
Fazit – Solider Zweikreiser für Puristen
Die ECM Mechanika V Slim ist eine Maschine für Home-Baristas, die Wert auf Qualität und Verarbeitung legen, aber keinen unnötigen Schnickschnack wollen. Die Stärken: hochwertige Materialien, konstante Temperatur (mit richtigem Spül-Workflow), exzellente Espresso-Qualität, durchdachtes Design.
Die Schwächen: Die Maschine läuft etwas heiß und erfordert konsequentes Spülen vor jedem Bezug. Die Dampfleistung ist etwas gemächlicher – für Anfänger ein Vorteil, für eilige Cappuccino-Produzenten vielleicht ein Nachteil. Einige Kanten (Wassertank, vordere Abdeckung) könnten abgerundeter sein.
Für wen ist die Maschine geeignet? Für alle, die einen robusten, zuverlässigen Zweikreiser suchen, der keine Spielereien braucht. Wer bereits Erfahrung mit Espressozubereitung hat und den Workflow beherrscht, wird mit der Mechanika V Slim glücklich. Einsteiger sollten sich bewusst sein, dass die Spültechnik hier essenziell ist – aber das lernt man schnell.
Im Vergleich zur Lelit Mara, die wir ebenfalls getestet haben und die ihre eigenen Herausforderungen mit sich bringt, liefert die ECM eine klarere, konstantere Performance – vorausgesetzt, man beherrscht den Cooling-Flush.
Die ECM Mechanika V Slim ist ein heißer Kandidat fürs Treppchen unserer Zweikreiser-Tests. Deutsche Wertarbeit, die liefert.























