Meine Güte, die Zerno Z1 hat uns vom ersten Auspacken geflasht. In diese Mühle ist so viel Liebe fürs Detail und die Herstellung geflossen – das sticht heraus! Wir haben mittlerweile über 90 Espressomühlen getestet. Die Zerno Z1 muss sich hinter keiner anderen Mühle verstecken und gehört ohne Frage zu unseren Top-Favoriten.
Dafür zahlt ihr allerdings auch! In der Basisvariante startet sie bei rund 1.200 Dollar. Wie immer haben wir auch die Zerno Z1 gekauft, und zwar zum Vollpreis. Dieser läpperte sich am Ende auf fast 2.000 Dollar, inklusive Zubehör, Mahlscheiben, schönen Holzverkleidungen sowie Koffer.
Das ist eine Ansage und definiert klar, dass wir hier keine Einsteigermühle vor uns haben, sondern ein Gerät der Premiumklasse. Da die Mühle aber auch diesen Preis inhaltlich und qualitativ ausfüllt, verwundert es nicht, dass ich mit meinem Test-Kollegen Michel Indelicato zum Ende der Testreihe darüber diskutiert habe, wer die Mühle bis zum nächsten Home Barista-Profi-Kurs mit nach Hause nehmen darf.
Design und Haptik: Ein massiver Block
Wenn die Zerno Z1 auf der Theke steht, wirkt sie wie ein Statement. Sie ist erstaunlich schmal gebaut, was wir selten sehen, bringt aber satte 6,5 Kilogramm auf die Waage. Der massive Edelstahlfuss trägt die Mühle mit Eleganz. Zerno schafft diesen Spagat in allen Facetten. Während andere Hersteller mit Kaffeegerätschaften nicht selten in wuchtig-klotzige Formsprache abrutschen und martialische Bezeichnungen wie "Panzer" diese treffend zusammenfassen, wirkt die Zerno eher wie ein Raubvogel. Kraftvoll, dynamisch, ästhetisch-elegant. Die Verarbeitung ist aus einem Guss, bis ins letzte Detail durchdacht und findet ihren Höhepunkt in der Mahlkammer.
Die 64er Mahlscheiben stehen vertikal in der Mühle und sind jeweils von hinten verschraubt bzw. magnetisch gehalten ("Blind Burrs"). Sie lassen sich mit wenigen Handgriffen entnehmen und wechseln. Die Bedeutung von Blind Burrs ist aus meiner Sicht noch vollkommen unterschätzt. Messtechnisch konnten wir sie nachvollziehen, als ein anderer Hersteller nur eine Mahlscheibenseite auf Blind Burrs wechselte, während die Mahlscheiben ansonsten die gleichen blieben. Plötzlich verengte sich sein Hauptpeak um 30 Micron!

Wir kommen später zur Partikelverteilung der Zerno Z1, aber so viel kann ich schon jetzt sagen: Die Homogenität der Zerno Z1 ist spektakulär. Das gesamte Innere ist so gebaut, dass kaum Raum für Totraum bleibt. Zerno verzichtet zu diesem Zweck auf harte Kanten im Inneren der Mahlkammer. Selbst die Mitnehmer haben eine Rundung und leeren so die Kammer sehr effektiv.
Die Mühle ist modular aufgebaut. Dadurch lassen sich einerseits die ästhetischen Elemente wie Holzabdeckungen wechseln, aber auch technische Komponenten wie die Vorbrecher (Auger).
Mitgeliefert wird ein massiver Edelstahl-Dosierbecher, der sich magnetisch an die richtige Stelle unter dem Kaffee-Auswurf positioniert.
Die Mühle ist aufgrund der Bauweise in ihrer Grundkonfiguration absolute "aligned", das heisst die Mahlscheiben stehen parallel zueinander und sind gerade ausgerichtet. Um jeweils wieder den gleichen Mahlgrad nach dem Öffnen der Mühle anzutreffen und sehr gut ausgerichtete Mahlscheiben vorzufinden, empfehlen wir die Verwendung eines Drehmoment-Schraubenziehers.

Die Technik: Langsam, aber präzise
Im Inneren arbeitet ein 300 Watt Motor mit permanenten 900 Umdrehungen pro Minute. Das ist im Vergleich zu anderen Mühlen eher langsam. Wir messen eine Mahlgeschwindigkeit von etwa 1,0 bis 1,1 Gramm pro Sekunde. Für eine Dosis von 18 Gramm benötigt die Zerno Z1 also rund 18 Sekunden, bis sie sich komplett leer gemahlen hat. Das ist kein Geschwindigkeitsrekord, aber bei Single Dosing geht es uns primär um Qualität, nicht um Zeitersparnis. Die langsame Mahlzeit in Verbindung mit den verwendeten Vorbrechern hat starken Einfluss auf die Partikelverteilung, was neben den Blind Burrs die hohe Homogenität des Mahlgutes erklärt. Der Vorbrecher hat zusätzlich einen verlangsamenden Effekt auf die Mahlung, der an Slow Feeding erinnern lässt.
Was uns im Betrieb aufgefallen ist: Die Mühle ist mit rund 81 Dezibel Lautstärke durchaus hörbar. Im Vergleich zu flüsterleisen Konkurrenten wie einer Lagom P64 fällt das auf. Es ist kein unangenehmes Geräusch, aber sie ist präsent.

Totraum und Workflow
Das Thema Totraum ist bei Single Dosing Mühlen essenziell. Wir unterscheiden hier zwischen dem temporären und dem permanenten Totraum. Der temporäre Totraum – also das, was zwischen zwei Bezügen ausgetauscht wird – liegt bei der Zerno Z1 bei hervorragenden 0,1 bis 0,2 Gramm. Das ist absolute Spitzenklasse und bedeutet, dass ihr quasi genau das herausbekommt, was ihr oben hineinwerft.
Wir müssen aber auch über den permanenten Totraum sprechen. Das ist Kaffeemehl, das sich in Ritzen und Ecken absetzt und dort verbleibt. Hier messen wir etwa 0,6 Gramm, die sich vor allem hinter den Mahlscheiben und im Auswurfbereich sammeln. Das ist konstruktionsbedingt und ein guter Grund, die Mühle regelmäßig zu reinigen.

Hinter den Mahlscheiben sammelt sich etwas Kaffee im permanenten Totraum.
Zum Glück macht Zerno es uns hier einfach: Mit nur zwei Schrauben an der Front lässt sich die gesamte Mahlkammer öffnen. Ihr kommt sofort an die Mahlscheiben, könnt auspinseln und alles wieder zusammensetzen. Ein wichtiger Hinweis für den Alltag: Wenn ihr die Mühle wieder zuschraubt, achtet darauf, die Schrauben satt anzuziehen. Zieht ihr sie nur locker an, verändert sich der Mahlgradabstand, was direkte Auswirkungen auf euren Espresso hat.
Die Mühle neigt je nach Bohnensorte etwas zu statischer Aufladung. Wir empfehlen in diesen Fällen die Ross Droplet Technique (RDT), also einen kleinen Sprühstoss Wasser auf die Bohnen vor dem Mahlen. Das reduziert die Statik massiv und sorgt dafür, dass das Mahlgut sauber im Becher landet.
Exzellent ist auch die Mahlgradgenauigkeit und Verstellungspräzision der Mühle. Der Mahlgrad wird als Wert in Micron angegeben. Dieser drückt den Abstand der Mahlscheiben voneinander aus. Interessanterweise ist der angezeigte Mahlgrad relativ nah an unserem gemessenen x50. Verstellen wir die Mühle auf andere Getränke und kehren dann zum Espresso, bzw. zum notierten Mahlgrad zurück, so erhalten wir bis auf wenige Micron Abstand die gleiche Partikelverteilung. Lange Rede, kurzer Sinn: die Zerno Z1 ist sehr gut geeignet, um zwischen Rezepten und Kaffees zu wechseln und dann wieder zum Ausgangskaffee zurückzukehren.

Geschmack: Präzision trifft Körper
Kommen wir zum wichtigsten Punkt: Was landet in der Tasse? Die Partikelverteilungsmessung im Labor zeigt ein extrem schmales Hauptpeak. Die SSP High Uniformity Scheiben in Kombination mit der niedrigen Drehzahl erzeugen ein sehr homogenes Mahlgut. Der X50-Wert (der Median der Partikelgrösse) liegt sehr nah am gewünschten Zielbereich, was für eine hohe Präzision spricht.
Geschmacklich übersetzt sich das in eine wunderbare Balance. Wir haben unseren "Apas" Espresso getestet und waren beeindruckt. Der Espresso zeigt eine klare Struktur. Wir schmecken eine schöne Balance zwischen Süsse und Bitterkeit, mit Noten von Nuss und Nougat, die von einer dezenten, aber klaren Fruchtigkeit begleitet werden. Es ist keine aggressive Säure, sondern eine sehr eingebundene, helle Steinfruchtigkeit.
Gleichzeitig – und das hat uns positiv überrascht – hat der Espresso einen guten Körper. Oftmals verlieren Mühlen mit hoher Klarheit (High Clarity) an Textur und Mundgefühl. Die Zerno Z1 schafft hier den Spagat: Sie liefert die Differenzierung der Aromen, ohne dass der Espresso dünn wirkt.
Allerdings fordert die Mühle den Barista. Aufgrund der sehr homogenen Partikelverteilung müsst ihr sehr fein mahlen, um auf korrekte Durchlaufzeiten zu kommen. Das bedeutet, eure Puck-Vorbereitung muss sitzen. Unsauberes Tampen oder schlechte Verteilung führen hier sofort zu Channeling. Wer hier sauber arbeitet, wird mit exzellenten Ergebnissen belohnt.
Spannenderweise funktioniert die Mühle auch für Filterkaffee sehr gut. Wenn wir den Mahlgrad grob stellen, erhalten wir ein sehr sauberes, fast unimodales Mahlbild, das klare und strukturierte Filterkaffees ermöglicht. Das ist bei reinen Espressomühlen eine Ausnahme.

Fazit: Ein Ingenieurs-Traum mit kleiner Hürde
Für wen ist diese Mühle also die richtige? Die Zerno Z1 ist keine Mühle für den absoluten Einsteiger, der einfach nur schnell einen Koffeinschub will. Sie ist ein Präzisionswerkzeug für Home-Baristas, die verstehen wollen, was Mahlscheibengeometrie und Vorbrecher mit dem Geschmack machen. Sie liefert Ergebnisse, die in der absoluten Oberklasse mitspielen.
Anders als andere Single Dosing Mühlen der Oberklasse verzichtet die Zerno Z1 auf eine Einstellungsmöglichkeit der Drehzahl (RPM). Stattdessen lädt die Mühle ein, mit verschiedenen Mahlscheiben und Vorbrechern zu spielen und lieferte eine auf die Vorbrecher abgestimmte Mahlgeschwindigkeit von 900 RPM. Aus meiner Sicht ist das sehr sinnvoll. Wenn ein Unternehmen wie Zerno, welches sich intensiv mit Mahlscheiben und Vorbrecher-Geometrie beschäftigt, auf eine bestimmte Drehzahl hin entwickelt, dann lässt sich eine Mühle darauf hin optimieren.
Schmeckt der Filterkaffee? Das haben wir nur anfänglich getestet und hängt selbstverständlich auch von den verwendeten Mahlscheiben ab. Grundsätzlich können wir aber sagen: ja, der Filterkaffee, den wir mit der Zerno Z1 gemahlen und gebrüht haben, gehörte zu den besten Filterkaffees, die wir bisher von Single Dosing Mühlen getrunken haben.
Bei aller Begeisterung für die Zerno Z1 gibt es ein klares "Aber". Zerno ist ein US-amerikanisches Unternehmen. Das bedeutet für uns in Europa: Import, Zoll und vor allem kein lokales Servicenetz. Wenn mal etwas am Motor sein sollte, schickt man das Gerät nicht mal eben schnell zur Reparatur um die Ecke. In den USA ist das ein No-Brainer, hier in Europa muss man sich dieses Risikos bewusst sein. Andererseits wirkt die Mühle so aufgebaut, dass technische Defekte eher unwahrscheinlich erscheinen.
Technisch und geschmacklich haben wir an der Zerno Z1 nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil. Sie ist massiv gebaut, liefert messbar exzellente Ergebnisse und macht im Workflow Spass – wenn man bereit ist, den Preis zu zahlen und die Import-Hürde zu nehmen. Wer bereits eine gute Mühle hat und das letzte Quäntchen an Klarheit und Nuance sucht, der wird hier fündig. Für uns bleibt sie eine der spannendsten Mühlen, die wir in letzter Zeit auf dem Tisch hatten.
Und zu wem geht die Mühle nun nach Hause? Zunächst mal zu Michel. Allerdings ist der Deal auch für Benjamin nicht schlecht. Anfang des Jahres hoffen wir, unser Modell der Z2 zu erhalten, und vielleicht hält das Modell dann Einzug neben Benjamins Espressomaschine...























