Die Roxy Espresso ist im Äusseren ein Minimalist. Zwei Knöpfe, keine Dampflanze und kein Schnickschnack auf kleinstem Raum. Die formale Zurückhaltung wird jedoch Lügen gestraft, angesichts der im Inneren schlummernden funktionalen Dichte.
Das Espressopotential der Roxy Espresso hält derweil mit jeder anderen Espressomaschine weltweit mit. Während ich den Satz schreibe, fällt mir auf, dass ich in das gleiche Understatement falle, welches die beiden Gründer und Erfinder der Roxy, Florian Köpplinger und Maximilian Seyfert, auszeichnet. Nein, die Roxy hält nicht mit! Sie lässt hinter sich. Eine Handvoll Espressomaschinen weltweit hält vielleicht mit der Roxy mit. Aber was da im bayerischen Fürstenfeldbruch gebaut wird, ist für unter 3000 Euro die beste Espressomaschine, die wir jemals getestet haben – wobei die Roxy nicht 3000 Euro kostet, sondern 2300 Euro bzw. Franken.
Über «Understatement» habe ich viel nachgedacht, seit die Roxy Espressomaschine an meinem Horizont aufgetaucht ist. Das war im Sommer 2024. Damals besuchte uns Florian Köpplinger in Basel, um die Roxy noch vor dem Swiss Coffee Festival vorzustellen und Feedback einzusammeln.
Auf sympathische Weise hat die Roxy Ähnlichkeit mit ihren Erfindern. Nein, die beiden sind nicht besonders kompakt – sie sind stille Macher, die nicht laut in die Welt posaunen, was sie eigentlich geschaffen haben. In der Design- und Ingenieurswelt drückt «hidden complexity» am besten aus, was die Roxy ist: Aussen klar, innen hochkomplex. «Quiet Power» trifft es auch. Die Maschine ist nicht laut, aber massiv leistungsfähig. Kein Protz, kein Chrom, kein Bling – einfach Souveränität.
Wollt ihr mehr über die Roxy Espresso erfahren? Dann nehmt euch Zeit für diesen schriftlichen Textbericht, unser langes oder kurzes Testvideo oder auch die englische Übersetzung.
An diesem Test haben Andrea Perin (Baristatrainer), Michel Indelicato (Kaffeehalbgott), Larissa Bürgi (Barista, Videografin) und Benjamin Hohlmann (Host) gearbeitet.
Design und Verarbeitung: Understatement pur
Wenn ihr die Roxy auspackt, fällt sofort auf: Die ist winzig. Mit 16 Zentimetern Breite und 30 Zentimetern Tiefe ist sie neben der Zuriga wohl die kompakteste Maschine, die den Namen Espressomaschine wirklich verdient. Das Gehäuse aus eloxiertem Aluminium und der aussenliegende Glas-Wassertank wirken hochwertig. Scharfe Kanten oder überschwängliche Spaltmasse suchen wir vergebens, weshalb wir hier auch solide 7,5 von 10 Punkten für die Wertigkeit vergeben. Alles fasst sich gut an, nichts klappert. Das Unternehmen setzt nach eigener Aussage wo immer möglich auf lokale Produktion und recyclebare Materialien.
Aber wo Licht ist, ist auch Schatten – oder in diesem Fall Wasser. Die Tropfschale ist mit 350 Millilitern sehr knapp bemessen und hat keinen Indikator, der euch warnt, bevor es überschwappt. Das Rausfriemeln der Schale erfordert etwas Fingerakrobatik und führte in unserem Test hin und wieder zu kleinen Überschwemmungen. Ein weiteres Detail, das im Workflow nervt: Wenn man spült (Flushen), bleibt durch das Design des Bleches auf der Tropfschale immer ein Rest Wasser zurück. Das sieht zwar schick aus mit dem Roxy-Logo, ist aber unpraktisch, weil man ständig wischen muss. Ein Gitter wäre hier die weniger schöne, aber pragmatischere Wahl gewesen.
Bedient wird die Roxy über zwei Knöpfe, die wiederum über eine App konfiguriert werden können. Knopf 1 leuchtet in einer von drei Farben, welche signalisieren, dass ein zugeordnetes Brühprofil bzw. Rezept ausgewählt wurde. Taste 2 schaltet durch die Profile.
Technik & Aufheizzeit: Warten war gestern
Kommen wir zu den inneren Werten, wo die Roxy richtig punktet. Sie verzichtet auf klassische Boiler und setzt auf einen Dickfilmheizer. Der Hersteller verspricht eine Brühbereitschaft in unter zwei Minuten.
Wir haben natürlich nachgemessen. In unserem standardisierten KM-Protokoll war die Maschine nach exakt 2 Minuten und 50 Sekunden inklusive Siebträger so weit durchgeheizt, dass wir einen stabilen Espresso beziehen konnten. Durch den Siebträger haben wir zu diesem Zweck einen kompletten Spülbezug gezogen. Das ist allerdings bereits in die 2:50 eingerechnet.
Das ist Weltklasse und bringt der Roxy die volle Punktzahl von 10,0 für die Aufheizzeit. Wer morgens wenig Zeit hat, wird das lieben. Und natürlich hat diese schnelle Aufheizzeit auch unmittelbare Auswirkung auf den Energieverbrauch und unsere Leistungsmessung.
Wie die Roxy den Fluss steuert (Pulspaketsteuerung)
Ein technisches Detail müssen wir präzisieren und genauer beleuchten, denn es ist das Herzstück der Fluss- und Drucksteuerung, die in der Roxy passiert. Im Inneren arbeitet eine klassische Vibrationspumpe.
Einige Hersteller versuchen, steuern diese Pumpen durch eine Art "Dimmung", was dazu führen kann, dass die Pumpe bei niedrigem Druck stehen bleibt, weil ihr die Kraft fehlt. Die Roxy geht einen anderen Weg: Sie nutzt eine gezielte Hub-Ansteuerung (technisch: Wellenpaketsteuerung).
Dabei wird die Pumpe nicht schwächer gemacht. Stattdessen schaltet die Elektronik gezielt einzelne Hübe der Pumpe an und aus. Jeder Hub erfolgt also mit voller Kraft, aber die Frequenz der Hübe wird reduziert. Ihr müsst euch das wie beim Gehen vorstellen: Statt kleiner, schlurfender Schritte (Dimmer), macht die Roxy grosse, kräftige Schritte, aber lässt dazwischen Pausen. Das ermöglicht extrem präzise und kraftvolle Low-Flow-Profile, ohne dass die Pumpe abgewürgt wird.
Weitere Infos, die ihr sonst nicht im Netz findet
- Abstand Siebträger zur Tropfschale: 13,4 cm
- Tiefe mit Stecker: 31 cm
- Tiefe mit Siebträger: 41 cm
- Höhe: 26,3 cm, Tiefe: 30 cm, Breite 16,6 cm
- Gewicht: 7,8 kg

Energie-Effizienz: Stromsparvorbild
Hier müssen wir kurz innehalten, denn was die Roxy beim Stromverbrauch abliefert, ist sensationell. Wir messen den Verbrauch für das Aufheizen und den ersten Espresso-Bezug (EE). Die Roxy benötigt dafür lediglich 0,0278 kWh.
Damit unterbietet sie unsere strengste Hürde für die Bestnote von 0,05 kWh mühelos und sichert sich glatte 10 von 10 Punkten in unserem Energie-Score. Zum Vergleich: Sie verbraucht für diesen Vorgang nur etwa halb so viel Strom wie eine ohnehin schon sparsame DeLonghi Dedica. Dass die Maschine keine Dampffunktion besitzt, kommt der Energiebilanz hier natürlich zugute – wer "nur" Espresso will, heizt hier absolut keine unnötige Masse auf.
Volumetrik: Der Härtetest
Ein echtes Highlight ist die Volumetrik – und das sagen wir selten bei Maschinen dieser Preisklasse. Volumetrik ist die genaue Ausgabe der gewünschten Kaffeemenge. Um zu verstehen, warum die Roxy hier 9/10 Punkte abräumt, muss man wissen, wie gewissenhaft unser Testprotokoll ist.
So testen wir: Der 5-Stufen-Stress-Test
Wir testen nicht einfach nur, ob die Maschine irgendwann stoppt. Unser Volumetrik-Test durchläuft fünf Stufen, um die "Intelligenz" der Mengenautomatik zu prüfen:
- Hardware-Basis: Zunächst messen wir mit einem Scace-Device (Simulierter Widerstand), um die reine Wiederholgenauigkeit der Technik ohne den Faktor "Kaffee" zu prüfen.
- Referenz-Espresso: Es folgen Bezüge unter Idealbedingungen mit korrektem Mahlgrad.
- Profil-Check: Wir prüfen, ob die Volumetrik auch bei komplexen Druckprofilen (z.B. mit langer Preinfusion) stabil bleibt.
- Der Stress-Test (Gröber & Feiner): Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wir stellen die Mühle absichtlich deutlich gröber (schneller Fluss) und feiner (langsamer Fluss).
Die Roxy denkt mit
Die Roxy hat diesen Parcours bravourös gemeistert. Sie nutzt einen Algorithmus, der den Fluss misst und daraus die Menge in der Tasse errechnet, statt nur Zeit zu stoppen. Im Stress-Test hat sie erkannt, wenn der Fluss schneller oder langsamer war, und den Bezug entsprechend früher oder später beendet. Das Ergebnis: Selbst ohne Waage kamen wir im Test auf eine solide Genauigkeit von +/- 1,5 bis 2 Gramm. Für den schnellen Espresso am Morgen ist das absolut verlässlich.
Der Waage-Modus für Perfektionisten
Wer es auf die Spitze treiben will, koppelt eine Bluetooth-Waage. Dann schaltet die Roxy in eine Art "Override-Modus": Sie deaktiviert ihre interne Berechnung und steuert den Bezug exakt nach dem Feedback der Waage. In diesem Setup landeten wir bei einer Präzision von +/- 0,5 Gramm. Das ist High-End-Niveau und bringt ihr – zusammen mit der intuitiven Eingabe der Zielmenge in der App – fast die volle Punktzahl ein.
Hier als kurze Anmerkung: Wir haben unser Testprotokoll präzisiert und überarbeitet. Um die volle Punktzahl zu erreichen, muss eine Genauigkeit von +/- 0,5 erreicht werden und eine Waage sinnvoll unter bzw. in die Tropfschale integriert sein.
Bedienbarkeit und Workflow
Die Bedienbarkeit bewerten wir mit 8,0 Punkten. Abzüge gibt es hier primär für die kleine Tropfschale und das Nachtropfen, aber die Steuerung via App und Tasten ist intuitiv und mächtig.
Bei der Bedienbarkeit zeigt die Roxy ihren ganz eigenen Charakter. Wir vergeben hier 8,0 Punkte, weil die Steuerung via App und Tasten hervorragend gelöst ist, die Hardware im Alltag aber ein paar Tücken bereithält.
Minimalismus trifft "Snake"-Charme
Am Gerät selbst gibt es kein Display, sondern nur zwei Taster und eine RGB-LED. Das finden wir im Alltag extrem angenehm: Ihr müsst nicht jedes Mal das Handy zücken, um einen Espresso zu beziehen. Einmal eingestellt, drückt ihr einfach den Knopf für das hinterlegte Profil (z.B. Gelb für Standard-Profil).
Die App selbst ist ein Fall für sich. Visuell erinnert sie uns mit ihrem Pixel-Look an den Klassiker "Snake" oder alte Windows-Zeiten – ein UX-Design-Preis ist hier nicht zu holen. Aber: Sie funktioniert. Stabil, schnell und ohne unnötigen Schnickschnack. Besonders hilfreich fanden wir das Feedback-System: Nach dem Bezug sagt euch die App, ob ihr den Mahlgrad anpassen solltet, weil der Fluss nicht zum Profil passte. Das ist ein echtes Feature, das Einsteigern hilft.
Die Hardware-Tücken: Wischen und Friemeln
So gut die Software ist, so sehr merkt man der Hardware an einigen Stellen die extreme Kompaktheit an.
- Die Tropfschale: Mit 350 ml ist sie sehr klein. Das eigentliche Problem ist aber nicht die Grösse, sondern das Handling. Es gibt keinen Schwimmer, der anzeigt, wann sie voll ist. Zudem sitzt sie so passgenau, dass man sie förmlich "rausfriemeln" muss. Ist sie gut gefüllt, schwappt beim Entnehmen fast garantiert Wasser über – auch wenn die Waben im Inneren die Schwappgefahr reduzieren. Hier hilft nur: Regelmässig leeren, bevor es kritisch wird.
- Das "Tropfblech": Wir haben es bereits erwähnt. Einer der wenigen Bereiche wo die Designer nicht der Devise «Form follows Function» gefolgt sind. Statt eines durchlässigen Gitters wird das Blech nach jedem Bezug und Spülen zum Tropfenfänger. Ein Lappen neben der Espressomaschine ist unumgänglich, um es nach jedem Bezug zu reinigen.
Wassertank: Öfter mal nachschenken
Der Glas-Wassertank ist ein optisches Highlight und lässt sich gut reinigen. Mit 0,9 Litern Volumen ist er aber für eine Espressomaschine am unteren Limit. Wenn ihr – wie wir im Test – auch mal den Spülmodus nutzt oder Filterkaffee brüht, seid ihr gefühlt öfters am Nachfüllen. Für den Einzelnutzer okay, für den Vieltrinker ein Kompromiss. Andererseits brüht ihr so garantiert mit frischem Wasser.
Fazit zur Bedienung: Die Roxy macht Spass, wenn man sich auf sie einlässt. Die Steuerung ist präzise und "idiotensicher", die App mächtig. Die kleinen Hardware-Macken (Tropfschale, Wischen) kosten sie aber die Bewertung im 9er-Bereich. Wer damit leben kann, bekommt einen sehr direkten und modernen Workflow.
Profiling & App: Von "Beginner-Freundlich" bis "Nerd-Modus"
Hier wird es spannend, denn die Roxy ist eigentlich ein Wolf im Schafspelz. Sie hat kein Display, aber über die App öffnet sich eine Spielwiese, die wir sonst nur von Maschinen wie der Decent oder Maro kennen.
Der Einstieg: Drei Profile für den Start
Für alle, die einfach nur Kaffee trinken wollen, kommt die Roxy mit drei gespeicherten Profilen, die über die farbigen Tasten (bzw. Farben in der App) wählbar sind.
- Dunkle Röstungen (Gelb): Ein Profil mit fixiertem Fluss von 1,6 ml/s.
- Helle Röstungen (Pink): Ein angepasstes Profil für fruchtigere Kaffees.
- Klassisch (9 Bar): Ein Standard-Druckprofil, das sich wie eine normale Vibrationspumpen-Maschine verhält.
Das Geniale an den ersten beiden Profilen ist die Fluss-Steuerung. Die Maschine versucht nicht krampfhaft, 9 Bar Druck aufzubauen, sondern hält den Wasserfluss konstant. Wenn ihr also mal zu grob gemahlen oder unsauber getampt habt, "rauscht" das Wasser nicht einfach durch. Die Maschine greift regulierend ein und rettet den Shot. Das ist eine Art eingebauter Barista-Assistent, der Frust bei Einsteigern massiv reduziert. Die App gibt euch sogar Feedback: War der Druck zu niedrig, sagt sie euch nach dem Bezug, dass ihr feiner mahlen solltet.
Der Nerd-Modus: "If-This-Then-That" für Espresso
Wer tiefer einsteigen will, kann in der App völlig frei drehen. Ihr könnt Profile bauen, die auf "Wenn-Dann"-Logiken basieren. Ein Beispiel: "Wenn der Druck 2 Bar erreicht, schalte in die nächste Phase". Ihr könnt Rampen fahren, den Druck langsam abfallen lassen oder «Turboshots» programmieren. Es sind unbegrenzt viele Profile speicherbar.
Wir haben im Test mit unserem Hamesho aus Äthiopien experimentiert und konnten die Balance aus Süsse und Säure extrem präzise steuern. Die App selbst erinnert optisch zwar eher an Snake auf einem Nokia 3310 als an modernes UX-Design, aber sie funktioniert tadellos und bietet eine Tiefe, die in dieser Preisklasse absolut konkurrenzlos ist.
Einzige Einschränkung beim Profiling: Die Roxy begrenzt den Fluss technisch auf maximal 5 Milliliter pro Sekunde. Für 99 % aller Espressi reicht das völlig. Wer aber extrem schnelle Turboshots oder grosse Mengen Filterkaffee brühen will, rennt hier in ein Limit. Unser Filterkaffee-Test mit David zeigte: Für 200 ml ist es okay, für mehr wird der Flow zu langsam.
Espresso-Qualität & Temperatur
Das Wichtigste ist aber: Schmeckt es? Ja, und wie. Im Bereich Espressopotential erzielt die Roxy hervorragende 8,7 Punkte. Die Bezüge waren sensorisch sehr balanciert, süss und dicht. Doch guter Geschmack ist kein Zufall, sondern das Ergebnis technischer Präzision. Deshalb schauen wir uns die Temperaturkurven genau an – denn hier trennt sich die Spreu vom Weizen.
Wir bewerten die Temperatur-Performance mit sehr starken 8,0 von 10 Punkten. Um diese Note einzuordnen, lohnt sich der Blick in unser dreiteiliges Temperatur-Protokoll:
1. Der "First Shot" (Alltagstauglichkeit)
Die große Herausforderung für schnell aufheizende Maschinen ist der erste Bezug. Ist das System wirklich schon stabil? Wir haben gemessen: Der erste Shot startete bei der Roxy mit durchschnittlich 93,44 °C, während sich die Maschine später bei etwa 92,5 °C einpendelte. Wir haben hier also einen minimalen "Overshoot" von 0,95 °C. Da diese Abweichung unter einem Grad liegt, ist das ein sehr guter Wert, der kaum sensorische Nachteile bringt. Für eine Maschine, die in unter drei Minuten startklar ist, ist das beeindruckend.
Wichtig: wer die Roxy nach 2:30 nutzen will, muss einen Spülshot durch den Siebträger machen, um diesen vollständig zu erhitzen.
2. Intra-Shot Stabilität (Der Kurvenverlauf)
Was passiert während des Bezugs? Hier verliert die Roxy die Punkte für die absolute Perfektion. Unsere Messung zeigt einen leichten "Rise": Die Temperatur klettert während der Extraktion um gut 1 Grad nach oben (Start ~91,8 °C auf Ende ~92,8 °C). Ideal wäre eine flache Linie ("Flatline"). Eine leicht abfallende Kurve würde wir ebenfalls positiv bewerten. Ein solcher Anstieg ist kein Beinbruch, verändert aber die Extraktionsdynamik leicht. Das kostete sie in unserem strengen B-Cluster (Intra-Shot-Stabilität) die Bestnote.
3. WBC-Performance (Der Stresstest)
Hier zeigt die kleine Roxy dann aber Muskeln wie eine Grosse. Wir haben sie durch unser an die World Barista Championship angelehntes Protokoll gejagt: 14 Bezüge in kurzer Folge. Das Ergebnis ist verblüffend: Die Maschine bleibt unter dieser Dauerlast in einem Temperaturfenster von unter 1 °C (Differenz Min/Max: 0,94 °C). Sie zeigt absolut keine Ermüdung. Ob ihr einen oder zwanzig Espressi macht – die Roxy liefert konstant ab wie eine Profimaschine.
Zu unseren Espresso-Röstungen
Wir rösten Kaffees für jeden Geschmack. Von der dunkleren Röstung italienischer Prägung wie dem Compadre, einem Übergangsespresso wie dem Mano oder hellen Röstungen, mit denen wir an Baristameisterschaften in Deutschland und der Schweiz Podien angreifen. Wir begleiten euch auf eurer Kaffee-Reise und liefern für jeden Kaffee passende Rezepte und Empfehlungen. Wir freuen uns, wenn ihr mal probiert.
Der Elefant im Raum: Kein Dampf = 0 Punkte
Kommen wir zum Punkt, der die Geister scheiden wird: Die Roxy kann nicht schäumen. Gar nicht. Es gibt keine Dampflanze und keinen Dampfboiler. Folgerichtig gibt es hier 0,0 Punkte für die Schäumqualität. Wer seinen Cappuccino liebt, muss sich einen externen Aufschäumer wie den Nanofoamer daneben stellen oder zu einer anderen Maschine greifen.
Solche Schäumer gibt es immer mehr und in immer besserer Qualität. Wer Espresso zubereiten und Schäumen in einer Maschine hat, wird mit der Roxy Espresso nicht glücklich.
Für Michel aus unserem Team ist das ein Ausschlusskriterium, da er Gäste gerne mit Latte Art bewirtet. Ich persönlich finde das Konzept konsequent. Es ist eine reine Espressomaschine. Wenn ich keinen Milchschaum brauche, warum soll ich Technik dafür bezahlen und aufheizen?
Die Roxy Espresso integriert Fluss- und Druckprofiling in Deutschland gebaut nur deshalb in einen Preis von 2300 Euro, weil sie sich so konsequent darauf konzentriert, eine Espressomaschine zu sein. Das ist ihre Meisterschaft und in dieser ist sie extrem gut.
Zubehör: Licht und Schatten (6,0 Punkte)
Beim Zubehör macht die Roxy es uns nicht leicht. Wir bewerten diesen Punkt mit 6,0 von 10 Punkten – eine Note, die zeigt: Da ist Luft nach oben, vor allem gemessen am Preis von 2.300 Euro.
Der Lichtblick: Der Tamper
Positiv hervorheben müssen wir den mitgelieferten Tamper. Hier sparen viele Hersteller und legen nur Plastik-Spielzeug bei. Nicht so bei Roxy: Ihr bekommt einen massiven Tamper mit einem Durchmesser von 58,5 mm. Das ist entscheidend, denn dieses "Übermass" sorgt dafür, dass er das Sieb wirklich bündig bis zum Rand abschließt und kaum Kaffeemehl an den Seitenwänden zurückbleibt. Er liegt gut in der Hand und passt perfekt zum hochwertigen Anspruch der Maschine.
Der Schatten: Die Siebe
Beim Herzstück, den Sieben, waren wir hingegen etwas enttäuscht. Die Roxy kommt mit Standard-Sieben, die "okay" sind, aber nicht das volle Potenzial der Maschine ausschöpfen. Michel hat es im Video auf den Punkt gebracht: Bei einer Maschine, die so präzise arbeiten kann, hätten wir uns ab Werk Präzisionssiebe (wie z.B. von IMS oder VST) gewünscht, die zylinderförmig und perfekt gelocht sind.
Hier hat der Hersteller an einer Stelle gespart, die für den Geschmack durchaus relevant ist. Unser Tipp: Nutzt den hochwertigen 58er Siebträger, aber gönnt euch für ein paar Euro ein Upgrade auf ein Präzisionssieb. Die Maschine wird es euch danken.
Filter-Brüher
Im Lieferumfang ist ein kleiner V60 Filter sowie eine entsprechende Aufhängung. Für mich wirkt das Fehl am Platz und bricht mit dem klaren Konzept, des Espressobrühers. Wenn ich Filterkaffee machen will, dann brühe ich mir diesen von Hand auf, in der passenden Menge. Dennoch ist das positiv zu erwähnen: ihr habt im Lieferumfang der Roxy auch eine Möglichkeit, Filterkaffee zu machen und in kleineren Mengen macht die Roxy das auch gut.
Fazit: 72 Punkte für einen Spezialisten
Die Roxy Espresso ist mit einem Gesamtscore von 72,0 Punkten ("Sehr Gut") eine der spannendsten Maschinen, die wir in letzter Zeit auf der Theke hatten. Sie ist ein Spezialist, kein Allrounder.
Für wen ist sie? Sie ist perfekt für den reinen Espresso-Trinker, der wenig Platz hat, aber maximale Kontrolle und Nerd-Features wie Profiling sucht. Sie ist ideal für alle, die Energie sparen wollen und bereit sind, für Milchschaum eine separate Lösung zu nutzen.
Für wen ist sie nichts? Wenn ihr morgens primär Cappuccino für die ganze Familie macht, werdet ihr mit dem fehlenden Dampf nicht glücklich. Auch wer grosse Mengen Filterkaffee brühen will, findet bessere Lösungen – nämlich Filterkaffeemaschinen.
Die Roxy Espresso ist mit der kleinen Tropfschale und ohne Dampflanze auch nicht für Caterings oder Volumenbetrieb gemacht. Die Temperatur-Konstanz der Maschine würde allerdings dem Anspruch von Volumenbetrieb vollkommen gerecht werden!
Preislich liegt sie mit 2.300 Euro/CHF in einem Bereich, der für die gebotene Fertigungsqualität und die innovative Technik absolut fair ist (Preis/Leistung: 5,1 Punkte). Sie ist leise (8,0 Punkte), extrem temperaturstabil und liefert Ergebnisse auf Weltklasse-Niveau.
Eine Gesamtscore von 72/100 Punkten (Testprotokoll 2.3) ist immer noch sehr gut und es ist noch beeindruckender, wenn man sich vor Augen führt, dass es ohne Punkte für die Schäumperfomance sowie Catering-Potential erreicht wird.
Wenn ihr damit leben könnt, dass die Roxy "nur" Espresso kann, dann kann sie den aber verdammt gut!























