Wenn der Hahn neben dem Bett drei Mal kräht, dann ist es Kaffeepflück-Zeit. Zumindest für uns Besucher, die wir eine Woche das Leben der Kaffeebauern der kleinen Kooperative Vicente Talavera teilen dürfen. Wir sind im Norden Nicaraguas, 1 ½ Stunden von Estelí entfernt, in der Gemeinschaft Miraflor. Es ist 6.00 Uhr und wir kriechen aus unseren Schlafsäcken. Die haben wir gebraucht, denn der Wind ist in der Nacht doch kräftig durch die fingerbreiten Ritzen der Hütte gefegt. Das Wellblechdach hat dazu den Takt geschlagen.
Unsere Gastgeber, drei Familien des Dorfes, die bereits seit zwei Stunden beschäftigt sind , empfangen uns zum köstlichen Frühstück. Das besteht, wie alle anderen Mahlzeiten, aus Tortilla, Gallo Pinto – dem „gefleckten Hahn“, einer Bohnen-Reismischung und Bananen. Dazu kommen je Mahlzeit ein bis zwei Variationen, z.B. Avocados, Broccoli und Huhn oder Ei, die alle im unmittelbaren Umfeld der Hütte wachsen bzw. leben.
Die kleine Reisegruppe besteht neben mir aus den vier Kaffeemachern Pola Rapatt, Marc Rosenkranz, Selma Bausinger und Stefania Scarcia vom ‚unternehmen mitte‘ sowie André Strittmatter, Kaffeeexperte und Produktionsleiter der Rösterei Bertschi-Café.
Wir sechs sind auf verschiedene Familien der Kaffeebauern aufgeteilt. Zwischen unseren Hütten und Familien liegt ein Tal, mitten darin der Brunnen von dem alle Bewohner der Gemeinde ihr Wasser holen und ab 18.00 Uhr am Abend die tiefe Dunkelheit des Lebens auf dem Land. Unser Tagesverlauf richtet sich nach den hellen Stunden des Tages. Früh aufstehen, früh zu Bett gehen.
Was dazwischen passiert, schreiben die Kaffeemacher im Bohnenkult-Blog bei der tageswoche.