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Sage Barista Touch Espressomaschine – Test 2021

Sage Barista Touch Espressomaschine – Test 2021

Sage Barista Touch

Die Sage Barista Touch ist eine Kombi-Espressomaschine mit integrierter Mühle. Sehr praktisch für den Einstieg, wenn beides funktioniert. Fällt aber eine der Komponenten aus, dann ist ein Wechsel oder ein Upgrade nicht so einfach möglich.

Vorweg: die Mühle der Espressomaschine ist solide und bauähnlich mit der Sage Smart Grinder Pro. Diese Mühle haben wir bereits getestet. Sie ist eine gute Empfehlung für den Start in die Welt der Espresso Zubereitung.

Mit der Espresso-Qualität der Sage Barista Touch tun wir uns dagegen schwer. Ganz im Gegenteil das Schäumen der Milch für Cappuccino und andere Milchgetränke – dabei glänzt die Sage Barista Touch.

Wie das alles zusammen spielt und wie wir die Maschine im Bereich der Thermoblock-Espressomaschinen einordnen, erfahrt ihr in diesem Testbericht.

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Halbautomatik mit Vollautomaten Anstrich

Was die Firma Sage, die in der englisch sprachigen Welt unter Breville firmiert, sich bei der Zusammenstellung der Maschine gedacht hat, können wir nur interpretieren. Die Maschine geht einige Schritte auf den Kaffeevollautomaten zu und liefert mit einem Touch-Display die meisten Knöpfe, die bei der Pro physisch vorliegen. Lediglich der Mahlgrad muss per Drehrad verstellt werden. Alle anderen Steuerungseinheiten sind im Display integriert.

Ein ausführliches Menü bietet dann auch zahlreiche Getränke an, vom Espresso bis zum Flat White, Cappuccino und Americano. Schaut man genauer hin, so verstecken sich jedoch hinter den meisten Getränken die gleichen Einstellungen. Kein Wunder, die Basis der meisten Espressomaschinen-Getränke ist ein Espresso.

Also ist jeweils der Kaffee für Espresso zu mahlen. Im Touch Display lässt sich die Menge per Mahlzeit verstellen. Erster Wehmutstropfen. Die Einstellung ist hier nur in Sekunde-Schritten möglich. Während der 200€ Smart Grinder auf zwei Zehntel genau einstellbar ist, die Sage Barista Pro immerhin noch Schritte von 0,5 Sekunden zulässt, springt die Sage Barista Touch nur noch Sekunden-genau. Eine Sekunde, das entspricht mehr als einem Gramm gemahlenem Kaffee. Wer 18 Gramm kaffee mahlen möchte, landet im Extremfall bei 17.5 oder 18.5 Gramm. Unerklärlich, warum das teurere Modell hier weniger Präzision liefert.

Wie Sage die Espresso Extraktion empfiehlt.

Der Siebträger wird von Hand gegen die Mühle gepresst, anschliessend von Hand getampt und eingespannt. Nun folgt der Bezug – alles wie bei der Sage Barista Pro. Nur eben per Display geführt. Zusätzlich liefert dieses dann noch allerlei Tipps und Einstellungsmerkmale, einem digitalen Rezeptbuch gleich. Leider sind einige dieser Angaben in diesem Rezeptbuch vollkommen falsch oder sorgen für mehr Verwirrung als Anleitung. So wird eine ideale Extraktionszeit mit 10 – 12 Sekunden angegeben, wobei eine Zeit von 25 Sekunden richtig wäre. Ein 10 – 12 Sekunden Espresso schmeckt saurer als eine frische Zitrone.

Ein Display mit Touch und wenig mehr

Praktisch ist die Einstellungsmöglichkeit der Milchschaumlevel und Milchtemperatur. Überhaupt hat Sage beim Milchschaum, wie schon bei der Sage Bambino Plus, wirklich abgeliefert. Aber wirklich wesentlich ist dieses Display für die Funktion der Maschine nicht. Hinzu kommt, dass wir im globalen Handyzeitalter sensible Reaktionen von Displays erwarten. Der Display der Touch reagiert, als ob wir auf das Mobilphone gleich drei Schutzfolien geklebt hätten.

Die Sage Barista Touch hinterlässt bei uns den Eindruck einer Zusammenbastelei zwischen Sage Barista Pro und Sage Oracle Touch. Die Maschine funktioniert bis auf den Auto-Steam wie die Sage Barisat Pro. Den Display hat sie aber von der Oracle Touch, nur fehlt der automatische Tamper und vermutlich hätte der Boiler der Oracle Touch bessere Arbeit geleistet, als der Dickfilmheizer der Barista Touch.

Temperatur-Exzesse – wie weit über 100 geht?

Dieses Kapitel tut etwas weh. Die Sage Barista Touch hat mit dem verbauten Dickfilmheizer im Prinzip die Zukunftstechnologie in Sachen Durchlauferhitzer geladen. Die Espressomaschine ist superschnell heiss. In nur 3!! Sekunden ist die Maschine auf Betriebstemperatur. Eine gigantisch gute Energieübertragung macht die Stromeffizienz der Sage Barista Touch unschlagbar. Wir haben 0,09 kw pro Stunde gemessen. Das ist nicht nur sehr effizient, sondern ein absoluter nachhaltiger Fingerzeig für alle anderen Maschinenentwickler.

Der Heizer gibt die Energie über die auf die Metallplatte gepressten Heizelemente fast unmittelbar an das Brühwasser ab. Je nach Energieeinspeisung ist das Wasser sehr schnell sehr heiss. Genauso schnell kann die Temperatur durch die Reduzierung der Energie herunter gefahren werden. Anders als in einem Thermoblock, der durch die Statik des Aluminiumblocks viel träger ist, könnte man mit diesem Dickfilmheizer sogar Temperaturprofile fahren. Nur eines wäre dafür nötig: eine ebenso genaue Steuerung der Einheit und Kontrolle der Temperatur. Die versagt bei der Sage Barista Touch bei unseren Messungen leider völlig. Die Zieltemperatur für guten Espresso liegt bei rund 93 Grad Celsius.

9 Temperaturstufen von Niedrig 4 bis Hoch 4 und einer mittleren „ideal“ Temperatur helfen nicht, wenn die niedrigste ihren Schwung durch die Höhen bei 98 Grad beginnt. Die Temperaturkurven zeigen, wie weit wir uns von einer idealen Temperatur entfernt bewegen.

Temperaturschwankungen bei der Sage Barista Touch
Temperaturschwankungen bei der Sage Barista Touch

Wie schmeckt so heiss gebrühter Espresso? Unangenehm bitter, sehr, sehr bitter. Er schmeckt trocken und harsch. Man kann damit Espresso brühen, aber vor allem dunklere, klassischere Espressomaschinen rufen nach einer so heissen Extraktion schon fast nach einer ordentlichen Ladung Zucker oder Milch, um die Bitterkeit zu kompensieren.

Dass der Dickfilmheizer gut eingesetzt werden kann, zeigt z.B. Tone Swiss sowie eine Hersteller von höherpreisigen Kapselmaschinen, den wir hier nicht nennen wollen.

Die Infos zum Dickfilmheizer kommen von Patrizio Frigeri, Kaffee-Ingenieur, der auch schon ausführlich über Kapseln hier berichtet hat.

Milchschaum der Zweikreiser-Klasse

Was die Sage Barista Touch an Milchschaum liefert, ist aller ehren Wert. Die Maschine unterstützt manuelles und automatisches Schäumen von Milch. Manuell spielt die Sage Barista Touch in Sachen Milchschaum in der 1. Liga der Zweikreiser-Espressomaschinen. Sie kann zwar nicht parallel zum Espresso-Bezug schäumen, aber unmittelbar nach der Extraktion. Auch hier zeigt sich wieder die Potenz des Dickfilmheizers. Energie rein, Temperatur hoch.

Die Auto-Steam Funktion der Sage Barista Touch ist Vollautomaten-ähnlich, nur besser als die meisten Systeme. Ein kleiner Sensor auf der Abtropfschale misst die Temperatur der mitgelieferten Sage-Kanne oder einer beliebigen handelsüblichen Kanne von Rhinoware oder anderen Herstellern. Über das Display lässt sich die Zieltemperatur festlegen.

Einstellen der Milchtemperatur an der Sage Barista Touch.
Einstellen der Milchtemperatur an der Sage Barista Touch.

Mit der Aktivierung des Schäumens bringt der Auto-Steam die Temperatur mit einer Genauigkeit von 1.5 Grad Abweichung auf Zieltemperatur. Das ist richtig gut. Der Milchschaum hat natürlich das eine oder andere Bläschen, ist aber sogar Latte Art geeignet.

Die manuelle Schäumfunktion der Sage Barista Touch ist jedoch so gut, dass wir jedem raten, das manuelle Schäumen zu lernen. Damit werde ihr mit der Sage Barista Touch viel Freude haben.

Lieferumfang, Grösse und Ausbau

Die Sage Barista Touch wird wie die Sage Barista Pro mit zwei einwandigen, einem doppelwandigen Sieben sowie einer Milchkanne und einem Tamper geliefert. Auch im Lieferumfang ist ein Kaffeepulverabschaber der Firma Sage Razor™ Präsisionsdosierwerkzeug. Sollte zu viel Pulver in den Siebträger gemahlen werden, kann dieses mit dem Abschaber entfernt werden. Bei einer sorgfältigen Einstellung der Mühle sollte das jedoch nicht passieren.

Die Sage Barista Touch ist 34 cm breit, mit Siebträger 41 cm tief und mit Bohnenbehälter 40,6 cm hoch. Der 2 Liter-Wassertank lässt sich leicht entnehmen und füllen. Die Maschine hat eine Front und Seitenverkleidung aus gebürstetem Edelstahl. Der Tassenabstellbereich sowie der Bohnenbehälter und Wassertank sind aus Plastik.

„Volumetrische Kontrolle“ beim Espresso

Jein. Eine volumetrische Kontrolle des Wasser haben wir nicht vorgefunden, anders als Sage das auf seiner Webseite schreibt. Statt über eine Volumetrik wird die Wassermenge über Zeit gesteuert. Was ist der Unterschied?

Eine volumetrische Steuerung liefert eine bestimmte Menge Wasser ab, ignoriert dabei den Widerstand des Kuchens und presst z.B. 65 Gramm Wasser auf den Kaffeekuchen. Ein Teil des Wassers bleibt immer im Kaffee zurück. Die übrige Menge landet als Espresso in der Tasse. Damit hat der Home Barista immer die gewählte Menge, also z.B. 40 oder 45 Gramm bei einem Doppelsieb in den Tassen. Das ist praktisch, kann man sich nun ganz auf den Mahlgrad konzentrieren und darüber den Wiederstand und die Extraktionszeit einstellen. Die Frage des Baristas lautet dann: wie lange braucht meine Espressomaschine, um eben jene 40 Gramm Espresso in die Tasse zu bringen. Wir raten Espresso-Einsteiger:innen eine Extraktionszeit von 25 Sekunden anzupeilen.

Anders bei der Sage Barista Touch. Hier lässt sich die Auslaufzeit einstellen und z.B. mit 25 oder 30 Sekunden fix wählen. Nun bedeuten 25 Sekunden aber nicht mehr automatisch ein nahezu gutes Ergebnis. Wenn der Mahlgrad nun zu fein gewählt wurde, laufen in diesen 25 Sekunden zu wenig Milliliter durch. Wurde der Mahlgrad zu grob gewählt, dann ist die Tasse nach 25 Sekunden randvoll gefüllt.

Die Einstellung der Mühle und Kontrolle der Extraktion findet nun über das Abwiegen der Espressomenge ab. Das geht natürlich auch, bedarf aber ein grösseres Umdenken und vor allem die konsequente Verwendung einer Waage. Fast alle im Netz verfügbaren Anleitungen gehen von einer volumetrischen Steuerung aus oder erklären anhand einer Faema E61 Brühgruppe ohne Steuerung die Einstellung des Espressos.

Wieso macht vor allem für Espresso-Beginner eine Volumetrik mehr Sinn? Wenige Sekunden mehr oder weniger Extraktion machen geschmacklich weniger Unterschied, als ein komplett anderes Brüh- bzw. Getränkeverhältnis, also die Menge von eigesetztem Kaffeepulver im Verhältnis zu Wasser.

Fazit zur Sage Barista Touch

Die Sage Barista Touch können wir für das Schäumen der Milch ohne Vorbehalt empfehlen. Wirklich klasse, was die Touch da auf die Reihe bringt. Kraftvoll schäumt sie sowohl manuell als auch automatisch guten Schaum für Cappuccino und Latte Macchiato,

Die Temperatur ist bei der Sage Barista Touch leider zu schwankend und zu hoch, um guten Espresso zu brühen. Wer Espresso-Purist ist, wird deshalb mit der Maschine eher nicht glücklich.

Im Vergleich zu den anderen Sage Modellen performt die Sage Bambino Plus nicht schlechter in Sachen Espresso-Extraktion als die Sage Barista Touch oder Sage Barista Pro. Mit dem Auto-Steam ist die Maschine noch einmal weiter entwickelt im Vergleich zur Sage Barista Pro. Die Mühle der Sage Barista Pro ist aber feiner einzustellen. Ob der Mehrpreis für die Touch wirklich Sinn macht, müsst ihr entscheiden. Allzu viele Argumente dafür gibt es nicht.

Vielleicht ist sogar die Bambino mit dem Smart Grinder die beste Wahl, da dann auch eines Tages ein einfaches Upgrade möglich ist. Just saying…

Wer eine Espressomaschine für den Einstieg unter 1000 Euro sucht, sollte einen Blick auf unsere Thermoblock-Reihe werfen und sich die Quick Mill Orione 3000 oder die Gaggia New Classic (Einkreiser) anschauen. Die Ascaso Steel Duo PID sowie einige Zweikreiser machen auch eine gute Figur, für knapp über 1000 Euro.


Macht Kaffee mit allen Sinnen. Benjamin Hohlmann ist Q-Arabica und Robusta Grader. Er war Schweizer Brewers Cup Meister und deutscher Cup Tasting Sieger. Unser geschäftsführender Gesellschafter und Gründer liebt es über Kaffee zu schreiben, mit Kaffee zu experimentieren und neues zu lernen.

  1. Fabian

    20 Februar

    Wird die Temperatur der Sage Barista Pro/Express auch nochmal mit dem neuen Gerät gemessen? Ich schätze mal in der Barista Pro ist der gleiche Thermoblock/Dickfilmheizer eingebaut?

    • Hallo Fabian. Schätze ich auch. Wir haben bereits nachgemessen. Wir sind etwas tiefer, aber auch bei 98+, der Durchschnitt liegt aber tiefer.

    • Thomas

      21 Februar

      Das würde mich auch interessieren!

  2. Alexandre

    20 Februar

    Vielen Dank für diesen super ausführlichen Bericht. Zum Espresso: ich hab es richtig verstanden dass die Maschine einfach nur zu heiss brüht, ganz egal ob Mahlgrad 6 oder 10? Weil in der Standard Einstellung ist der Mahlgrad für Espresso 6, ihr habt aber 10…

    Ich war/bin noch nicht zu 100% begeistert von der Maschine-durch euren Test bin ich jetzt noch unsicherer 😑

    • Genau, die Maschine ist zu heiss. Der Mahlgrad ist unabhängig davon zu betrachten.

  3. Janis

    20 Februar

    Habt ihr auch den „inneren“ Mahlgrad verstellt?

    Durch viel probieren bin ich bei einer Ratio von 2:1 in 27sek. Allerdings ist der Mahlgrad außen auf 3 und innen auf 4.

    Ich verwende eigentlich bei jedem Bezug eine Waage zur Kontrolle.

  4. Hallo Janis, wir mussten den inneren Mahlgrad nicht verstellen. Das hängt aber vom Kaffee und der Grundkalibrierung ab.

  5. Oliver

    21 Februar

    Hallo Benjamin,
    Vielen vielen Dank erstmal für den Dank für den ausführlichen Test!

    Habt ihr mal überlegt Sage/Breville mit den Ergebnissen zu kontaktieren? Die Reaktion wäre sicher interessant; da es ja scheint als wären viele elektronische Komponenten verbaut, vielleicht kann man bei der nächsten Wartung im Sage Service Center mindestens die Brühtemperatur und Mahlgrad-Einstellung per neuer Software anpassen?

    Da ich die Maschine nun seit einem Jahr im Einsatz habe und durch die Bitterkeit selten puren Espresso mehr trinke, könnt ihr eine Kaffee Empfehlung geben? Im Video hattet ihr von helleren Espresso-Röstungen gesprochen, gibt es ggf eure Empfehlungen für Röstungen die besser hohe Temperaturen vertragen?

    Beste Grüße und noch einen schönen Sonntag!

  6. Dennis

    21 Februar

    Wie kann man ungefähr bestimmen, ob man zu heiß oder zu kalt ist? Außer geschmackstechnisch.
    Es scheint ja eine Serienstreuung von zu kalt bis zu heiß zu geben.

    Wenn ich normal Heißwasser aus der extra Öffnung (z.b. für Americano) beziehe – also nicht über die Brühgruppe direkt – sollte das doch so um die 95-100 Grad heiß sein? Kann man ja messen.
    Kann ich das dann mit einem normalen Wasserbezug aus der Brühgruppe vergleichen oder kommen für die Extraktionstemperatur noch mehr Parameter zu tragen, wie bspw. Druck etc?

    Also testen ob ein Heiß-Wasser Bezug (aus der speziellen Öffnung) kälter oder heißer ist, als ein Heiß-Wasserbezug aus dem Siebträger.

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