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Rancilio Silvia Espressomaschine – Test ...

Rancilio Silvia Espressomaschine – Test & Tipps

Rancilio Silvia

An der Rancilio Silvia kommt man nicht vorbei, wenn man sich mit preisgünstigen Espressomaschinen auseinandersetzt. Für wenig Geld bringt dieses kleine Maschinchen einfach gehörig Leistung. Wenn sie will. Und das ist der springenden Punkte. Die Silvia ist ungefähr so launisch wie ein pubertierender Jugendlicher in Hochform. Die Umschaltgeschwindigkeit zwischen Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt sucht ihresgleichen. Wenn auf den Punkt gebrüht, dann schmeckt der Espresso so lecker wie bei den Luxusmodellen für 3000 Euro plus. Wenn der Punkt verfehlt wird, dann freut sich, wer verzichten kann.

Dieser Artikel gibt euch einen ehrlichen Überblick darüber, was die Rancilio Silvia leistet und was nicht. Es gibt im Web zahlreiche Online Shops und Testberichte zur Rancilio Silvia, die sie als Testsieger preisen und empfehlen (z.B. hier und hier). Auch wir finden: es gibt viele Argumente für die Rancilio Siliva. Aber nur wenn ihr wisst, worauf ihr euch einlasst, dann werdet ihr langfristig auch zusammen glücklich.

Und der Espresso schmeckt

Richtig feine Espressi haben wir mit der Rancilio Silvia gebrüht. Kräftig, balanciert und süss. Genau so wie man sich einen Espresso wünscht, brüht die Rancilio Silvia ihn mit etwas Liebe. Geschmeckt haben uns sowohl eher klassischere dunklere Röstungen wie hell geröstete Fruchtbomben. Da gibt es bei der Rancilio Silvia keine Grenzen.

Die Rancilio Silvia macht so guten Espresso, wie kaum ein anderes Modell in dieser Preisklasse. Die Voraussetzung ist natürlich eine gute Mühle sowie das meistern der Temperatur-Schwankungen (dazu unten mehr). Das Doppelsieb der Silvia fasst gut 17 Gramm. 38 bis 42 ml haben wir damit als doppelten Espresso gebrüht.

Solide, langlebig und gut verarbeitet

Rund 14 kg wiegt die Espressomaschine. Das ist recht ordentlich und sorgt dafür, dass die Rancilio Silvia fest und solide steht. Das ist vor allem wichtig, wenn man den Siebträger einspannen will. Leichtere Espressomaschinen drehen dann gerne mit. Hier wirkt die Silvia mit ihrem Edelstahlgehäuse wertig und gut verarbeitet. Mit einer Breite von 23.5 cm und einer Höhe von 34 cm passt sie gut auf viele Arbeitstheken und auch die Tiefe von 29 cm ist überschaubar.

Die Rancilio Siliva hat sich bisher in allen Modellen als langlebig und widerstandsfähig bewiesen. Ein Manko in der Konstruktion ist die geringe Tiefe der Abtropfschale. Diese füllt sich nach nur wenigen Bezügen und droht dann überzulaufen. Es ist ausserdem sehr wichtig, die Tropfschale konsequent bis zum Anschlag nach hinten zu schieben. Wen ihr das unterlasst, droht das Wasser aus dem Überlaufventil unter die Schale zu laufen. Das ist nicht nur eine unpraktische Verschmutzung, sondern birgt mit der Zeit auch Rostgefahr.

Einkreiser und Temperatur-Schwierigkeiten

Die Rancilio Silvia ist eine Einkreiser-Espressomaschine. Einkreiser-Espressomaschinen nutzen einen einzigen Boiler um damit sowohl den Espresso zu Brühen, als auch den Druck zum Schäumen der Milch zu erzeugen. Eine gute Brühtemperatur für Espresso liegt in der Regel bei rund 90 – 94 Grad Celsius. Um genügend Druck zum Schäumen der Milch aufzubauen, muss der Boiler viel höher erwärmt werden. Bei etwa 120 – 130 Grad ist der aufgebaute Druck gut zum Schäumen der Milch geeignet.

Müsste die Silvia nur eine der beiden Aufgaben leisten würde sie in beiden Kategorien zu den Testsiegern ihrer Klasse gehören. Die Rancilio Silvia ist im „Espresso“-Betrieb erstaunlich konstant bei rund 94 – 96 Grad und kann mit kurzem Spülen (heisses Wasser aus dem Brühkopf laufen lassen, ohne den Siebträger einzuspannen) schnell auf die Zieltemperatur gebracht werden.

Auch der aufgebaute Schäumdruck der Rancilio Silvia hat es wirklich in sich. In kurzer Zeit lässt sich auch eine 0,6 Liter Kanne problemlos schäumen. Damit haben einige Zweikreiser-Espressomashcinen grössere Probleme.

Die Herausforderung liegt im Umschalten zwischen den beiden Funktionen. Wurde ein Espresso gebrüht, lässt sich der Boiler via Knopf in rund 1:30 auf den nötigen Dampfdruck bringen. Die Milch kann geschäumt werden und der Ablauf ist perfekt.

Möchte man dann allerdings den nächsten Espresso beziehen, beginnen die Herausforderungen.

Temperatur-Surfen mit der Rancilio Silvia

Die schnellste Variante die Temperatur des Boilers zu reduzieren ist die Entleerung des kleinen Boilers. Dieser fasst nur 0,3 Liter und ist somit recht schnell geleert. Auch der Dampf-Druck muss entfernt werden und so empfiehlt sich, heisses Wasser und Druck über die Dampflanze zu entlüften. Parallel kann mit der manuellen Befüllungstaste Wasser nachgefüllt werden.

Dieses Prozedere wird solange durchgeführt, bis die orange Aufheizleuchte angeht. Das ist das Zeichen, dass die Temperatur im Boiler soweit gefallen ist, dass die Maschine wieder hoch heizen will.

Da sie nun im „Espresso-Modus“ ist, heizt sie auf die bereits erwähnten rund 96 Grad und kann mit kurzem Spülen wieder auf die Zieltemperatur gebracht werden.

Ein Siebträger der sich gut in der Hand anfühlt

Der wertige Eindruck der Maschine spiegelt sich für uns im Siebträger. Das ist wirklich ein Siebträger und steht dem Siebträger einer Gastro-Espressomaschine im nichts nach. Man hat etwas in der Hand. Mehr als 600 Gram bringt er auf die Waage.

Die 58 mm Durchmesser des Siebs sind eine klassische Grösse, die auch bei allem Faema E61 Brühgruppen vorkommt. Entsprechend findet man ganz unterschiedliche Siebe, die man zukaufen und verwenden kann. Mitgeliefert wird ein 1er Sieb mit einem angegebenen Fassungsvermögen von 7 Gramm. 8.5 Gramm fasst das 1er-Sieb aber ohne weiteres, wobei das abhängig vom Röstgrad des Kaffees ist. Das mit 14 Gramm angegebene 2er Sieb fasste in unserem Test und einem Kaffee mit mittlerer Röstung 17.5 Gramm.

Temperatur 2.0 bei der Rancilio Silvia

Wie ihr schon gemerkt habt: die Temperatur ist die Herausforderung, die es zu meistern gilt. Sie entscheidet darüber ob die Rancilio Silvia eine sehr gute oder schlechte Maschine ist. Wie oben und im Video erklärt, lässt sich die Temperatur von Hand steuern. Natürlich gibt es aber auch technische Lösungen. Eine solche ist der nachträgliche Einbau einer PID Steuerung. Damit lässt sich die Temperatur der Silvia präzise Ansteuern. Seattle Coffee Gear hat die Installation sehr gut auf Englisch erklärt. Wir werden hier eine entsprechende Erklärung auf Deutsch nachliefern.

Technische Infos und Bedienungsanleitung Rancilio Silvia

  • Einkreiser-Espressomaschine
  • Wassertank 2.5 Liter
  • Breite 23.5 cm, Höhe 34 cm und Tiefe 29
  • Leistung Watt: 1100
  • Preis: ca. 550 € / 770 CHF
  • Gewicht: 14 kg
  • Vibrationspumpe
  • Brühboiler: 0,33 l aus Messing
  • Steuerung des Boilers über Thermostat

Hier könnt ihr die Bedienungsanleitung zur Rancilio Silvia direkt bei der Firma Rancilio in deutscher Sprache herunterladen.

Was für die Rancilio Silvia spricht

  • Richtig guter Espresso
  • Richtig guter Milchschaum
  • Milchdüse mit viel Wumms
  • Kompakt, solide und langlebig
  • Verhältnismässig enormes Eigengewicht für kleine Maschine gibt festen Stand
  • Preisleistung unschlagbar
  • Edelstahlgehäuse macht richtig was her
  • Siebträger entsprechend Gastrostandard

Was gegen die Rancilio Silvia spricht

  • Aufwendiges Wechseln zwischen Brühen und Schäumen (Einkreiser-Typisch)
  • Nur ein Loch in der Dampflanze erfordert etwas Übung beim Schäumen, da der Dampf in Pulsen sehr konzentriert austritt
  • Viel Wasser muss vor dem Schäumen aus der Lanze abgelassen werden, um den Milchschaum nicht zu sehr zu verwässern
  • Kleine Abtropfschale und Überlaufgefahr

Fazit

Die Rancilio Silvia ist eine wirklich gute Espressomaschine. Da stimmen wir mit vielen geschätzten Kaffeekollegen wie z.B. Arne Preuss von Coffeeness überein. Die Betonung liegt auf Espresso. Wenn ihr vor allem Espresso machen wollt, dann ist der Aufwand der Temperatur-Steuerung recht gering und lässt sich wirklich einfach meistern. Herausfordernder wird es, wenn ihr regelmässig Cappuccino und andere Milchgetränke trinken wollt. Die Silvia ist absolut dafür geeignet, feinporigen oder voluminösen Schaum zu schäumen und eignet sich somit auch für Latte Art Muster. Nach dem Schäumen der Milch bedarf es jedoch einiger Umwege um die Temperatur im Boiler wieder auf Espresso-Range zu bringen.

Wenn ihr dazu bereit seid und das in Kauf nehmen wollt, dann ist die Rancilio Silvia die richtige Maschine für euch. Wenn ihr von euch selber wisst, dass euch Material was nicht einfach ein Selbsläufer ist Alltag Nerven kostet, dann spart euch den Frust und investiert in die Preiskategorie ab 1000 €/1200 Franken und schafft euch einen Zweikreiser an.

Hier weiterlesen:


Macht Kaffee mit allen Sinnen. Benjamin Hohlmann ist Q-Arabica und Robusta Grader. Er war Schweizer Brewers Cup Meister und deutscher Cup Tasting Sieger. Unser geschäftsführender Gesellschafter und Gründer liebt es über Kaffee zu schreiben, mit Kaffee zu experimentieren und neues zu lernen.

  1. Chris

    31 Dezember

    Hallo,
    Was genau meint ihr wenn ihr sagt, die Silvia ist launisch wie eine pubertierender Jugendlicher? Bezieht ihr das auf das Temperatursurfen und die Wartezeit nach dem Erlöschen der Heizungs-LED (bzw. das Spülen bis kein Dampf mehr aus der Brühgruppe kommt), um in den optimalen Temperaturbereich zu kommen, wie ihr es im Youtube-Video zum Test beschreibt? Oder gibt es noch andere Schwierigkeiten?

    • Benjamin

      31 Dezember

      Ja, genau – das meinen wir. 😉

  2. Chris

    1 Januar

    Das geht, den Teenager kriege icb gebändigt 😉

    Gutes neues!

  3. Martin

    5 Februar

    Hallo,
    wenn ich das richtig habe, habt ihr die v5 getestet.
    Es scheint mir so, als würde es auch schon eine v6 geben und die v7 auf der Webseite des Herstellers bereits vorgestellt.
    Ist das korrekt?
    Auf der Hersteller Seite ist von einer Silvia Pro mit PID und der Silvia mit „automatic dosing“ die Rede. Ist mit „automatic dosing“ wohl eine programmierbare Wassertaste gemeint? Das wäre ja ein Traum.

    Habt ihr da eventuell schon nähere Informationen ?

    Danke und Gruß
    Martin

  4. Johannes

    14 Mai

    Hallo,

    meint ihr es macht Sinn, vorne an der Dampflanze eine 2- oder 3-Lochdüse anzubringen? Wird die Dampfpower dann besser verteilt?

    LG und herzlichen Glückwunsch für eure tolle Arbeit,
    Johannes

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