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Oha! Spezialitätenkaffee in Kapseln – jetzt auch in der Schweiz

Von Philipp Schallberger. Am London Coffee Festival 2016 präsentierte Maxwell Colonna-Dashwood, ein Weltklasse-Barista und umtriebiger Kaffee-Unternehmer (Colonna Coffee, Autor von Water for Coffee) als Erster ein Produkt, das die Spezialitätenkaffee-Gemeinde die Stirne runzeln liess: Spezialitätenkaffee in Kapseln.

Das Publikum war zuerst mal ein wenig irritiert. Kaffeekapseln sind für Geniesser von Spezialitätenkaffee das Gegenteil von dem, was dieser für sie ausmacht: Genuss, Qualität und Sorgfalt. Und trotzdem trinken wir fast alle mal Kaffee aus Kapseln – zu Hause, bei der Arbeit, im Urlaub,im Zug.

[blockquote]Unsere Erwartungen an eine Kaffeekapsel war bisher kaum diejenige, dass sie geschmacklich besonders komplex sein soll. Man kann sich nun fragen: muss das so sein?[/blockquote]Colonna-Dashwood hat es 2016 vorgemacht: nein. Man kann beide Welten verbinden; die des Genusses, und die der Bequemlichkeit (convenience). 2017 folgte mit April Coffee Roasters ein weiterer Spezialitätenkaffee-Röster, der das Feld der Kapsel hinterfragt und seine eigene Variation davon auf den Markt bringt.

Und nun folgt mit „Beluga – by Café Royal“ die Interpretation eines Schweizer Rösters. Und zwar nicht von einem kleineren „Spezialitätenröster“, sondern vom zweitgrössten „Industrieröster“: Delica – ein „Grosser macht auf klein“.

Als Kaffeemacher finden wir, dass dies eine tolle Botschaft ist. Der schweizweit grösste Produzent von Nespresso-kompatiblen Kapseln lanciert ein Spezialitäten-Produkt und formuliert damit einen gerade erst entstehenden Markt mit. Wir finden es total spannend, dass das Beluga-Team der Delica als Mieter in unserem Co-Roasting-Space Spezialitätenkaffee röstet und wir dazu unseren Teil beitragen.

Als Autor dieses Beitrages und Mitentwickler der Beluga-Kapseln finde ich[1], dass wir in der Spezialitätenkaffee-Industrie uns das Thema Kapsel noch genauer anschauen sollten. Kapseln bieten so viele Vorteile, von welchen die Spezialitätenwelt eigentlich nur profitieren kann:

[list type=“plus-dark“]
[li]Einfachheit: Mit Kapseln schaffen wir es, schnell und einfach eine grössere Mehrheit der Konsumenten mit Spezialitätenkaffe zu erreichen. So kreieren wir eine Auseinandersetzung mit Kaffees, die sonst nur mit etwas Anstrengung erhältlich sind.[/li]
[li]Frische-Moment: Sobald der Kaffee eingekapselt ist, wird er mit Stickstoff versehen. Zurück bleibt eine dichte Kapsel. Eine Kapsel fängt den Geschmack eines saisonalen Top-Lots von einem floralen Panama-Gesha ein und behält ihn ohne Geschmacksverlust konserviert. Für Jahre.[/li]
[li]Sauber und schnell: Spezialitätenkaffee ist bisweilen immer noch langsam. Ja, das gehört ein Stück weit dazu – etwas Meditation, etwas Fokus, Besonnenheit. Aber schon jetzt ersetzen gewisse Automatismen den Barista (Eine interessante Sichtweise dazu von Matt Perger)[/li]

[li]Variationen: Eine Mühle zu wechseln und neu zu justieren benötigt nebst Kaffee auch etwas Zeit. Eine Kapsel wird eingeworfen und voilà – das fertige Getränk ist nach knapp 20 Sekunden in die Tasse geplätschert.[/li]
[/list]

Und der Geschmack?

Kann denn eine Kapsel überhaupt gut schmecken? Und wie. Bei Beluga stellen wir uns die Frage: wie können wir ein allseits bekanntes und gelerntes Produkt noch besser machen?

In der Tat, ein handgebrühter Filterkaffee oder ein top gerösteter Spezialitäten-Espresso aus der Siebträgermaschine sind Getränke, die komplexer schmecken können als ein Kaffee aus einer Kapsel.

Aber taugt der Vergleich zwischen so verschiedenen Getränke? Dosierung, Mahlgrad, Extraktionszeit, Röststil etc. sind immer verschieden. Vergleichen wir Sauser mit Rosé mit Rotwein mit Naturwein mit Barrique mit Grappa mit Süsswein – nur weil alles aus der selben Traube gewonnen wird?

Die Zukunft ist hier – und die Kaffeemacher sind mit dabei

Spezialitätenkaffee in Kapseln ist ein Versuch, zwei auf den ersten Blick sich gegenseitig ausschliessende Welten zu überbrücken. Es ist ein Markt, der gerade erst entsteht und mit jedem neuen Anbieter an mehr Fahrt gewinnt.

Als Kaffeemacher lieben wir Spezialitätenkaffee in allen Formen und finden es einfach spannend, rund herum mit zu wirken. Die Reise von Spezialitätenkaffee ist aufregend – und wir sind mitten drin. Mal schauen, was da noch alles kommt.

  • Online Shop: www.beluga-coffee.ch
  • Ab dem 20.11. erhältlich in den Globus Delicatessa Filialen
  • Öffentliche Tastings in den Globus Filialen am 1./2. Dezember in Zürich und Genf und am 8./9. Dezember in Luzern und Basel

[1] Philipp Schallberger, Autor dieses Beitrags, Kaffeemacher und Gründer von in the name of, arbeitet bei der Delica in der Forschung&Entwicklung.


Lernt jeden Tag mehr über Kaffee. Philipp ist Q-Arabica Grader und jurierte während mehrere Jahren Barista-Weltmeisterschaften. Er ist Gesellschafter, Teil der Geschäftsleitung und leitet die Kaffeemacher-Rösterei. Philipp mag alles, was lecker ist, und wenn er keinen Kaffee machen würde, dann wäre es wohl Wein.

  1. Alle voll Automaten sind unästetisch und unpräsise im messen und mischen. Warum nicht gleich eine Maschiene welche Wasser und Caffe aus rein Chemischen Komponenten zum sensorisch gewünschtem getränk mischt. Starten mit fünf exzellenten fertig zubereiteten Caffes und dies Struktur 100% chemisch analysieren und kopieren mittels @oceanprotocol und ‚cuisine note a note‘

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