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Mahlkönig X54 – Espressomühle für Zuhause

Mahlkönig X54 – Espressomühle für Zuhause

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Die Mahlkönig X54 Espressomühle ist auf dem Markt. Als Kaffeemühle ist die X54 für Espresso und Filterkaffee geschaffen und soll als „Allrounder“ heimische Kaffeetrinkerinnen und Kaffeetrinker bedienen. Der Preis ist mit 499 Euro sehr kompetitiv und erschließt damit ein neues Preissegment für den Branchenprimus Mahlkönig.

Wir haben einen ersten Blick auf die Mahlkönig X54 geworfen. Zum Totraum, zur Konstanz und der allgemeinen Beschaffenheit können wir bereits etwas sagen. Mit anderen Aussagen halten wir uns zurück, bis unser ausführlicher Espressomühlen Test erscheint. Wir testen die nächsten Monate 33 Espressomühlen, analysieren Partikel und ziehen hunderte Espressi. Im Rahmen dieses Testes wird auch ein ausführliches Einzelvideo zur X54 und eine Kontextualisierung im Feld der anderen Mühlen erscheinen.

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Erster Eindruck – die äußere Beschaffenheit der X54

Die Vario von Mahlkönig war bisher die Einstiegsmühle des Schweizerisch-Deutschen Kaffeemühlenkonzerns. Auch bei mir stand sie vor gefühlt einem Jahrzehnt zuhause – eine Mühle wir ein Fremdkörper in einem ansonsten hochwertigen Sortiment von Kaffeemühlen. Mahlkönig machte eben keine Mühlen für den Einstieg – oder wenn, dann nur mit angezogener Handbremse – so war mein damaliges Fazit bei der Nutzung des Plastikgeschützes. Wenn ich an das Umstellen des Mahlgrades an den zwei Hebeln zurück denke, kriege ich heute noch Krämpfe.

Umso mehr freute ich mich über die Ankündigung der X54. Eine richtige Mühle – ein „Allround Home Grinder“ mit Espressoschwerpunkt. Das ist durchaus anspruchsvoll! Die Präzision im Espresso-Feinbereich der Partikel fordert von einer Mühle einiges und geht selten einher mit einer gute Mahlgradeinstellung bis in den Filterbereich.

Der erste Eindruck der X54 war dann durchaus beeindruckend. Die Maschine wirkt sehr hochwertig, gut verarbeitet. Sie ist mit rund 5 kg zwar eher auf der leichten Seite, fühlt sich dabei aber dennoch solide an. Das äußere der X54 ähnelt der E65 in klein oder der Anfim Practica, die wie Mahlkönig Teil der Hemro Gruppe sind.

Ansicht der Mahlkönig X54.

Der Bohnenbehälter besteht aus ziemlich widerstandsfähigem Plastik. Verträgt auch das eine oder andere runterwerfen. Das ist viel besser geworden als bei früheren Mahlkönig-Mühlen. Auch die Bohnenbehälteraufnahme ist solide. Kein mühseliges einrasten und abbrechen mehr wie noch bei der K30 oder Peak. Die Mahlgradverstellung fühlt sich ebenso wertig an wie das Display gut funktioniert. Das macht Freude!

Konstanz der Mühle – Bezug für Bezug

Für das saubere Einstellen des Espressos ist eine zuverlässige Mahlkaffeemenge ein wichtiger Faktor. Wir haben je 10 Bezüge im Espresso-Bereich wie auch Filterkaffee-Bereich gemessen. Die Mühle schwankt dabei mit 0,3g +/- vom Zielmahlgrad. Das ist nicht perfekt, aber völlig akzeptabel für eine Mühle für den Hausgebrauch.

Neue Mühlen liefern zunächst mehr statische Aufladung, bis die Mahlscheiben etwas eingelaufen sind. Die statische Aufladung hielt sich in Grenzen und war nicht auffällig hoch. Wenn die Mühle hundert Bezüge hinter sich hat, wird sich zum einen die Statik der Teilchen reduzieren und auch die Schwankung voraussichtlich bei 0,2 bis 0,3 Gramm einpendeln.

Stufenlos oder 35 Stufen bei der X54?

Mahlkönig hat hier selbst in der Kommunikation einen Bock geschossen und mancher Wiederverkäufer hat diesen übernommen. Die Mühle hat nicht 35 Stufen sondern ist stufenlos. Sie hat jedoch eine Skala die sich über 35 Ziffern bzw. Einteilungsschritte zieht.

Beim Einstellen des Mahlgrades ist kein Wiederstand und auch kein Rastern zu spüren. Im Umkehrschluss bedeutet dass, das die Mühle stufenlos präzise eingestellt werden kann. Wir haben die Mühle unproblematisch von Espresso auf Filter und wieder zurück gestellt. Im Espressobereich bedarf es dann wieder einiger Bezüge, um auf den Punkt die perfekte Espresso-Extraktion zu nageln. So unser erster Eindruck. Gerade diesen Bereich der Mühle werden wir noch genauer untersuchen. Auf den ersten Blick mutet die Mühle hier deutlich flexibler an, als viele klassische Espressomühlen.

Mahlgradeinstellung der X54.

Wir sind prinzipiell eher dafür, eine Mühle nur für Espresso zu verwenden und eine weitere Mühle für Filterkaffee. Ob die Mahlkönig X54 hier unsere Meinung ändert, berichten wir euch nach weiteren Tests.

Totraum – das vergessene Mahlgut in der Mühle

Als Totraum wird Raum in der Mühle bezeichnet, der sich nach dem Beenden einer Mahlung nicht vom Kaffeepulver leert. Je nach Mühlengeometrie, Mahlscheibenverbauung und Umraum bleibt mehr Kaffeepulver in der Mühle zurück oder weniger. Dieses Mahlgut wird beim Mahlen von weiteren Kaffeebohnen bei der nächsten Mahlung als erstes aus der Mühle gedrückt. Zum Ende einer Mahlung bleibt wiederum neues Pulver zurück.

Wir unterscheiden bei der Überprüfung des Totraumes zwischen Stellen in der Mühle, an denen sich nicht jedes Mal das Kaffeepulver ersetzt und Bereichen, wo das Kaffeepulver bei jeder Mahlung ausgetauscht wird. In Öffnungen von Schraubenköpfen bleibt beispielsweise mit der Zeit Kaffeepulver kleben, welches dann nicht bei jeder Mahlung ausgetauscht wird.

Viel Spielraum für altes Kaffeepulver.

Der Totraum der X54 ist relativ groß. Im Bereich der Mitnehmer und vor dem Flapper lagert sich einiges Kaffeepulver an. Wir haben einen Totraum von 7,6 Gramm bei einem Espressomahlgrad gewogen. Da unsere Mühle neu ist, sind die potentiellen Stellen für dauerhaften Totraum noch nicht verklebt und mit Kaffeepulver besetzt. Der Totraum wird sich somit voraussichtlich noch leicht reduzieren.

7,6 Gramm Totraumfüllung sind viel. Es geht noch mehr, aber es geht auch deutlich weniger!

Um das ins Verhältnis des Espressobezugs zu setzen: ein doppelter Espresso mit 18g IN bestünde zu mehr als einem Drittel aus „altem“ Kaffeemahlgut. Der Bezug eines einfachen Espressos von 9 oder 10 Gramm,… nun, der würde überwiegend mit altem Mahlgut bezogen.

Single Dosing und Wege gegen den Totraum

Auch aufgrund des großen Totraumes ist die X54 eindeutig keine Mühle die für Einzelportionen gedacht ist. Es bleibt einfach zu viel alter Kaffee im Umraum der Mahlscheiben. Schade, dass Mahlkönig hier nicht mehr mit der Zeit geht und diese Impulse des Marktes aufgenommen und an einem kleineren Totraum gearbeitet hat. Niche macht es vor und Eureka liefert mit dem „Blow Up System“ zumindest Ansätze, um mit dem Totraum umzugehen.

Totraum ist kein Problem, wenn der nächste Espresso unmittelbar bezogen wird. Problematisch wird es, wenn der Espresso erst am nächsten Morgen ansteht. Wie nun also mit einem solchen Problem umgehen, wenn doch eine Mühle ansonsten gute Leistung erbringt? Kurz zwischenmahlen ist die beste Devise.

Gerade bei der X54 lassen sich 4 Mahlmengendosierungen programmieren. Mahlmenge 1 kann so eingestellt werden, dass bei der Nutzung der Mühle zunächst der Totraum geleert und neu gefüllt wird. Erst dann kann z.B. auf Mahlstufe 2 die eigentliche Mahlmenge bezogen werden.

Wie schnell und laut mahlt die X54 Mühle von Mahlkönig?

Wir sind auf eine Mahlzeit von 16.5 Sekunden gekommen, um 18 Gramm Kaffeepulver für die Zubereitung unseres Espresso von der Kooperative APAS zu beziehen. Die Röstung ist für unsere Verhältnisse eher auf der dunkleren Seite, also eine mittlere Röstung im Gesamtbild. Hellere Röstungen werden länger dauern, dunklere Röstung werden aufgrund der Brüchigkeit des Kaffees schneller von statten gehen.

Auffällig ist, wie leise die Mühle dabei mahlt. Das ist ziemlich rekordverdächtig. Gerade heimische Espressomühlen sind oft nicht nur laut sondern hören sich auch „verkrampft“, hakelig und „ungesund“ an. Das schnurren der X54 ist wirklich angenehmen leise und wohltönend. Das ist schön gelöst!

Erstes Fazit und eure Erfahrungen

Soweit unser erster Eindruck von der X54. Ein genauerer Test wird folgen und auch die Einordnung der Mühle in den Kontext der anderen Home-Mühlen für den Heimgebrauch.

Wir sind eure Erfahrungen mit der neuen Mühle von Mahlkönig? Teilt ihr unseren Eindruck oder seid ihr anderer Meinung? Was fällt euch positiv auf und was stört euch? Wir sind gespannt auf eure Erfahrungen.


Macht Kaffee mit allen Sinnen. Benjamin Hohlmann ist Q-Arabica und Robusta Grader. Er war Schweizer Brewers Cup Meister und deutscher Cup Tasting Sieger. Unser geschäftsführender Gesellschafter und Gründer liebt es über Kaffee zu schreiben, mit Kaffee zu experimentieren und neues zu lernen.

  1. Chris

    7 Mai

    Guten Tag.
    Ich habe die Mühle seit Mittwoch und bin schwer angetan.
    Sie ist mMn sehr wertig verarbeitet und es macht spaß mit ihr zu „arbeiten“.
    Was ich feststellen konnte, dass ich nach ca 500g Mahlgut schwankungen von 0,4 (selten auch 0,5) gramm im ST habe.
    Bei meiner aktuellen Bohne (dunkle aber nicht sehr dunkle Röstung), komme ich auf 0,8g/s (16g in 20s). Das liegt leider deutlich unter den Angaben von MK.
    Auch da hoffe ich das sich das ggf noch bessert.

    Danke für das schnelle Review!

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