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Auf ein paar Kaffees in San Pedro Sula, Honduras 2...

Auf ein paar Kaffees in San Pedro Sula, Honduras 2/3

Auf einer zweistündigen Autofahrt lerne ich, wie sich die Kaffee-Industrie in Honduras in den letzten 50 Jahren entwickelt hat. Kaffee gabs aus der Thermos.

Wie viele Jahre er denn schon mit Kaffee zu tun habe, fragte ich ihn. «52 Jahre. Ich habe nie was Anderes gemacht. Meine Arbeit gab mir immer Zufriedenheit.» Heute steuert Don Alfredo auf die 70 zu und ist verantwortlich für den nationalen Kaffee-Einkauf eines grossen Exporteurs. Bevor Exporteure Kaffee verkaufen, müssen sie diesen auch im Land ankaufen. Das heisst, dass Don Alfredo so ziemlich alle Produzenten in Honduras kennt, aus allen sieben Kaffeeregionen.

 «Nein, nein», winkt er ab, «ich kenne nicht alle Produzenten. Aber eigentlich die Meisten», sagt er mit einem Schalk eines sorgfältig alternden Gentlemans.

20 Jahre für einen Kaffee-Exporteur, danach acht Jahre als Berater unterwegs, und nun also seit mehr als 20 Jahren wieder im Export-Geschäft. Da erlebe man halt so Einiges. «Was hat sich denn in den letzten 50 Jahren verändert?» — «Alles.»

Von trocken zu nass aufbereiteten Kaffees

Ich erfahre, dass man in Honduras bis in die späten 70er-Jahre vor allem trocken aufbereitete Kaffees produzierte, naturals. «Gepflückt und auf dem Patio ausgelegt. Als sie trocken waren, hat sie der Exporteur abgekauft. Der Wunsch nach milderem Kaffee wurde nur graduell lauter. Aber als dann eine grössere Masse gemerkt hat, dass gewaschene Kaffees milder sind, ging es schnell.» Wenig präzis aufbereitete Naturals können eine sog. harte Tasse ergeben, sie können einen Phenol-Stich haben, u.a. auch als Rio-flavor (Brasilien) oder phenolito (Zentralamerika) bekannt.

Die klassische Aufbereitung gewaschener Kaffees wie sie vor 40 Jahren gemacht wurde, war unheimlich Ressourcenintensiv. Die Anlagen, Kaffee zu entpulpen, kosteten viel. Die Menge an benötigtem Wasser für eine saubere Abquetschung der Pulpe war um ein Vielfaches höher, was nicht selten zu Wasser-Engpässen führte.

«Der Verkaufspreis für gewaschene Kaffees war zwar höher, das Geschäft aber lohnte sich, trotz der höheren Produktionskosten, denn Röster verlangten nun auch mehr».

Heute ist der Anteil an trocken aufbereiteten Kaffees in Honduras verschwindend klein und beschränkt sich vor allem auf etwas trockenere Regionen im Westen und auf den Spezialitätenmarkt.

Kredite aus den USA und Hybride aus der Zucht

Honduras ist heute die grösste Kaffeeproduzentin Zentralamerikas. Schaut man sich die Zunahme der Kaffeeproduktion in Honduras in den letzten 40 Jahren an, so stellt man vor allem eines fest: die Menge nahm fast kontinuierlich zu. Ende der 70er und Anfang der 80er-Jahre stieg die Produktion stark an. «Das war eine Zeit, als sich die USA ja überall eingemischt hat in Zentralamerika. Die USA hatte Bedenken von den erwachenden sozialistischen Bewegungen, wie zum Beispiel den Sandinisten in Nicaragua.»

Die zahlreichen Interventionen der USA in den 70er und 80er-Jahren in Zentralmerika werden meistens als «Aktionen im Hinterhof der USA» verballhornt. Das waren aber bei weitem nicht nur paramilitärische Aktionen, sondern wie in Honduras im konkreten Fall, auch spezifische Wirtschaftsförderung.

«Die USA vergab sehr günstige Kredite an werdende und bestehende Kaffeeproduzenten, um neu oder mehr Kaffee zu produzieren.»

Die Hoffnung der USA war klar, die ländliche Bevölkerung so stark in ein sich lohnendes wirtschaftliches System einzubinden, dass das Bedürfnis, sich kleineren Verbänden, militärischen oder politischen Gruppen anzuschliessen gar nicht aufkam. «Das funktionierte ganz gut. Im Gegensatz zu den Nachbarstaaten kam es in Honduras nie zu einer von aussen gesteuerten Revolution.»

Die Einführung von Hybriden, Kreuzungen zwischen Kaffee-Varietäten, im grossen Stil führten dazu, dass es bis in die 90er-Jahre zu keinen «apokalyptischen» Kaffeerost-Attacken kam. «Viel Farmen haben eine hohe Kontinuität, sie existieren schon seit Ewigkeiten.»

Nun ist es aber so, dass die sehr traditionelle Kaffeeproduktion kaum mehr mit den heutigen Anforderungen und Gegebenheiten wie dem tiefen Börsenpreis harmoniert. Die zukünftigen Herausforderungen für Kaffeeproduzenten sind riesig — das nächste Mal mehr.


Randnotiz

Die rote Zeder ist ein mächtiger, dennoch eleganter Baum mit grazilen Blüten und schlanken Ästen. Das Holz ist wertvoll und so habe ich schon einige Produzenten getroffen, die diesen Baum anpflanzen und so ihr Einkommen diversifizieren. Eines jedoch ist sehr speziell. Der Duft der Blüten erinnert so stark an gekochte rote Bohnen (frijoles), dass ich von der Pflanzung eines solchen Baumes zuhause absehe.


Lernt jeden Tag mehr über Kaffee. Philipp ist Q-Arabica Grader und jurierte während mehrere Jahren Barista-Weltmeisterschaften. Er ist Gesellschafter, Teil der Geschäftsleitung und leitet die Kaffeemacher-Rösterei. Philipp mag alles, was lecker ist, und wenn er keinen Kaffee machen würde, dann wäre es wohl Wein.

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